IGP warnt: viele Obst- & Gemüsekulturen in Österreich gefährdet

Auf Verlust von Wirkstoffen folgt Verlust von Kulturarten auf heimischen Feldern. Regionale Vielfalt im Regal könnte schon bald sinken. EU sollte dringend echte Impulse setzen.

Der Anbau wichtiger landwirtschaftlicher Kulturen in Österreich ist zunehmend gefährdet. Raps, Kartoffeln, Radieschen, Rettich, Kohlgemüse, Beerenobst wie Holunder, Aronia sowie Him- und Erdbeeren, Kirschen, Fruchtgemüse wie Paprika sowie auch zahlreiche Stein- und Kernobstarten stehen bereits auf der „Roten Liste“. Für diese Kulturen stehen kaum noch wirksame Pflanzenschutzmittel zur Verfügung, weshalb die ohnehin niedrigen Anbauflächen weiter schwinden. Ihr Anbau rechnet sich für viele Betriebe schlichtweg nicht mehr, warnt die IGP.

„Europas Landwirtschaft wird aufgrund einer kurzsichtigen, von NGO-Kampagnen getriebenen Agrar- und Umweltpolitik kaputt reguliert. Der von der EU-Kommission angekündigte OMNIBUS wird daran kaum etwas ändern, weil das Regularien-Dickicht nur spärlich gelichtet wird. Zulassungsverfahren bleiben weiterhin teuer, unsicher und langwierig. Das schreckt forschende Unternehmen ab. Kommen keine ambitionierten Initiativen und Impulse, wird der Agrarstandort weiter an Boden verlieren und im internationalen Wettbewerb zurückfallen“, warnt IGP-Obmann Christian Stockmar. „Stellt die EU nicht bald zurück auf eine Risikobewertung von Wirkstoffen, wird die EU-Landwirtschaft vom Aushängeschild zum Museumsstück. Angesichts schwelender internationaler Konflikte und des zunehmend umkämpften Weltmarkts an Lebensmitteln ist dieser Verlust der Ernährungssouveränität ein Hasardspiel.“

INTEGRIERTER PFLANZENSCHUTZ VERLIERT WICHTIGE WERKZEUGE

Österreichische Landwirte produzieren unter hohen Umwelt-, Qualitäts- und Sicherheitsstandards. Gleichzeitig ist das verfügbare Instrumentarium im Pflanzenschutz in den vergangenen Jahren deutlich geschrumpft. Die Zulassung von Wirkstoffen wurden nicht verlängert oder vom Markt genommen, ohne dass gleichwertige Alternativen zur Verfügung stehen. Landwirte können daher Schädlinge und von ihnen übertragene Krankheiten oft nicht mehr ausreichend kontrollieren, selbst dann nicht, wenn sie alle vorbeugenden und nicht-chemischen Maßnahmen konsequent umsetzen. „Chemische Maßnahmen sind der letzte Rettungsanker, wenn andere Maßnahmen nicht mehr greifen. Aber gerade dieser Anker wird von der EU scheibchenweise wegreguliert. Für Landwirte fühlt sich ein Anbaujahr oftmals an wie ein Marathon, bei dem man bei Kilometer 40 umkehrt. Sie investieren viele Ressourcen wie Zeit und Produktionsmittel, stehen am Erntetag mit leeren Händen da und können nicht einmal die Kosten decken“, betont Stockmar.

„Die gefährdeten Kulturen sind besonders anfällig für Insektenbefall und stehen über längere Zeit im Feld. Wenn dafür keine wirksamen und praxistauglichen Mittel mehr verfügbar sind, ist der Anbau für Betriebe wirtschaftlich nicht mehr tragbar“, so Stockmar. Gerade im Bereich der Insektenbekämpfung gibt es Lücken, die sich mit mechanischen oder biologischen Maßnahmen allein nicht schließen lassen. Das betrifft nicht nur einzelne Betriebe, sondern ganze Produktionszweige.

Die Folgen gehen weit über die betriebliche Ebene hinaus: Die Abhängigkeit von Drittländern steigt, regionale Wertschöpfung und Arbeitsplätze gehen verloren, der Druck auf die Umwelt steigt, Know-how verschwindet, Regionen verlieren Attraktivität. Für Konsumenten bedeutet das langfristig weniger heimische Produkte, geringere Auswahl, niedrigere Qualität, längere Transportwege und höhere Preise. Aus Sicht der IGP braucht es ein Umdenken in der europäischen und nationalen Regulierung. Ziel sollte es sein, Umwelt- und Verbraucherschutz mit Versorgungssicherheit und landwirtschaftlicher Praxis in Einklang zu bringen. „Von den Betrieben immer mehr zu verlangen, ihnen aber gleichzeitig immer weniger wirksame Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, kann nicht funktionieren. Wer regionale Lebensmittel will, sollte auch die Voraussetzungen dafür schaffen“, so Stockmar.

IGP (IndustrieGruppe Pflanzenschutz)
Mike Oberbichler, MA
Telefon: 0660 5068 451
E-Mail: office@igp.at
Website: https://igp.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender

Kommentare sind geschlossen, aber trackbacks und Pingbacks sind offen.