„White Striping“: Qualzucht auf Hühnerfleisch sichtbar

VGT-Recherche zeigt: 91% der Hühnerfilets in österreichischen Supermärkten weisen Krankheitsmerkmale auf

Schnell wachsende Masthühner sind oft von Erkrankungen der Brustmuskulatur betroffen. Weit verbreitet ist das sogenannte „White Striping“ – eine chronische, nekrotisierende und entzündliche Erkrankung, die sich durch weiße Streifen im Muskel zeigt. Der VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN hat sich genauer angesehen, wie häufig diese Krankheit bei österreichischen Masthühnern vorkommt. Dazu wurde eine Stichprobe von insgesamt 296 Fleischpackungen aus allen großen Supermarktketten in ganz Österreich überprüft. Darunter waren 201 Hühnerfilet-Packungen mit Fleisch aus konventioneller Haltung, die zu 91 % von „White Striping“ betroffen waren. Konventionell meint solche, die von schnell wachsenden Masthuhn-Hybriden (z.B. Ross 308) in Haltung auf gesetzlichem bzw. AMA-Mindeststandard stammen. In der biologischen Hühnermast werden in Österreich vergleichsweise sehr langsam wachsende Hühner gehalten. Die Proben aus biologischer Mast waren zu 96 % frei von „White Striping“. Bei Tierwohl-Marken mit ähnlichen Haltungsbedingungen waren solche, die schnell wachsende Hybride erlauben, stärker betroffen als solche, die bereits etwas langsamer wachsende Hybride einsetzen. Die weißen Streifen bestehen hauptsächlich aus Fett und Bindegewebe, welche im Muskel an Stelle von zuvor abgestorbenem Muskelgewebe eingelagert werden. Die aktuell vermutete Ursache dafür ist, dass der Muskel so schnell so groß wird, dass er nicht ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgt werden kann.

„WHITE STRIPING“ – EINE SICHTBARE FOLGE DER QUALZUCHT

Schnell wachsende Masthuhn-Hybride „explodieren“ innerhalb von acht Wochen förmlich von 40 Gramm auf über 4 Kilogramm, also auf das 100 fache. Sie leiden häufig unter Bewegungsanomalien, Fehlbildungen, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Hautkrankheiten. Die wissenschaftliche Literatur assoziiert auch „White Striping“ und andere Brustmuskelerkrankungen mit der Zucht auf schnelles Wachstum und großes Brustmuskelvolumen. Die typischen weißen Streifen sind im Gegensatz zu vielen anderen Krankheiten und Verletzungen am Hühnerfleisch sichtbar. Für Konsument:innen bietet sich so die Möglichkeit, zu erkennen, ob das Fleisch von krank gezüchteten Tieren stammt.

Sophie-Madlin Langner, Tierärztin bei Expertise for Animals, erläutert: „White Striping ist ein deutliches Zeichen für die Überzüchtung von sogenannten Masthühnern. Die degenerativen Veränderungen sind auf intensive Zuchtpraktiken und extreme Wachstumsraten zurückzuführen, die die Tiere in der Fleischindustrie erleiden müssen. Darin ist eine besonders besorgniserregende Entwicklung zu sehen, die darauf hinweist, dass die Gesundheit der Tiere hinter den wirtschaftlichen Zielen zurückgestellt wird.“

MEHR KALORIEN, WENIGER UND SCHLECHTERES PROTEIN

„White Striping“ verschlechtert nicht nur die optische Erscheinung von Hühnerfleisch, sondern auch die Qualität. Der Fettgehalt kann je nach Schweregrad bis zu drei Mal höher sein als bei einem nicht betroffenen Filet. Dementsprechend ist der Proteingehalt geringer und der Kaloriengehalt höher. Zusätzlich gilt die Proteinqualität als geringer und es besteht ein Mangel an essentiellen Aminosäuren. Das liegt daran, dass ein erhöhter Anteil des vorhandenen Proteins schlecht verdauliches Kollagen ist. Grund dafür sind die Bindegewebseinlagerungen im Muskel. Ein hoher Kollagen-Gehalt bewirkt zudem, dass das Fleisch zäher wird.

VGT-Campaignerin Denise Kubala, MSc., kennt die Zustände in der industriellen Hühnermast: „Bereits 2022 und 2023 haben wir aufgedeckt, wie sehr die Hühner in den Mastanlagen leiden. Zum Teil wegen der Haltungsbedingungen, die den Bedürfnissen der Tiere nicht gerecht werden, aber besonders aufgrund der Qualzucht auf immenses Wachstum. Kurz danach haben einige Tierwohl-Marken auf langsamer wachsende Tiere umgestellt. Verbesserte Haltungsbedingungen sind natürlich essentiell, dazu müssen aber auch Tiere gehören, die gesund genug sind, um davon überhaupt profitieren zu können.“

Pressefotos (Copyright: VGT.at)

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