„kulturMontag“ am 4. September: 80. Filmfestspiele Venedig, Italiens Rechtsruck, Ars Electronica Festival
Danach: Doku „Tableaux Vivants – lebende Gemälde“ – ab 22.30 Uhr in ORF 2
Wien (OTS) – Nach kurzer Sommerpause startet der „kulturMontag“ am 4. September 2023, um 22.30 Uhr in ORF 2, mit einer neuen, von Clarissa Stadler präsentierten Magazin-Ausgabe in den nahenden Herbst. Die Sendung wirft einen Blick auf die kürzlich eröffneten 80. Internationalen Filmfestspiele von Venedig, befasst sich mit der (kultur-)politischen Situation Italiens und lässt dazu renommierte Schriftsteller:innen zu Wort kommen. Thema ist u. a. auch das nächste Woche beginnende Ars Electronica Festival in Linz, das sein heuriges Programm unter das Motto „Who Owns the Truth – Wem gehört die Wahrheit?“ stellt. Anschließend begibt sich die neue Dokumentation „Tableaux Vivants – lebende Gemälde“ (23.15 Uhr) auf eine Reise durch die Kulturgeschichte, um der Idee der Darstellung und Nachstellung von Malerei und Plastik mit lebenden Personen zu beleuchten.
Festival ohne Stars? 80 Jahre Filmfestspiele Venedig
Die Filmfestspiele von Venedig feiern runden Geburtstag, und das wohl ohne das übliche Staraufgebot, denn der Streik der Schauspielerinnen und Schauspieler, der Autorinnen und Autoren Hollywoods ist nach wie vor in vollem Gange. Auch wenn es auf dem Roten Teppich weniger glanzvoll als in den Vorjahren ablaufen wird – das Programm zum 80-Jahr-Jubiläum der „Mostra Internazionale d’Arte Cinematografica“ ist prächtig und die hochkarätigen 23 Wettbewerbsbeiträge im Rennen um den Goldenen Löwen werden mit besonderer Spannung erwartet. Neben den jüngsten Arbeiten von Regie-Stars wie Sofia Coppola, Michael Mann und Pablo Larrain ist auch die österreichische und vom ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens unterstützte Koproduktion „Die Theorie von Allem“ von Regisseur Timm Kröger mit Burgschauspieler Jan Bülow vertreten. Ermittelt werden die Gewinnerinnen und Gewinner – wie jedes Jahr – von einer topbesetzten Jury. Unter dem Vorsitz von Oscar-Preisträger Damien Chazelle werden u. a. Jane Campion und Laura Poitras die Sieger:innen auswählen. Außerhalb des Wettbewerbs hat vor allem die Einladung von Roman Polanski und Woody Allen, die beide ihre neuen Regiearbeiten vorstellen werden, für Aufsehen gesorgt. Der „kulturMontag“ bringt eine ausführliche Reportage von der Jubiläumsausgabe des ältesten Filmfestivals der Welt.
Apropos: Am Samstag, dem 9. September, um 23.30 Uhr in ORF 2 bilanziert eine Sondersendung die „Löwen am Lido: Preise und Stars der 80. Filmfestspiele Venedig“ (Dacapo in der „matinee“ am Sonntag, 10. September, um 10.30 Uhr): Christian Konrad und Tiziana Arico berichten über die glanzvollsten Momente und stellen die Siegerinnen und Sieger sowie die interessantesten Produktionen des Festivals in Interviews und Ausschnitten vor.
Rückt Italien immer weiter nach rechts? Ein literarisches Stimmungsbild
Knapp ein Jahr ist seit den italienischen Parlamentswahlen vergangen, die Giorgia Meloni und ihre „Fratelli d’Italia“ für sich entscheiden konnten. Der mit dem Erfolg Matteo Salvinis eingeläutete Rechtsruck in Italien ist damit ein deutliches Stück weiter vorangeschritten:
Meloni wird am äußeren rechten Rand der italienischen Politiklandschaft eingeordnet, die politischen Wurzeln ihrer Partei liegen klar im Italien Mussolinis. Was bedeutet eine solche Regierung für ein Land, dem man immer wieder vorwirft, sein faschistisches Erbe nie richtig aufgearbeitet zu haben? Der „kulturMontag“ bringt ein literarisches Stimmungsbild des heutigen Italiens, zu Wort kommen Bestsellerautor Antonio Scurati, die Südtiroler Schriftstellerin Sabine Gruber und der österreichische Autor und Italien-Kenner Peter Henisch.
Wem gehört die Wahrheit? Das Ars Electronica-Festival über Deutungshoheit im digitalen Raum
Europas größtes Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft – die Ars Electronica in Linz – stellt in diesem Jahr die Frage: „Who Owns the Truth – Wem gehört die Wahrheit?“ Dahinter steht die zentrale Überlegung, wie wir die Errungenschaften von Wissenschaft und Technologie ALLEN Menschen zugänglich und auch nutzbar machen können. Gerade im Angesicht der rasanten Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz stehen Begriffe wie Wahrheit und Eigentum, Deutungshoheit und Souveränität im Brennpunkt. Das Festival möchte jedoch nicht nur den Status quo abbilden, sondern auch Impulse setzen: Im Angesicht der Monopolmacht globaler Konzerne im digitalen Raum sei es, laut Ars Electronica, nun an der Zeit, über einen „Digitalen Sozialismus“ nachzudenken, mit dem man gemeinsam die tief-und weitgreifenden Veränderungen des digitalen Zeitalters und die Konsequenzen des Klimawandels bewältigen kann.
„Tableaux Vivants – lebende Gemälde“ (23.15 Uhr)
Die TV-Dokumentation von Cornelia Krafft begibt sich auf eine Reise durch die Kulturgeschichte, um der Idee der Darstellung und Nachstellung von Malerei und Plastik mit lebenden Personen multiperspektivisch, abwechslungsreich und investigativ zu begegnen. Diese lebend „eingefrorenen“, stillen Szenen sind üblicherweise mit Kostüm, Make-up, Licht und Requisiten theatralisch in Szene gesetzt und verbinden somit die Aspekte der darstellenden wie bildenden Künste. Als Vorlage dienen Gemälde, Skulpturen und auch Fotografien aus der gesamten Sakral- und Kunstgeschichte. Seit dem 18. Jahrhundert werden derartige lebende Bilder von Aristokratie, Bourgeoisie, bei höfischen oder bürgerlichen Festen, Militärparaden, Bühnen- und Gesellschaftstänzen inszeniert.
Mit Tableaux Vivants treten Personen in ein Gemälde und auf eine Bühne. Laien werden zum Bestandteil eines Kunstwerks. Die Demokratisierung der Kunst findet also endlich statt: Jede:r ist Künstler:in – jede:r kann Teil eines Kunstwerkes sein – und jede:r kann Kunst besitzen!
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