Der Weg von Frauen in die Technik ist auch im 21. Jahrhundert oft mit Vorurteilen und Benachteiligungen gepflastert

Linz (OTS) – Frauen sollen doch in die Technik gehen anstatt in typische und schlecht bezahlte Frauenberufe zu drängen, schallt es am heutigen Weltfrauentag durchs ganze Land. Damit könne die Einkommensschere geschlossen und die Diskriminierung von Frauen beendet werden. Für eine junge Frau aus Steyr fing die Diskriminierung aber genau dort an – als sie sich in einem Metallbetrieb als Lehrling beworben hatte. Es gebe keine Sanitär- und Umkleidemöglichkeiten für beide Geschlechter, so die Firma. „Eine faule Ausrede und so nicht zu akzeptieren“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Gerade einmal sieben Prozent beträgt der Frauenanteil in den sogenannten MINT-Fächern. Das sind Berufe in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Immer rund um den Weltfrauentag ertönt der Ruf von Wirtschaftsvertretern/-innen, junge Frauen sollen doch in die Technik gehen. Dass dieser Ruf oft nur ein Lippenbekenntnis ist, bekommen Mädchen und Frauen trotz ausgezeichneter schulischer Vorkenntnisse und Erfolge manchmal hautnah zu spüren. Zum Beispiel jene HTL-Schülerin aus dem Großraum Steyr, die sich bei einem lokalen Traditionsunternehmen als Metalltechniklehrling beworben hatte.

Die junge Frau wäre dafür hervorragend geeignet, doch die Firma erteilte ihr eine Absage. Die unverhohlene Begründung: Es werden im Betrieb generell keine weiblichen Lehrlinge ausgebildet, weil es keine nach Geschlechtern getrennten Sanitär- und Umkleideanlagen gibt. Mutter und Tochter wandten sich an die AK. Denn das Gleichbehandlungsgesetz regelt eindeutig, dass das Geschlecht bei der Begründung eines Arbeitsverhältnisses (dazu zählt auch das Lehrverhältnis) keinerlei Rolle spielen darf. Tut es das doch, ist die Firma gegenüber der diskriminierten Person schadenersatzpflichtig. Zudem stimmt in diesem Fall die Ausrede mit den fehlenden Sanitäranlagen nicht. Denn erst ab einer Anzahl von fünf Personen pro Geschlecht ist es laut Gesetz nötig, getrennte Anlagen zur Verfügung zu stellen.

„Die enttäuschte Schülerin und ihre Mutter wollten gar keinen Schadenersatz von der Firma. Die Lehrstellensuchende wollte lediglich fair, ohne Vorurteile und gleichberechtigt wie ihre männlichen Mitbewerber behandelt werden. Leider war ihr das nicht vergönnt“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer, für den diese Diskriminierung nicht akzeptabel ist, „erst recht nicht im 21. Jahrhundert“.

Dieser Fall ist leider kein Einzelfall. „Bei unseren Beratungen zeigt sich vielfach, dass die Diskriminierung von Frauen bei der Begründung von Arbeitsverhältnissen in technischen Berufen unverändert gängige Praxis ist“, erklärt der AK-Präsident. Er fordert die Unternehmen auf, diese Vorgehensweise abzustellen. Weiters verlangt Kalliauer einen seriösen Umgang mit den Bewerbungen aller junger Menschen, die ins Arbeitsleben einsteigen wollen, und eine bessere Ausstattung in den Betrieben (passende Umkleidekabinen, Pausenräume, Toiletten).

Um Klischees entgegenzuwirken, findet schon seit Jahren bundesweit der „Girls‘ Day“ ([https://www.girlsday-ooe.at/] (https://www.girlsday-ooe.at/)) statt – heuer am 22. April. Dieser ermöglicht Schülerinnen der zweiten, dritten und vierten NMS- oder AHS-Klassen, einen Betrieb oder eine Organisation aus dem handwerklichen, technischen oder naturwissenschaftlichen Bereich zu besuchen und in diese Berufe hineinzuschnuppern.

Arbeiterkammer Oberösterreich, Kommunikation
Mag. Dominik Bittendorfer
+43 (0)50 6906-2191
dominik.bittendorfer@akooe.at
ooe.arbeiterkammer.at

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