WKÖ-Danninger: „Ausbildungsbetriebe verdienen Respekt und Unterstützung – klares Nein zu Strafsteuer“
Viele Unternehmen finden keine Lehrlinge oder dürfen gar nicht ausbilden – Lehrlingseinkommen und Kosten sind massiv gestiegen
Die Wirtschaft erteilt den jüngsten Ideen für eine Strafsteuer, die von der Produktionsgewerkschaft PRO-GE für Betriebe ohne Lehrlinge ventiliert wird, eine klare Absage und weist Vorwürfe, die Betriebe würden sich vor der Ausbildung drücken, scharf zurück. „Die Betriebe werden aktuell von Kosten erschlagen. In dieser Situation eine neue Strafsteuer vorzuschlagen, ist völlig fehl am Platz und verkennt die betriebliche Realität“, betont Jochen Danninger, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).
Er weist darauf hin, dass es Betriebe gibt, die aufgrund ihrer Branchenzugehörigkeit oder eingeschränkter Gewerbeberechtigungen gar keine Lehrlinge ausbilden dürfen. Viele finden zudem aktuell keine ausbildungswilligen Jugendlichen und müssen deshalb die Lehrlingsausbildung vorübergehend aussetzen. Es wäre absurd, sie dafür noch zu bestrafen.
Fakt ist: Die heimischen Lehrbetriebe helfen den Staat beim Sparen. Sie wenden für die Ausbildung der jungen Fachkräfte in Summe 3 Mrd. Euro pro Jahr auf. Die Lehrlingseinkommen, die von den Betrieben bezahlt werden, sind deutlich über den (hohen) KV-Abschlüssen gestiegen, um die Lehre attraktiver zu machen. Die betriebliche Lehrstellenförderung, die zur Abfederung der Ausbildungskosten für die Betriebe gedacht ist, hingegen ist mit 280 Millionen Euro gedeckelt.
„Österreichs Ausbildungsbetriebe bieten jungen Menschen mit einer Lehrstelle eine stabile, zukunftsfitte berufliche Perspektive. Sie übernehmen gesellschaftliche Verantwortung, sie fördern die Integration und kompensieren schulische und soziale Defizite. Dafür gebührt den Ausbilderinnen und Ausbildern Respekt, Anerkennung und Unterstützung“, stellt Danninger klar: „Ja, wir brauchen Maßnahmen, damit mehr Betriebe ausbilden können, etwa durch das Ansprechen von neuen Zielgruppen in der Lehre. Die Kostenkeule auszupacken, wäre aber genau der falsche Weg. Eine Strafsteuer würde nicht einen einzigen zusätzlichen Lehrling bringen. Im Gegenteil müssen sich auch kleine Betriebe weiterhin die Ausbildung leisten können.“
ZU DEN FAKTEN – WARUM IST DIE ZAHL DER AUSBILDUNGSBETRIEBE WIRKLICH GESUNKEN?
* Der massive Rückgang der Lehrlinge seit 1980 ist einfach erklärt: Es gibt in Österreich laut Statistik Austria aktuell um 220.000 weniger Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren als noch vor 45 Jahren. Diese jungen Menschen fehlen klarerweise für die Lehrlingsausbildung.
* Laut AMS waren Ende Jänner 2026 österreichweit 17.564 offene Lehrstellen gemeldet. Diesen standen 13.507 junge Lehrstellensuchende gegenüber. Es gibt also mehr offene Lehrstellen bei den Betrieben als Suchende.
* 99,6 Prozent der Betriebe in Österreich sind KMU mit wenigen Mitarbeitern. Viele können deshalb gar nicht permanent Lehrlinge ausbilden. 48,1 Prozent der Ausbildungsbetriebe in Österreich haben aktuell genau einen Lehrling. Wer keinen ausbildungswilligen Jugendlichen findet, fällt aus der Statistik.
* Die Kosten und der Personalaufwand sind für die Ausbildungsbetriebe zuletzt massiv gestiegen, nicht zuletzt aufgrund schulischer und sozialer Defizite. Die Lehrlingsausbildung rechnet sich somit erst, wenn der Lehrling nach der Ausbildung mehrere Jahre im Betrieb bleibt. Das Risiko von Ausbildungsabbrüchen ist dabei noch gar nicht berücksichtigt.
* Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist ungebrochen hoch: 55 Prozent, also mehr als die Hälfte der Betriebe, würden mehr Lehrlinge ausbilden, wenn sie dafür ausreichend geeignete Jugendliche finden könnten. Unter jenen, die bereits Lehrlinge ausbilden, sagen das sogar knapp drei Viertel (74 Prozent). (PWK053/HSP)
Andreas Jilly
Sprecher der Wirtschaftskammer Österreich
Telefon: 0590900 4462
E-Mail: andreas.jilly@wko.at
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