CO2-Regulierung der EU: Vorschläge der Kommission gehen in die falsche Richtung
eFuel Alliance Österreich warnt vor Technologiediktat, Standortschäden und weiterem Arbeitsplatzabbau
Die eFuel Alliance Österreich übt deutliche Kritik an den von der Europäischen Kommission vorgelegten Vorschlägen zur Reform der CO2-Grenzwerte für PKW und leichte Nutzfahrzeuge. Statt der angekündigten technologieoffenen „Freiräume“ für die Industrie verfestigen die Pläne bestehende Technologieverbote. „Erklärtes Ziel und Auftrag der Regierungschefs ist es, der Industrie Freiräume zu eröffnen, um die Klimaschutzziele ohne schwere Schäden für den Standort und die Beschäftigung in Europa zu erreichen. Tatsächlich werden die sogenannten Freiräume so eng und prohibitiv gestaltet, dass die meisten einen großen Bogen um sie machen werden. Dass das kein Ausrutscher ist, sieht man daran, dass Beschaffungsquoten für Fuhrparks alternative Technologien ab 2035 zur Gänze ausschließen,“ zeigt sich Jürgen Roth, Vorstand der eFuel Alliance Österreich, konsterniert.
INDUSTRIE UNTER MASSIVEM DRUCK – POLITIK VERSCHÄRFT DIE KRISE
Die negativen Folgen dieser Politik sind bereits deutlich sichtbar: In den letzten sieben Jahren gingen in Europa bereits 378.000 Arbeitsplätze verloren, 44% davon innerhalb der letzten beiden Jahre. „Angesichts dieses dramatischen Befunds noch tiefer in die Sackgasse zu fahren und weitere Arbeitsplätze einem Technologiediktat zu opfern, ist völlig unverständlich“, warnt Generalsekretär Stephan Schwarzer. „Die steigende Zahl an Kündigungen, Werkschließungen und Insolvenzen zeigt klar: Der Niedergang dieser Schlüsselindustrie beschleunigt sich – und die aktuellen Vorschläge drohen ihn weiter zu verschärfen.“
PSEUDO-ERLEICHTERUNGEN, ECHTE BESCHRÄNKUNGEN
Besonders problematisch ist die zeitliche und inhaltliche Ausgestaltung der vorgeschlagenen Maßnahmen. Die von der Kommission angekündigten Erleichterungen sollen erst ab 2035 greifen und kommen damit deutlich zu spät, während verpflichtende Beschaffungsquoten für große Fuhrparks bereits ab 2030 wirksam werden. Gleichzeitig sind die vorgesehenen Anrechnungen so eng begrenzt, dass sie in der Praxis kaum Wirkung entfalten können. So soll der Beitrag von Stahl auf Basis von grünem Wasserstoff aus europäischer Produktion zur Erreichung der Flottenziele im Verbrennungsmotor auf maximal sieben Prozent begrenzt bleiben, während klimafreundliche Kraftstoffe, wie eFuels lediglich mit drei Prozent angerechnet werden dürfen – und das auch noch ausschließlich alternativ, nicht gemeinsam im selben Fahrzeug.
Hybride Antriebe werden bei den Fuhrparkquoten zudem nur für einen äußerst kurzen Zeitraum zwischen 2030 und 2035 zugelassen. „Wer soll für lediglich fünf Jahre eine strategische Technologieentscheidung treffen, wenn ab 2035 ohnehin wieder alles ausgeschlossen wird?“, fragt Jürgen Roth. Erschwerend kommt hinzu, dass heute niemand seriös abschätzen kann, zu welchen Preisen grüner Wasserstoff künftig verfügbar sein wird. Aus Branchenkreisen ist zu hören, dass relevante Mengen für die europäische Stahlindustrie per Pipeline aus Nordafrika frühestens ab 2035 erwartet werden, während eFuels schon in wenigen Jahren per Tankschiff importiert werden können. Für Automobilhersteller ist die Wasserstoffoption damit von Beginn an mit einem erheblichen wirtschaftlichen Risiko verbunden.
WAS JETZT DRINGEND GEÄNDERT WERDEN MUSS
Aus Sicht der eFuel Alliance Österreich braucht es keine kosmetischen Korrekturen, sondern eine echte Reform der CO2-Regulierung. „Zentrales Element muss eine konsequente Technologieoffenheit sein, bei der jede Kombination aus Motor und nachhaltigem Kraftstoff möglich ist“, fordert Jürgen Roth. Die CO2-Grenzwerte müssen sich ausschließlich auf fossile Emissionen beziehen und diese Logik muss sofort gelten, nicht erst in neun Jahren, denn wertvolle Zeit ist bereits verloren gegangen.
Dringend erforderlich ist eine grundlegende Reform der Strafzahlungen für die Automobilhersteller. Das Pooling muss auf europäische Teilnehmer ausgerichtet werden, die Strafzahlungen sind auf dem heutigen Niveau einzufrieren und gezielt für Investitionen in die Herstellung nachhaltiger Kraftstoffe zu verwenden. „Nur auf diesem Weg lassen sich Klimaschutz und industrielle Wertschöpfung tatsächlich miteinander verbinden – ein Versprechen, das die EU bislang nicht eingelöst hat“, betont Stephan Schwarzer. „Klimaneutrale Fuels können schrittweise bis 2040 sämtliche fossilen Kraftstoffe ersetzen, während die vollständige Durchdringung des Fahrzeugbestands mit Elektroautos Jahrzehnte dauern wird.“
E-AUTO-ZWANG SCHADET ÖSTERREICH
Für Österreich ist der einseitige Fokus auf Elektromobilität wirtschaftlich besonders problematisch: Der Importanteil bei E-Autos ist deutlich höher als bei Verbrennerfahrzeugen. Österreichische Zulieferer verlieren Aufträge, insbesondere gegenüber asiatischen Anbietern. Zudem entstehen Emissionen auch bei Elektrofahrzeugen – allerdings dort, wo Strom und Batterien produziert werden. „Dass eFuels unverzichtbar sind, ist unbestritten“, halten Roth und Schwarzer fest. „Warum sie ausgerechnet im Automobilbereich keine Rolle spielen sollen, kann bis heute niemand schlüssig erklären.“
Link zur Stellungnahme der eFuel Alliance Österreich zum Automotivpaket der EK vom 16.12.2025 (Stand 11.2.2026)
eFuel Alliance Österreich
Dr. Stephan Schwarzer
Generalsekretär
Telefon: +43 664 381 88 26
E-Mail: s.schwarzer@efuel-alliance.at
Website: https://www.efuel-alliance.at
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