TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: „Ein Winter mit etlichen Fragezeichen“, von Alois Vahrner

Ausgabe vom Dienstag, 21. September 2021

Innsbruck (OTS) – Die Bundesregierung gab nun das von der Branche heiß ersehnte grüne Licht für die Wintersaison. Wie zu erwarten war mit etlichen Vorgaben. Neben Erleichterung und Hoffnung bleiben aber auch Unsicherheiten und Gefahren.

Unvorstellbar war vorher sehr vieles, was in den gut eineinhalb Jahren seit Ausbruch der Corona-Pandemie alles passiert ist. Gerade auch im besonders durch die Lockdowns, Reisewarnungen und Grenzschließungen betroffenen Tourismus. Mitte März 2019 wurde Tirols Tourismus im bis dahin besten Winter der Geschichte bis Ende Mai einfach zugesperrt. Nach einer angesichts der Umstände vielleicht sogar überraschend guten Sommersaison (die freilich deutlich unter den Vorjahren zurückblieb) spitzte sich die Lage im Herbst zunehmend zu. Zunächst immer mehr Reisewarnungen, dann ein scheinbar nicht mehr enden wollender Lockdown. Das schlimmste Szenario, der Totalausfall der gesamten Wintersaison mit Milliarden-Einbußen gerade in Tirol, wurde Realität. Etwa im Gegensatz zur Schweiz, die schon damals Hotels und Seilbahnen auch für Urlauber offen hielt.
Ein Fiasko wie im Vorjahr solle und dürfe sich heuer nicht mehr wiederholen, betonen Branchenvertreter und auch die Politik unablässig. Jetzt hat die Bundesregierung ihren Marschplan für offene Hotels, Gastronomie und Seilbahnen präsentiert. Mit FFP2-Masken in den Seilbahnen und restriktiver Umsetzung der 3-G-Regel soll in Österreich
eine weitgehend sichere Wintersaison ohne Zwangsstopps ermöglicht werden.
Dass die Tourismusbranche hörbar aufatmet, ist verständlich. Ebenso aber, dass es angesichts der weiter steigenden Infektionszahlen doch auch viel Sorge und Unsicherheit gibt, ob denn die Beteuerungen von Politik und Standesvertretern auch halten.
Die Dänen, die dank deutlich höherer Impfquote gar keine Corona-Beschränkungen mehr haben bzw. brauchen, sind offenbar nicht nur im Fußball deutlich besser unterwegs als die Alpenrepublik. Und auch im wichtigsten Urlauber-Herkunftsland Deutschland ist das Impf-Tempo zuletzt ziemlich erlahmt.
Gefordert sind in den nächsten Wochen und Monaten alle, um böse Überraschungen zu verhindern. Die Wirtschaft verlangt zu Recht klare und gut umsetzbare Vorgaben von der Regierung, die solche tatsächlich oft genug schuldig geblieben ist. Dass etliche Betriebe bisher auch etwa bei Registrierungen und Impfpass- oder Test-Kontrollen zu lasch agiert haben und dies weiterhin tun, ist aber auch ein Faktum. Die SPÖ tat die gestrige Einigung lapidar so ab, dass sich die Regierung besser um die Schulen als um Seilbahnen kümmern solle. Und die FPÖ, die stets gegen die Impfung poltert, fordert gleichzeitig „langfristige Konzepte“ für den Tourismus. Gefragt wäre neben einer entschlosseneren Regierung auch eine konstruktivere Opposition.

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