Wiener zum Saatgutrecht: Pläne stutzen Vielfalt weiter zurück, anstatt sie zu fördern
Kommissionsvorschlag für neues Saatgutrecht bringt noch mehr Einschränkungen für die Landwirtschaft. Erhalt von alten Sorten wird erschwert.
Mit einer Überarbeitung des EU-Saatgutrechts sollen mehrere Richtlinien ersetzt werden, die den Markt seit Jahrzehnten regeln. Die Kommission hat ihre Pläne dafür vorgestellt und schlägt einen Kurs ein, der massive Folgen für die Sortendiversität haben könnte. Heute wird der Vorschlag im Agrarausschuss des Europaparlaments diskutiert.
SARAH WIENER, GRÜNE ABGEORDNETE UND MITGLIED DES AGRAR- SOWIE UMWELTAUSSCHUSSES, kommentiert: _„Das neue Saatgutrecht, das die Kommission vorgelegt hat, ist nicht zukunftsfit. In den letzten 50 Jahren haben wir laut UN-Schätzungen 90% unserer Sortenvielfalt verloren. Alte Sorten von der Kerbelrübe bis zum Portulak sind kaum noch zu finden, stattdessen dominiert in den Supermärkten eine Handvoll Gemüse, Obst und Getreide, das auf Uniformität und Produktivität getrimmt ist. Diesen Entwicklungen müsste das EU-Saatgutrecht entgegentreten: Die Vielfalt müsste gefördert und der Schutz von alten Sorten erleichtert werden. Bäuerinnen und Bauern haben ein Recht darauf, Saatgut zu ernten, zu nutzen und zu tauschen, um es zu erhalten. Dieses Recht wird im Vorschlag der Kommission aber stark eingeschränkt, der Verkauf von Saatgut über die Landwirtschaft soll sogar ganz verboten werden.“ _
WÄHREND BÄUERINNEN UND BAUERN, ABER AUCH NGOS ES KÜNFTIG NOCH SCHWERER HABEN, die Sortenvielfalt zu bewahren, wird es Großkonzernen leichter gemacht, den Markt zu monopolisieren. Wiener fasst zusammen: „_Vier Großkonzerne – Monsanto-Bayer, Corteva, ChemChina und Limagrain – kontrollieren mehr als 50% des weltweiten Saatguts. Diese Großkonzerne haben kein Interesse daran, lokale Sorten zu schützen. Sie verkaufen patentiertes, konventionelles Saatgut mit den passenden chemischen Pestiziden im Komplettpaket.“_
DIE HOHE KONZENTRATION AUF DEM SAATGUTMARKT HAT NEGATIVE AUSWIRKUNGEN AUF DIE RESILIENZ, warnt Wiener: _„Wir dürfen nicht alles auf eine Karte setzen, je mehr Sorten zur Verfügung stehen desto besser. Die Folgen der Klimakrise betreffen die Landwirtschaft zuerst. In der Zulassung müssen andere Kriterien Einzug halten: Alte robuste Landsorten, die auf lokale Gegebenheiten ausgerichtet sind, müssen ebenso gefördert werden wie Saatgut, das nicht auf teure chemische Pestizide angewiesen ist.“_
Ludmilla Reisinger/Pressesprecherin Sarah Wiener, MEP
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