Energieabhängigkeit: Ab dem 31. Mai lebt Österreich von fossilen Importen

* Energie aus inländischer Erzeugung reicht nur bis 30. Mai
* Rund 60 Prozent des Energiebedarfs werden importiert
* Importe sind überwiegend fossil – erneuerbare Energie ist heimisch
* Fehlende Energie-Souveränität kostet jährlich Milliarden
* E-Mobilität kann Importabhängigkeit deutlich reduzieren
* Elektroauto wird Teil des Energiesystems
* Übergeordneter Elektrifizierungsplan notwendig

Österreich kann sich aktuell rein rechnerisch nur bis inklusive 30. Mai selbst mit Energie versorgen. Ab dem 31. Mai ist das Land für den Rest des Jahres auf Energieimporte angewiesen – und diese sind nahezu vollständig fossil.

ÖSTERREICH WIRD AB ENDE MAI ZUM ENERGIEIMPORTLAND

Der Anteil von inländisch erzeugter Energie am Gesamtverbrauch liegt bei 41 Prozent (2025), den Rest muss Österreich importieren. Während erneuerbare Energien wie Wasserkraft, Windkraft, Photovoltaik und Biomasse vollständig im Inland erzeugt werden, ist die Importabhängigkeit bei fossilen Energieträgern besonders hoch: mehr als 90 Prozent bei Gas, 95 Prozent bei Öl und 100 Prozent bei Kohle. Die Importe stammen vielfach aus außereuropäischen Ländern wie Kasachstan, Libyen oder den USA und machen Österreich stark abhängig von internationalen Entwicklungen – mit allen preislichen, strategischen und versorgungstechnischen Konsequenzen.

ABHÄNGIGKEIT KOSTET MILLIARDEN

Die hohe Importquote ist auch ein erheblicher wirtschaftlicher Faktor. Die Netto-Ausgaben für Energieimporte belaufen sich im Durchschnitt der letzten 10 Jahre auf jährlich 10 Milliarden Euro. Im Krisenjahr 2022 war der Abfluss an Geldmitteln mit 20 Milliarden Euro sogar doppelt so hoch. Nach einem Rückgang auf 8 Milliarden Euro im Jahr 2025 wird für 2026 angesichts des Iran-Kriegs ein deutlicher Anstieg erwartet.

Franz Angerer, Geschäftsführer Österreichische Energieagentur: „Die Abhängigkeit von Energieimporten kostet Österreich jedes Jahr Milliarden. Gleichzeitig zeigen erneuerbare Energien, dass wir Wertschöpfung im Land halten können. Sie sind ein zentraler Faktor für wirtschaftliche Stabilität und Versorgungssicherheit.“ Und ergänzt: „Das Ziel ist nicht Autarkie, sondern mehr Souveränität in Österreich und Europa.“

Österreich importiert täglich rund 170.000 Barrel Rohöl. Allein in den ersten drei Monaten des aktuellen Konflikts am Persischen Golf entstanden infolge der gestiegenen Ölpreise Import-Mehrkosten von rund 450 Millionen Euro. Steigende Preise bei Diesel und Gas verstärken diesen Effekt zusätzlich.

VERKEHR ALS ZENTRALER TREIBER DER IMPORTABHÄNGIGKEIT

Die Nutzung von Energieträgern ist je nach Sektor unterschiedlich. Besonders hoch ist der Anteil fossiler Energieträger in der Industrie mit Gas und im Verkehr mit Öl. Im Jahr 2025 wurden 104 TWh Ölprodukte verbraucht, davon 85 Prozent im Verkehrssektor.

Christoph Dolna-Gruber, Leiter Strategy & Development, Österreichische Energieagentur: „Gerade im Verkehr spüren wir diese Abhängigkeit unmittelbar – etwa an der Tankstelle. Mit andauernden geopolitischen Spannungen kann auch die Versorgungssicherheit unter Druck geraten.”

ELEKTRIFIZIERUNG ERMÖGLICHT EFFIZIENZ UND WENIGER IMPORTABHÄNGIGKEIT

Ein zentraler Hebel zur Reduktion der Importabhängigkeit und für mehr Effizienz ist die Elektrifizierung des Verkehrs. Sie verschiebt den Energiebedarf in Richtung Strom – ein Bereich, in dem Österreich bereits hohe erneuerbare Anteile sowie Potenziale zum weiteren Ausbau hat – und erhöht zugleich die Effizienz: Während der Wirkungsgrad bei Elektroautos bei rund 75 Prozent liegt, sind es bei Diesel nur rund 25 Prozent, das heißt, drei Viertel der eingesetzten Energie gehen verloren.

Angerer: „Wir haben die technischen und systemischen Voraussetzungen, um Elektromobilität flächendeckend umzusetzen. Wenn wir bis 2040 den gesamten Verkehrssektor elektrifizieren, haben wir einen zusätzlichen Strombedarf von 18 TWh. Das entspricht genau dem Erneuerbaren-Ausbau von 2010 bis 2024.”

STARKES PLUS BEI E-NEUZULASSUNGEN

In den ersten vier Monaten des Jahres ging die Zahl an Neuzulassungen stark nach oben, in den Monaten März und April lag der Anteil bei 25 bzw. 26 Prozent. Bis Ende April 2026 wurden in Österreich 24.469 E-Pkw neu zugelassen. Das sind 23,4 Prozent aller Neuzulassungen; gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 23,2 Prozent. Diesen Trend bestätigen auch Zahlen aus dem Gebrauchtwagensektor: Die private Verkaufsplattform willhaben verzeichnet im März 2026 bei den Anfragen auf E-Autos einen Anstieg um fast 100 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Im Jahresvergleich lagen die Anfragen sogar um den Faktor 2,3 höher als noch im März 2025. Gleichzeitig wächst der Anteil von E-Autos am Gebrauchtwagen-Gesamtangebot derzeit nicht mehr so stark, das heißt, es werden im Moment überproportional viele Benzin- und Dieselfahrzeuge zum Verkauf angeboten.

E-AUTOS WERDEN TEIL DES ENERGIESYSTEMS

Elektromobilität ist mehr als ein Antriebswechsel: Elektrofahrzeuge werden zunehmend Teil des Energiesystems. Durch intelligentes Laden können sie gezielt dann Strom aufnehmen, wenn viel erneuerbare Energie verfügbar ist – das stabilisiert die Netze, reduziert Lastspitzen und senkt Kosten. Einsparungen von bis zu 20 Prozent sind selbst bei einfachem Lastmanagement möglich.

Ute Teufelberger, Geschäftsführerin der E-VO eMobility GmbH zur aktuellen Ladeinfrastruktur: „Wir haben jetzt 37.000 öffentliche Ladepunkte in Österreich und geschätzte 200.000 Wallboxen. Es gibt pro sieben E-Autos eine Ladestation und pro 30 Autos einen Superschnelllader. So gesehen ist die Infrastruktur in Österreich sehr gut, auch im europäischen Vergleich.”

Mit bidirektionalem Laden können Fahrzeuge künftig auch Strom zurück ins Netz oder in Gebäude einspeisen. Ein modernes Elektroauto kann bei rund 80 Kilowattstunden Speicherkapazität, halbvoll geladen, ein Einfamilienhaus etwa drei Tage mit Strom versorgen. Besonders in Kombination mit Photovoltaik und dynamischen Stromtarifen wird das E-Auto so zum flexiblen Stromspeicher. Die Voraussetzung für das breite Ausrollen des bidirektionalen Ladens sind laut Teufelberger standardisierte technische Protokolle zwischen Auto, Ladestelle und Energiehändler sowie Regularien, auf deren Basis Ladeverträge geschlossen werden.

E-SCHWERVERKEHR STEHT VOR DEM DURCHBRUCH

Auch im Schwerverkehr zeichnet sich ein Wendepunkt ab: Steigende Energiepreise und technologische Entwicklungen haben dazu geführt, dass elektrisch betriebene Lkw zunehmend wirtschaftlich werden.

Der Break-even liegt laut Branchenangaben bei rund 30 Cent pro Kilowattstunde. Bis Ende 2025 waren knapp 18.000 E-Lkw in Österreich zugelassen, allein bis Ende April 2026 kamen in diesem Jahr 1.611 neue Fahrzeuge hinzu.

FAZIT: ÜBERGEORDNETER ELEKTRIFIZIERUNGSPLAN NOTWENDIG

„Wir reden sehr viel über Strom- und Treibstoffpreise und Kosten für die Anschaffung von Fahrzeugen. Bei dieser Rechnung vergessen wir oft, dass die Elektrifizierung der Mobilität viele volkswirtschaftliche Benefits mit sich bringt. Für die Gesundheit, weil Abgase und Lärm weniger werden. Aber natürlich auch, weil wir damit Importabhängigkeiten reduzieren, Kaufkraftabfluss verringern und wieder mehr Kontrolle über die Energieerzeugung erlangen”, so Dolna-Gruber.

Teufelberger: „Das Besondere an der E-Mobilität ist nicht nur das saubere und oftmals kostengünstige Fahren, sondern vor allem ihr zentraler Beitrag zur Energiewende. Ohne Elektrofahrzeuge in großem Maßstab wird diese Transformation deutlich schwerer zu erreichen sein.”

„Statt vieler Einzelmaßnahmen und -förderungen brauchen wir einen übergeordneten Elektrifizierungsplan, der nicht nur den Verkehr als einen Baustein berücksichtigt, sondern auch langfristige Orientierung für den Industrie- und Wärmesektor bietet. Nur das ideale Zusammenspiel zwischen Erzeugung, Netzen, Speichern und flexiblem Verbrauch schafft das volkswirtschaftliche Optimum”, so Angerer abschließend.

Österreichische Energieagentur – Austrian Energy Agency
Telefon: (01) 5861524
E-Mail: pr@energyagency.at
Website: https://www.energyagency.at

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