Caritas warnt vor Doppelbudget: Wer bei den Ärmsten sparen will, zahlt morgen drauf

Sparpläne, die Niedrigverdienende, Frauen und Kinder belasten, belasten auch die Gesellschaft von morgen. Caritas warnt vor sozialem Kipppunkt und fordert Armutscheck.

Am morgigen Mittwoch, dem 10. Juni 2026, wird Finanzminister Marterbauer das Budget für die Jahre 2027 und 2028 vorstellen. Die Vorzeichen sind mehr als herausfordernd: Die Wirtschaft schwächelt, die Arbeitslosigkeit steigt, und die Kosten für das alltägliche Leben sind weiterhin hoch. In genau dieser angespannten Lage blickt die Caritas Österreich mit großer Sorge auf die Sparpläne der Bundesregierung.

_„Wir verstehen, dass der Staat sparen muss. Aber nicht alle Schultern in unserem Land können gleich viel tragen“,_ warnt Caritas Österreich-Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler. _„Wenn die Regierung im Sozialbereich, bei Familien, bei der Notstandshilfe oder der Sozialhilfe kürzt und nicht an die Inflation anpasst, trifft das genau jene Menschen, die ohnehin am wenigsten haben. Darunter leiden nicht nur die Betroffenen selbst. Das trifft uns letztlich alle, weil dadurch teure Folgekosten entstehen und der soziale Frieden im Land gefährdet ist. Wir fordern deshalb: Die Regierung muss jede einzelne Budgetmaßnahme in der Umsetzung verpflichtend auf neue Armutsrisiken prüfen.“_

RICHTIGE IMPULSE: GUTE ANSÄTZE JETZT WIRKSAM UND NACHHALTIG UMSETZEN

Die Regierung hat erfreulicherweise angekündigt, Mittel in den wichtigen Bereichen Kinderbetreuung, Pflege und Arbeitsmarkt bereitzustellen und Maßnahmen gegen Kinderarmut umzusetzen. Da viele Details noch offen sind, kommt es nun entscheidend auf die konkrete Ausgestaltung an. Im Bereich der Langzeitpflege zeigt sich allerdings bereits, dass die Dotierung angesichts der demographischen Entwicklung wohl nicht ausreichen wird. Damit all diese richtigen Impulse am Ende des Tages ihre volle und nachhaltige Wirkung entfalten, muss die Politik die Maßnahmen zügig umsetzen und an den richtigen Stellen mit ausreichend finanziellen Mitteln hinterlegen. Nur so kommt die Hilfe rasch und verlässlich bei den Menschen an.

EINSCHNITTE TREFFEN FRAUEN UND FAMILIEN

Gleichzeitig drohen an anderen Stellen Einschnitte, die vor allem Familien, Niedrigverdienende und Frauen hart treffen werden. So soll beispielsweise die Befreiung von den Arbeitslosenbeiträgen für Geringverdiener*innen ab 2027 entfallen. _„Das ist de facto eine Lohnkürzung für Menschen, die ohnehin jeden Euro dreimal umdrehen müssen“,_ kritisiert Tödtling-Musenbichler. Wer 1.590 Euro brutto im Monat verdient, verliert rund 525 Euro im Jahr. Davon sind vor allem Frauen betroffen. Denn sie übernehmen nach wie vor den Großteil der Sorgearbeit und arbeiten deshalb oft in Teilzeit bzw. finden in Branchen wie dem Handel kaum mehr Vollzeitstellen.

Ein weiterer schwerer Rückschritt droht bei der Notstandshilfe: Die Regierung will das Einkommen des Partners bzw. der Partnerin wieder anrechnen. Das drängt Frauen direkt zurück in die finanzielle Abhängigkeit. Zudem will die Bundesregierung die Familienleistungen erneut einfrieren und den Familienbonus so umbauen, dass er am Ende noch weniger Familien zur Verfügung steht.

JEDE BUDGETMASSNAHME BRAUCHT EINEN ARMUTSCHECK!

Dass der Staat sparen muss, liegt auf der Hand. Doch dieses Sparen muss verantwortungsvoll und nachhaltig sein. Caritas-Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler erneuert daher die Forderung nach einem verpflichtenden Armutscheck: _„Ein Budget ist mehr als eine Rechenaufgabe. Es entscheidet darüber, ob Menschen Sicherheit haben oder in existenzielle Not geraten. Gerade in Zeiten des Sparens muss die Politik deshalb jede Maßnahme darauf prüfen, wie sie sich auf armutsgefährdete Menschen auswirkt. Wir sehen in unseren Beratungsstellen täglich, wie knapp viele Menschen bereits kalkulieren müssen. Wenn Einkommen sinken, Zuverdienstmöglichkeiten wegfallen und gleichzeitig Unterstützungsangebote unter Druck geraten, reicht oft ein einziger Schicksalsschlag, um die Existenz zu gefährden. Weitere Belastungen für jene, die ohnehin am wenigsten haben, bringen das soziale Netz zum Reißen. Wer spart, muss die Schwächsten schützen, nicht die Armut vergrößern.“_

Der Appell der Caritas ist klar: Ein starker Sozialstaat ist kein Luxus, den man in der Krise einfach abbaut. Er ist das Fundament, das uns alle zusammenhält. Wer heute bei den Ärmsten spart, zahlt morgen als Gesellschaft drauf – bei Gesundheit, beim Wohnen, am Arbeitsmarkt und beim sozialen Frieden. In Österreich muss der Grundkonsens gelten: Wir lassen niemanden zurück und akzeptieren keine Spaltung des Landes.

Caritas Österreich
Melanie Wenger-Rami
Telefon: +43 676 7804589
E-Mail: melanie.wenger-rami@caritas-austria.at

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