WKÖ-Danninger: Lohntransparenz-Richtlinie verfehlt ihr Ziel
Übererfüllung von EU-Vorgaben: Bürokratie- und Kostenlawine rollt auf heimische Unternehmen zu
„Die EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz geht in ihrer derzeitigen Fassung vollkommen am Ziel vorbei. Damit droht den österreichischen Unternehmen eine Bürokratiekeule aus Brüssel, die noch mehr Berichte, Dokumentationen und neue Systeme verlangt. Österreich hat bereits ein funktionierendes System durch Kollektivverträge, das auch von der EU anerkannt werden soll“, betont WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger, der eine Bürokratie- und Kostenlawine auf Österreichs Unternehmen zurollen sieht, „ohne aber echte Verbesserungen zu bringen“.
EU-Richtlinie bringt Bürokratie statt Fortschritt
Die Umsetzung der Richtlinie, laut EU bis Juni fällig, bringt für Unternehmen massive Belastungen. Arbeitgeber müssen Gehaltsstrukturen offenlegen, detaillierte Vergütungssysteme definieren und ab 100 Beschäftigten regelmäßige Berichte erstellen. „Das entwickelt sich zu einem echten Bürokratiemonster für unsere Betriebe“, so Danninger. Bei Abweichungen von mehr als fünf Prozent drohen aufwendige Prüf- und Anpassungsprozesse. Neue IT-Systeme, zusätzliche Ressourcen und erheblicher Verwaltungsaufwand sind die Folge. Zusätzlich drohen empfindliche Strafen, wenn Unterschiede nicht lückenlos begründet werden können. „Wir stehen zu dem Ziel, geschlechtsspezifische Lohnunterschiede zu reduzieren, aber eine Übererfüllung von EU-Vorgaben ohne Mehrwert geht vollkommen an diesem Ziel vorbei.“ Österreich hat heute schon ein bewährtes Entlohnungssystem, das bereits hohe Transparenz gewährleistet. Mit einer Kollektivvertragsabdeckung von rund 98 % bestehen klare, branchenweite Entgeltstrukturen. Ergänzt wird dies durch etwa verpflichtende Mindestentgeltangaben in Stellenausschreibungen oder Einkommensberichte in größeren Unternehmen.
Negative Folgen in der Praxis, Umsetzung mit Augenmaß nötig
In der Praxis werde die Richtlinie zu keinen Verbesserungen führen, im Gegenteil: Es droht die Nivellierung von Gehältern nach unten, Leistungsunterschiede werden weniger berücksichtigt, Differenzierung wird zum rechtlichen Risiko. „Wenn leistungsgerechte und damit bessere Bezahlung einen großen Rechtfertigungsaufwand nach sich zieht und gar zum rechtlichen Risiko wird, verlieren wir wichtige Leistungsanreize“, warnt Danninger. Gleichzeitig wird es umso schwieriger, qualifizierte Fachkräfte durch attraktive Gehälter zu gewinnen. „Die Lohntransparenz-Richtlinie in ihrer derzeitigen Form bewirkt damit das Gegenteil ihres eigentlichen Ziels. Statt Gleichstellung zu fördern, wird in der Praxis das Leistungsprinzip ausgehebelt und Chancen reduziert – zum Nachteil von Unternehmen, Beschäftigten und damit natürlich auch von Frauen. Das kann nicht der Sinn sein“, so Danninger, der abschließend für eine „Umsetzung mit Augenmaß“ plädiert, die „Gold Plating“ ausschließt und nationale Besonderheiten wie etwa das heimische Kollektivvertragssystem ausreichend berücksichtigt. (PWK162/RA)
Andreas Jilly
Sprecher der Wirtschaftskammer Österreich
Telefon: 0590900 4462
E-Mail: andreas.jilly@wko.at
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