TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: „Besser spät als nie“, von Anita Heubacher

Ausgabe vom Mittwoch, 6. September 2023

Nicht zuletzt aufgrund des Drucks der Industrie und der Wirtschaft will die ÖVP beim Ausbau der Kinderbetreuung aufs Tempo drücken. Jetzt, wo die Arbeitskräfte fehlen, ist Feuer am Dach und die Arbeitskraft der Frauen gefragt.
   Jetzt haben wir uns zum Ziel gesetzt, das Tempo zu erhöhen“, erklärte gestern ÖVP-Familienministerin Susanne Raab. Am Abend zuvor hatte ÖVP-Bundesparteichef und Bundeskanzler Karl Nehammer im ORF-Sommergespräch 4,5 Milliarden Euro für den Ausbau der Kinderbetreuung versprochen. 50.000 Betreuungsplätze sollen es bis 2030 werden. Postwendend erkannte die Opposition darin einen „Marketingschmäh“, ein frühes „Wahlzuckerl“. Das darf die ÖVP nicht verwundern. Denn jahrzehntelang auf vielen Ebenen regierungsbeteiligt, war die ÖVP mehrheitlich eher ein Bremsklotz denn ein Motor für den Ausbau der Kinderbetreuung. Zwar mühten sich die ÖVP-Frauen redlich ab, scheiterten in vielen Fällen aber am konservativen Rollenbild vieler ihrer Parteifreunde. 2016 soll die Partei paktierte 1,2 Milliarden Euro für den Ausbau der Nachmittagsbetreuung für den Aufstieg von ÖVP-Superstar Sebastian Kurz geopfert haben. Zumindest legen das die später öffentlich gewordenen Chats nahe. Ansonsten reicht ein Blick auf die Argumentation vieler ÖVP-Aushängeschilder, wenn es um den Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung geht. Da hat sich die ÖVP in Tirol zuletzt bewegt, ansonsten verharrt die Partei in Abwehrkämpfen.

Tiroler Tageszeitung
0512 5354 5101
chefredaktion@tt.com

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender

Kommentare sind geschlossen, aber trackbacks und Pingbacks sind offen.