Industriestrategie Österreich: Chemische Industrie als Basis aller Schlüsseltechnologien

Chemie liefert Vorprodukte für alle Branchen – Schlüsselfaktor für Zielerreichung

Mit der heute präsentierten Industriestrategie rückt die industrielle Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Resilienz erfreulicherweise wieder stärker in den politischen Fokus. Besonders positiv hervorzuheben sind dabei der angekündigte Industriestrompreis nach deutschem Vorbild sowie die Lohnnebenkostensenkung – zentrale Forderungen des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO). „Eine vor kurzem durchgeführte Umfrage hat die hohen Arbeits- und Energiekosten als größte Hemmnisse für unsere Mitgliedsfirmen ausgewiesen. Diese Maßnahmen sind ein wichtiger Schritt und dringend notwendig, um die in den letzten Jahren entstandenen Wettbewerbsnachteile zu reduzieren“, erklärt FCIO-Obmann Ulrich Wieltsch.

Beim Fokus auf die neun Schlüsseltechnologien fordert der FCIO-Obmann eine umfassende Betrachtung der jeweiligen Wertschöpfungsketten. Die chemische Industrie liefert für alle ausgewählten Schlüsseltechnologien unverzichtbare Vorprodukte. Diese Rolle muss sich daher auch klar in der Ausgestaltung von Förderinstrumenten, Beschleunigungsgesetzen und weiteren geplanten Maßnahmen widerspiegeln. „Wer über Schlüsseltechnologien spricht, muss zuerst über Chemie sprechen. Sie ist das Fundament, auf dem alles andere aufbaut.“, so Ulrich Wieltsch. „Die genannten Ziele: Wirtschaftliche Souveränität und Resilienz sowie Zirkularität brauchen eine starke chemische Industrie.“

Begrüßt wird auch, dass die Life Sciences als Schlüsseltechnologie definiert wurde und erste Ansätze für die kommende Life-Sciences-Strategie verankert wurden. Nun geht es darum, diese rasch zu erarbeiten und die entsprechenden Maßnahmen zur Förderung von Forschung, Innovation und heimischer Produktion umzusetzen.

ENERGIEKOSTEN ENTSCHEIDEND FÜR DIE WETTBEWERBSFÄHIGKEIT

Die im internationalen Vergleich hohen Energiekosten sind eines der größten Wettbewerbshemmnisse für Unternehmen der chemischen Industrie. Besonders positiv zu bewerten ist daher die angekündigte Verlängerung des Standortabsicherungsgesetzes (SAG) bis 2029 sowie die Einführung eines Industriestrompreises von 5 Cent pro Kilowattstunde ab 1. Jänner 2027. Für energieintensive Betriebe ist leistbarer Strom ein entscheidender Faktor, um Produktion in Österreich zu halten und Investitionen zu ermöglichen. Es fehlt allerdings die von der EU vorgesehene SAG-Ausweitung auf weitere energieintensive Chemiesektoren, wie beispielsweise Düngemittel und Chemiefasern, die ebenfalls in die Förderung einbezogen werden müssen.

Auch die CO₂-Bepreisung muss mit den geopolitischen und wirtschaftlichen Entwicklungen Schritt halten. Für energieintensive Branchen wie die chemische Industrie bedeuten zusätzliche CO₂-Kosten einen spürbaren Wettbewerbsnachteil. Positiv ist daher die Forderung nach einer Verlängerung der kostenlosen CO₂-Zertifikate im EU-Emissionshandel, um Planungssicherheit zu schaffen und Investitionen am Standort zu halten.

TATEN STATT ANKÜNDIGUNGEN: ZEITNAHE UMSETZUNG ENTSCHEIDET

Nun zählt, wie rasch und verbindlich die angekündigten Maßnahmen umgesetzt werden und der notwendige budgetäre Rahmen durch längst fällige Strukturreformen geschaffen wird. Strategiepapiere allein sichern weder Wertschöpfung noch Arbeitsplätze. Dies gilt vor allem für den Bereich Bürokratieabbau. Vorhaben wie die vorgestern angekündigte Plastiksteuer oder auch die Umsetzung der Kommunalen Abwasserrichtlinie (KARL) bedeuten enorme zusätzliche administrative Belastungen und konterkarieren die Absichtserklärungen in der Industriestrategie. „Jetzt kommt es darauf an, ob aus politischen Überschriften auch konkrete Entscheidungen werden“, betont Ulrich Wieltsch.

ÜBER DEN FCIO

Der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) ist die gesetzliche Interessenvertretung der chemischen Industrie in Österreich. Die etwa 230 Mitgliedsunternehmen produzieren in unterschiedlichen Sektoren z.B. Pharmazeutika, Kunststoffe und Kunststoffwaren, Fasern, Lacke, Düngemittel oder auch organische und anorganische Chemikalien. Die mehr als 50.000 Beschäftigten der Branche stellten 2024 Waren im Wert von 19,3 Milliarden Euro her. www.fcio.at

FCIO – Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs
Johanna Reber, MA
Telefon: 05909003372
E-Mail: reber@fcio.at

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