Akademikerball: Protest gegen rechtsextremen Burschenschafter-Ball am Michaelerplatz am Freitagabend
Jüdische HochschülerInnen, Gedenkdienst und zahlreiche UnterstützerInnen rufen zum Protest auf. Dreitägige Videoinstallation am äußeren Burgtor.
Am Freitag, den 7. März 2025, findet erneut der rechtsextreme Burschenschafter-Ball in der Wiener Hofburg statt. Vormals als WKR-Ball bekannt, zieht der als “Akademikerball” getarnte Tanzabend für rechtsextreme Burschenschafter viele prominente Gäste aus dem rechtsextremen und neonazistischen Milieu an. Ein gern gesehener Gast ist dort etwa Identitären-Chef Martin Sellner, der wegen seiner Verbindungen zu verurteilten Neonazi-Terroristen Einreiseverbot in Deutschland hat. Burschenschaften des Wiener Korporationsring (WKR), wie etwa die Olympia, haben in der jüngeren Vergangenheit Vorträge für Holocaustleugner wie David Irving organisiert – der bei seiner Einreise von den österreichischen Behörden verhaftet wurde.
Das Vernetzungs-Event der extremen Rechten findet jährlich unter großen Protesten, sowie starker politischer und medialer Kritik, im Herzen der Republik Österreich statt: in der Wiener Hofburg. Diese wird anlässlich des Balles von einer riesigen polizeilichen Sperrzone umgeben, weshalb der Verkehr und die Bewegungsfreiheit im Ersten Bezirk massiv eingeschränkt sind. Obwohl die Problematik um den Ball seit Jahrzehnten bekannt ist, vermietet die Wiener Kongresszentrum Hofburg Betriebsges.m.b.H. unter der Leitung von Geschäftsführerin Alexandra Kaszay, wie in den Jahren zuvor, die Hofburg an die rechtsextremen Demokratiegefährder.
Das Antifaschistische Bündnis Ballhausplatz (ABB) ruft mit zahlreichen UnterstützerInnen für Freitagabend um 19:00 zum Protest gegen den Burschenschafter-Ball am Michaelerplatz auf. Dort ist der nächstmögliche Punkt außerhalb der großräumigen, polizeilichen Sperrzone, bei der Protest erlaubt ist.
Von Dienstag bis Donnerstag organisiert das Bündnis bereits jeden Abend eine Videoinstallation am äußeren Burgtor, auf der ein “Countdown bis zum Naziball” die Stunden abzählt und die “Freundliche Unterstützung durch die Hofburg Betriebsges.m.b.H.” kritisiert wird. Link zum Aktionsvideo: https://www.instagram.com/reel/DGz4JDXsloU/?igsh=dzk4enhuaDVvaGZn
Alon Ishay, Präsident der Jüdischen österreichischen HochschülerInnen (JöH), fordert die Absage des Balls seitens der Hofburg-Betreiber: “Es ist schockierend, dass deutschnationale Burschenschaften in den prestigeträchtigsten Räumen der Republik tanzen. Sie haben dem Nationalsozialismus ideologisch den Weg geebnet und nach 1945 als die Hauptakteure der SS-Totengedenken gewirkt. Die Teilnahme von FPÖ-Nationalratspräsident Walter Rosenkranz reiht sich ein in die Serie an Skandalen, die seine kurze Amtszeit bereits geprägt haben – und beschmutzt das Ansehen unserer Demokratie.”
Marie Lang, stellvertretende Obfrau des Verein Gedenkdienst, warnt: „Die teilnehmenden Burschenschaften werden größtenteils der völkischen Rechten zugeordnet, die im Deutschnationalen Sinn Österreich als Teil einer deutschen Nation betrachten und all jene mit Hass und Ausschluss begegnen, die nicht in ihr Bild vom “Deutsch-Sein” passen. Demnach ist ihre Weltanschauung eine große Gefahr für viele der hier lebenden Menschen, wie etwa Kärntner und Steirische Slowen*innen, Rom*nija, Sinti*zze und Menschen mit Migrationsbiografien.“
Alexandra Budanov, Sprecherin des Antifaschistischen Bündnis Ballhausplatz (ABB), schließt: „Wir haben uns als Antifaschistisches Bündnis Ballhausplatz zusammengeschlossen, weil wir es als untragbar erachten, dass fast 30% der WählerInnen in diesem Land bewusst ihre Stimme einer Partei geben, die eine massive Gefahr für unzählige Menschen in Österreich darstellt – ob sie nun den Kanzler stellt oder nicht ist nebensächlich. Fakt bleibt, dass wir gegen genau solche Veranstaltungen wie den WKR-Ball aktiv werden müssen und diejenigen an ihre Verantwortung erinnern sollten, die sowas erst ermöglichen, wie hier die Hofburg-Betreiber-Gesellschaft.“
UnterstützerInnen des Protestbündnisses:
JÜDISCHE österreichische hochschüler:innen (JöH); plattform radikale linke; Gruppe für organisierten Antifaschismus [wien]; Verein Gedenkdienst; Initiative Edut – Erzählen, Diskutieren und transgenerationelles Erinnern; LICRA – Ligue Internationale Contre le Racisme et lAntisémitisme; AUGE/UG – Alternative, Grüne und Unabhängige Gewerkschafter*innen; NOODNIK Magazin; en commun – Zwangsräumungen verhindern; Filmclub Tacheles; Rosa Antifa Wien; Asyl in Not; Grüne Jugend; Grüne und Alternative Student_innen (GRAS); Hochschüler*innenschaft österreichischer Roma und Romnja (HÖR); Kommunistischer Student_innenverband – Linke Liste (KSV-LiLi); KSŠŠD Wien – Klub slovenskih študentk*študentov na Dunaju; YXK WIEN – Yekîtiya Xwendekarên Kurdistan; VERDE; Institutsgruppe Politikwissenschaft (IG POWI); KESHET Österreich; KEINE LIEBE KOLLEKTIV; Hashomer hatzair wien; [Queer-]Feministisches Kollektiv für Emanzipation und Kritik (FEMKEK); Bündnis gegen Antisemitismus Wien (BGA); Gesellschaft für kritische Bildung Österreich (GFKBÖ); Initiative Antifaschistisches Gedenken; Hrvatski akademski klub (HAK); pourquoi; KZ-Verband wien; OMAS GEGEN RECHTS
Jüdische österreichische HochschülerInnen (JöH)
Telefon: +43 68120692803
E-Mail: office@joeh.at
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