„kulturMontag“: Debatte über Waffenlieferungen an die Ukraine, Alice Schwarzer im Kino, Reliquien aus der NS-Zeit

Danach: Porträt „Gerhard Polt – Der Mensch ist ein Viech, was lacht“ zum 80. Geburtstag

Wien (OTS) – Peter Schneeberger präsentiert den „kulturMontag“ am 9. Mai 2022 um 22.30 Uhr in ORF 2, der sich zunächst mit der aktuellen Debatte deutschsprachiger Intellektueller und Künstler/innen über Waffenlieferungen an die Ukraine befasst. Klar positioniert hat sich dabei die Ikone der deutschen Frauenbewegung Alice Schwarzer, deren, von Sabine Derflinger gestaltetes, neues Filmporträt demnächst in die heimischen Kinos kommt – die Sendung stellt die Produktion vor. Weiters beschäftigt sich das Magazin u. a. mit dem Umgang der Österreicherinnen und Österreicher mit Reliquien aus der NS-Zeit. Anschließend steht die Dokumentation „Gerhard Polt – Der Mensch ist ein Viech, was lacht“ (23.15 Uhr) zum 80. Geburtstag des Künstlers (7. Mai) auf dem Programm.

Zeitenwende –Waffen für den Frieden?

Vergangene Woche erreichte Deutschlands Bundeskanzler Olaf Scholz ein offener Brief namhafter Intellektueller und Kulturschaffender, darunter Alice Schwarzer, Peter Weibel, Lars Eidinger und Juli Zeh. Sie sprechen sich gegen Waffenlieferungen für die Ukraine aus, in der Hoffnung, so eine weitere Eskalation und einen drohenden Weltkrieg zu verhindern. Ein medialer Sturm der Entrüstung brach über Schwarzer und Co herein. Der Vorwurf: man würde die Ukraine indirekt zur Kapitulation auffordern. Jetzt bekam Scholz einen sogenannten „Gegenbrief“. Auch diesmal sind die Unterzeichner/innen prominent:
Daniel Kehlmann, Eva Menasse, Herta Müller und Igor Levit gehören dazu. Sie fordern Deutschland auf, den angegriffenen Staat regelmäßig mit Waffen zu versorgen, „um die militärischen Kräfteverhältnisse zugunsten der Ukraine zu wenden“. Zeugt diese Debatte von einer Zeitenwende? Hat der Pazifismus ausgedient? Kann man mit Waffen Frieden stiften? Der „kulturMontag“ sucht Antworten auf diese brennenden Fragen.

Im Kampfmodus – Neues Alice-Schwarzer-Porträt von Sabine Derflinger

Journalistin, Autorin und Verlegerin Alice Schwarzer ist eine der streitbarsten Frauen Deutschlands. Im Fokus ihrer jahrzehntelangen Arbeit: die Selbstbestimmung der Frau. Die österreichische Regisseurin Sabine Derflinger hat sich der Feministin filmisch genähert. „Alice Schwarzer“ heißt ihr vom ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens gefördertes Porträt, das bei der diesjährigen Diagonale als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde und am 13. Mai in den heimischen Kinos startet. Der Film liefert ein umfassendes und persönliches Bild einer Frau, die im Paris der 60er Jahre sozialisiert wurde, mit intellektuellen Größen wie Simone de Beauvoir befreundet war und die Frauenbewegung in den deutschen Sprachraum gebracht hat. Bis heute mischt sie mit pointierten Debattenbeiträgen den öffentlichen Diskurs auf und scheut sich nicht davor zu polarisieren. Der „kulturMontag“ stellt Sabine Derflingers Film vor.

Entsorgen oder bannen? Umgang mit Reliquien aus der NS-Zeit

Am 8. Mai 1945 hat Hitler-Deutschland die bedingungslose Kapitulation unterzeichnet, das NS-Terrorregime war damit auch in Österreich zu Ende. Für die Bevölkerung ergab sich das Problem: Wie umgehen mit den Überbleibseln des Nationalsozialismus, den Abzeichen, Fahnen, Hitler-Bildern oder den Erinnerungsfotos von der Front? Noch 77 Jahre nach Kriegsende finden Angehörige in Kisten auf Dachböden oder in den Schubladen ihrer verstorbenen Großeltern Relikte aus der NS-Zeit. Was damit tun? Wegwerfen oder aus historischen Gründen aufbewahren? Immer wieder wenden sich Menschen an das Haus der Geschichte Österreich, um die unliebsamen Objekte loszuwerden oder sie für eine kritische Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte nutzbar zu machen. In der aktuellen hdgö-Schau „Hitler entsorgen. Vom Keller ins Museum“ sind besonders belastete „Erinnerungsstücke“ zu sehen, von der Hitler-Büste bis zum SS-Dolch. Die Ausstellungsmacher/innen thematisieren einen gesellschaftlich verantwortungsvollen Umgang mit NS-Relikten, geben aber auch ganz praktische Tipps, wie man mit unliebsamen Fundstücken umgehen kann.

Dokumentation „Gerhard Polt – Der Mensch ist ein Viech, was lacht“ (23.15 Uhr)

Die Beziehung zwischen Österreich und Bayern ist eine durchaus innige: Man versteht einander, vor allem in dem, was Mentalität besonders ausmacht: Humor. Deshalb ist der Münchner Starkabarettist Gerhard Polt so populär in Österreich. In seinen Kabarettabenden macht er Jagd auf Spießer und Ewiggestrige, hinter scheinbarer bayerischer Gemütlichkeit lauern Abgründe. Tarnen und Täuschen ist somit sein Geschäft, in den 1970er- und 1980er-Jahren hat er das bitterböse und sehr politische Kabarett neu definiert. Für Altersmilde hat er sich nie Zeit genommen, aber er ließ sich breitschlagen: anlässlich seines 80. Geburtstags am 7. Mai 2022 stimmte er einem Porträt über sich zu – wobei er sich dabei verwehrt, von Kolleginnen und Kollegen „zu Tode gelobt zu werden“.

Im Film von Magdalena Adugna und Victor Grandits spricht Gerd Polt über die großen Humoristen, die ihn geprägt haben – Karl Valentin darf da natürlich nicht fehlen – sowie über seine ewige Liebe zur Bühne, und er gewährt auch Einblicke in sein Privatleben. Dazwischen kommen Menschen zu Wort, die wie Gerhard Polt ihr Leben dem Lachen verschrieben haben. Komiker und Kabarettisten wie Michael Mittermeier, Josef Hader, Luise Kinseher, die neben ihrem Job eines verbindet: Gerhard Polt, wiederum, als ihr Vorbild, ihr Meister, der über alle hinausragt. „Gerhard Polt ist ein Stern am Himmel, an dem man sich orientiert“, sagt Josef Hader über den großen Humoristen. Aktuelle Aufnahmen von Bühnenauftritten mit u. a. Ausschnitten aus dem Jubiläumsprogramm „40 Jahre Gerhard Polt und die Well-Brüder“ ergänzen dieses sehr persönliche und ungewöhnlich nahe Porträt über den Jubilar sowie seine ganz eigene Lebens- und Humorgeschichte.

http://presse.ORF.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender

Kommentare sind geschlossen, aber trackbacks und Pingbacks sind offen.