Anderl zu Kompetenzmessungen in der Volksschule: Für Bildungsgerechtigkeit ist noch viel zu tun
AK fordert, bei der Verbesserung des Schulsystems nicht nachzulassen
„Österreichs Schulsystem schafft es weiterhin nicht, jedem Kind die Grundkompetenzen wie Lesen und Rechnen in der Schule zu vermitteln – der Lernerfolg setzt Eltern voraus, die Zeit, Geld und Bildung haben.“ Das sagt AK Präsidentin Renate Anderl zu den heute veröffentlichten Ergebnissen der Grundkompetenzmessungen „iKM Plus“ in der Volksschule. Insgesamt zeigt die Messung einen positiven Trend, aber nach wie vor hängen die Ergebnisse von der sozialen Lage der Kinder ab. Anderl: „Alle Kinder brauchen eine Schule, in der sie so individuell begleitet und unterstützt werden, dass sie eine starke Grundlage für ihren weiteren Lebensweg erhalten.”
Die iKM Plus-Ergebnisse unterscheiden sich stark nach der sozioökonomischen Ausgangslage eines Schulstandorts: Während in Schulen mit stark bevorzugter Ausgangslage 91 Prozent die Bildungsstandards in Mathematik und 70 Prozent in Deutsch (Lesen) erreichen oder übertreffen, tun dies an Schulen mit besonders benachteiligter sozioökonomischer Ausgangslage nur 61 Prozent in Mathematik oder 26 Prozent in Deutsch-Lesen.
Anderl: „Damit jede Schule der Ort wird, in dem Kinder ihre Lernziele erreichen können, ist mehr Zeit und Unterstützung nötig, praktisch angewandte Schulentwicklung und hohe Qualität.“ Der Fokus des Unterrichts auf eigene Stärken würde zudem die Lernmotivation und deshalb auch den Lernerfolg steigern. Mit zusätzlich unterstützenden multiprofessionellen Teams könnte man zudem besser auf unterschiedliche Herausforderungen reagieren.
Erste bildungspolitische Schritte dazu wurden in den letzten Jahren gesetzt, unter anderem mit dem Ganztagsschulausbau, der Aufstockung und Flexibilisierung der Deutschförderung und nicht zuletzt mit dem Start des Chancenbonus für die am stärksten herausgeforderten Schulstandorte.
„Wir begrüßen diese wichtigen bildungspolitischen Maßnahmen, die bessere Lernbedingungen für Schüler:innen schaffen können. Jetzt gilt es, sie wirkungsvoll umzusetzen, regelmäßig zu überprüfen und je nach Bedarf auszuweiten“, sagt Anderl: „Der Weg zu mehr Bildungsgerechtigkeit ist ein Marathon, kein Sprint.“
Zusätzlich streicht Anderl auch den Bedarf an mehr Mitteln für die Erwachsenenbildung hervor. Jene Erwachsene, die die Grundkompetenzen in der Schule nicht erlernen konnten, brauchen dringend eine zweite Chance durch die Erwachsenenbildung. Denn angesichts des rasanten Wandels in den Qualifikationsanforderungen sind lebenslanges Lernen und Weiterbildung eine wichtige Säule für ein erfolgreiches Berufsleben.
Arbeiterkammer Wien – Kommunikation
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