Aspekte Jüdischer Geschichte. Synagogen, Bethäuser, Vereine

Themenschwerpunkt im Wien Geschichte Wiki

Das Wiener Stadt- und Landesarchiv erstellt regelmäßig Themenschwerpunkte zur Wiener Stadtgeschichte. Diese werden im Wien Geschichte Wiki, der historischen Wissensplattform der Stadt Wien, aufbereitet und mit ausgewählten Originalquellen ergänzt. So kann die Vergangenheit Wiens einfach und bequem digital erforscht werden.

ZENTRALE ORTE JÜDISCHER GESCHICHTE

Für das Leben der jüdischen Gemeinde in Wien war der Aufbau von lokalen religiösen Einrichtungen wie Synagogen, Bethäusern und Thora-Schulen von zentraler Bedeutung. In ihrem Umfeld siedelten sich zahlreiche Wohlfahrtseinrichtungen an, die zur gegenseitigen Unterstützung in der Gemeinde dienten. Die Anfänge dieses Aspektes jüdischen Lebens reichen in die Zeit Kaiser Josephs II. zurück. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verfügte die kleine jüdische Gemeinde lediglich über eine rudimentäre Infrastruktur bestehend aus einer Betstube, einem Spital und einem Friedhof.

BAU DES STADTTEMPELS VOR 200 JAHREN

In der Zeit des Biedermeier setzte der Bau des Stadttempels in der Seitenstettengasse in den Jahren 1824/26 ein erstes markantes Zeichen für den künftigen dynamischen Aufschwung. Im Zug der Liberalisierung des Aufenthaltsrechtes nach der Revolution von 1848 und besonders im Rahmen der liberalen Reformen von 1867 machte sich dieser immer deutlicher bemerkbar. Innerhalb weniger Jahrzehnte verzehnfachte sich die jüdische Bevölkerung Wiens, was einen erhöhten Bedarf an religiösen Plätzen für das gemeinschaftliche Gebet bedeutete. Dies führte zur Errichtung weiterer Synagogen und Bethäuser in fast allen Wiener Bezirken.

ISRAELITISCHE KULTUSGEMEINDE ALS IMPULSGEBER

Mit der Gründung der Israelitischen Kultusgemeinde 1852 war erstmals eine Institution ins Leben gerufen worden, die sich die Versorgung der jüdischen Bevölkerung mit jüdischen Einrichtungen zur Aufgabe setzte. So kam es zu vielen Vereinsgründungen. Eine große Rolle spielten dabei Wohltätigkeits- und Hilfsorganisationen wie etwa Vereine zur Unterstützung von Witwen und Waisen. Jüdische Frauenvereine boten Frauen und Mädchen ein soziales Gefüge, in dem sie netzwerken und gestalten konnten. Für Sportbegeisterte standen diverse Sportstätten zur Verfügung, die Laien wie Berufssportlerinnen und -sportler nutzten. Zudem zählten Bildungsinstitutionen und gegen Ende des 19. Jahrhunderts zionistische Organisationen zum breiten Spektrum des jüdischen Vereinslebens, welches während des Ersten Weltkrieges und in der Zwischenkriegszeit beträchtliche Erweiterungen erfuhr. Selbst noch im Jahr 1937 wurde der Jüdisch Humanitäre Verein „Lainz“ ins Leben gerufen, der sich der intensiveren Betreuung von betagten Jüdinnen und Juden im Versorgungsheim Lainz zum Ziel setzte.

THEMENSCHWERPUNKT IM WIEN GESCHICHTE WIKI

Der Themenschwerpunkt im Wien Geschichte Wiki legt den Akzent auf die von jüdischen Organisationen geschaffene Infrastruktur im Wiener Stadtraum bis zu deren Zerstörung im Nationalsozialismus, insbesondere während des Novemberpogroms 1938. Die Beiträge behandeln dabei sowohl architektonisch und kulturgeschichtlich interessante Aspekte wie auch die Vielfalt des jüdischen Vereinslebens und dessen soziale und emanzipatorische Funktionen.

LINK ZUM THEMENSCHWERPUNKT

www.geschichtewiki.wien.gv.at/Jüdische_Gemeinden

VERANSTALTUNGEN ZUM THEMENSCHWERPUNKT

Gemeinsam mit dem Verein für Geschichte der Stadt Wien ist eine Veranstaltung geplant:

* Vortrag von Dipl. Päd. Mag.a Shoshana Duizend-Jensen: „Jüdische Lebenswelten in Wien bis 1938 am Beispiel der Synagogen- und Bethausvereine“, 12. März 2026, 18 Uhr, Vortragssaal des Wiener Stadt- und Landesarchivs, Gasometer D, 11., Guglgasse 14 (4. Archivgeschoß; Zugang über Gasometer A und die Mall)

Der Vortrag beschäftigt sich mit der Entstehung eines eigenständigen, selbstbewussten jüdisch-religiösen Vereinslebens ab 1848. Diese tief traditionellen Lebenswelten erstreckten sich von kleinen Betstuben bis zum Leopoldstädter Tempel, von einer durch Migration geprägten Bethauskultur bis zu monumentalen Sakralbauten. Während der Pogrome des März und November 1938 kam es zur vollständigen Auslöschung des institutionellen jüdischen Lebens. Bethäuser und Synagogen wurden zerstört oder zweckentfremdet, das Vermögen der Vereine arisiert. Die jüdische Gemeinde Wiens hat sich davon bis heute nicht erholt.

Mag. Hannes Tauber, MA
Magistratsabteilung 8
Wiener Stadt- und Landesarchiv
Gasometer D, Guglgasse 14, 1110 Wien
Postanschrift: 1082 Wien, Rathaus
Tel.: (+43 1) 4000 8483
hannes.tauber@wien.gv.at

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