Studie: Liebe braucht keine Verliebtheit (FOTO)

Viele Singles warten beim Dating auf den großen „_Blitzschlag_“, die „_Schmetterlinge im Herzen_“, die große _Verliebtheit_. Aber eine aktuelle Auswertung der psychologischen Partnervermittlung Gleichklang.de mit 878 Teilnehmenden zeigt, dass Beziehungen, die mit Freundschaft begannen, genauso zufriedenstellend verlaufen wie Beziehungen, die mit Verliebtheit starteten. Anfängliche Aversion und Ambivalenz sind demgegenüber Warnsignale, können im Einzelfall aber ebenfalls zu einer glücklichen Beziehung führen.

Durchgeführt wurde die Studie von Dr. Guido F. Gebauer, Psychologe, Dating-Coach, Gründer von Gleichklang.de und Autor von „A Perfect Match? Online-Partnersuche aus psychologischer Sicht“.

WIE DIE STUDIE DURCHGEFÜHRT WURDE

An der Studie beteiligten sich 493 Frauen, 369 Männer und 16 nicht-binäre Personen, die Mitglieder von Gleichklang waren.

Die meisten Befragten (758) berichteten über frühere Beziehungen, weil sie sich aktuell auf Partnersuche bei Gleichklang befanden. Ein kleinerer Teil (120) hatte bereits eine neue Beziehung gefunden und berichtete über diese fortbestehende Beziehung. Beide Gruppen konnten vereinigt werden, da die Hauptergebnisse die gleichen waren.

Die Teilnehmenden bewerteten für die eingeschätzten Beziehungen die Beziehungszufriedenheit und die sexuelle Zufriedenheit auf einer Skala von jeweils 1 bis 11. Der Wert 6 stellte den neutralen Mittelpunkt dar. Werte über 6 bedeuteten Zufriedenheit, Werte darunter Unzufriedenheit.

Zusätzlich ordneten die Befragten den Anfang ihrer Beziehung einer von sieben Kategorien zu, die sich folgendermaßen verteilten:

* Anfängliche Verliebtheit: 418 Beziehungen (47,6 %)
* Freundschaft, aus der später Liebe wurde: 241 Beziehungen (27,5 %)
* Keinem klaren Muster zuordenbar: 128 Beziehungen (14,6 %)
* Reine Freundschaft, bei der auch später keine Liebe hinzukam: 32 Beziehungen (3,6 %)
* Sofortige Ambivalenz, also ein Wechsel zwischen Anziehung und Abstoßung: 29 Beziehungen (3,3 %)
* Liebe ohne vorherige Verliebtheit oder Freundschaft: 19 Beziehungen (2,2 %)
* Anfängliche Aversion: 11 Beziehungen (1,3 %)

ERGEBNISSE ZUR BEZIEHUNGSZUFRIEDENHEIT

Die statistische Analyse zeigte, dass fünf verschiedene Anfangsformen zu einer vergleichbar hohen Beziehungszufriedenheit führten und sich statistisch nicht signifikant voneinander unterschieden.

Dies waren:

* Anfängliche Verliebtheit
* Freundschaft mit späterer Liebe
* Liebe ohne vorherige Verliebtheit oder Freundschaft
* Nur Freundschaft, aus der keine Liebe wurde
* Beziehungen ohne erkennbares klares Muster

Alle diese fünf Gruppen lagen im positiven Bereich oberhalb des Skalenmittelpunkts von 6.

„_Die Daten widersprechen der verbreiteten Vorstellung, dass Liebe nur dann tragfähig ist, wenn sie mit Verliebtheit beginnt_“, erläutert Gebauer. „_Ob eine Beziehung mit Verliebtheit, Freundschaft oder Liebe ohne Verliebtheit begann, hatte keinen Einfluss auf die spätere Beziehungszufriedenheit._“

Deutlich schlechter und signifikant unterschiedlich waren dagegen die beiden seltenen Anfangsformen, bei denen eine Beziehung trotz Aversion oder mit sofortiger Ambivalenz begann. Beide Gruppen lagen im Durchschnitt im unzufriedenen Bereich.

ERGEBNISSE ZUR SEXUELLEN ZUFRIEDENHEIT

Bei der sexuellen Zufriedenheit zeigte sich ein ähnliches, aber nicht identisches Bild. Auch hier gab es mehrere Anfangsformen, die statistisch nicht unterscheidbar waren und zu vergleichbarer sexueller Zufriedenheit führten. Das waren:

* Anfängliche Verliebtheit
* Freundschaft mit späterer Liebe
* Liebe ohne vorherige Verliebtheit oder Freundschaft
* Beziehungen ohne erkennbares klares Muster

Erneut waren Beziehungen, die mit Aversion begannen, durch die geringste Zufriedenheit gekennzeichnet.

Den zweitunzufriedensten Beziehungstyp bildeten dieses Mal jedoch Beziehungen, die als reine Freundschaft ohne Liebe verblieben. Dicht hierauf folgten Beziehungen, die sich durch anfängliche Ambivalenz kennzeichneten.

Gebauer erklärt dies psychologisch: „_Freundschaft beinhaltet Vertrauen, Verlässlichkeit und gemeinsame Lebensgestaltung. Das kann zu hoher Beziehungszufriedenheit beitragen. Sexualität ist jedoch stärker an Leidenschaft und starke Gefühle gebunden, die bei einer reinen Freundschaft ohne Liebe fehlen. Wenn eine Beziehung dauerhaft Freundschaft bleibt, kann sie daher beziehungsbezogen zufriedenstellend sein, aber sexuell schwächer abschneiden._“

AUCH WARNSIGNALE BEDEUTEN NICHT IMMER DAS AUS

Trotz klarer Durchschnittstendenzen zeigten die Daten bei allen Beziehungstypen individuelle Verlaufsmöglichkeiten:

* Selbst Beziehungen, die mit Aversion oder Ambivalenz beginnen, müssen demnach nicht zwangsläufig scheitern.

So lagen bei Beziehungen, die mit Aversion begannen, 20 Prozent der Fälle oberhalb des neutralen Bereichs der Beziehungszufriedenheit. Bei der sexuellen Zufriedenheit waren es sogar 35 Prozent.

Zum Vergleich:

* Bei Beziehungen mit Verliebtheitsbeginn erreichten 65,4 Prozent eine Beziehungszufriedenheit über 6, bei freundschaftlichem Beginn waren es 65,8 Prozent.

„_Aversion und Ambivalenz sind Warnsignale, aber keine endgültigen Urteile_“, so Gebauer. „_Wenn solche Gefühle am Anfang stehen, sollte besonders gründlich geprüft werden, ob sich wirklich eine positive gemeinsame Entwicklung, echte Annäherung und gemeinsames Glück ergeben können. Entscheidend ist, Warnsignale nicht zu übersehen, aber Entwicklungsmöglichkeiten auch nicht vorschnell auszuschließen._“

DIE MUSTER ZEIGTEN SICH UNABHÄNGIG VON BEZIEHUNGSSTATUS UND GESCHLECHT

Für die Einordnung der Ergebnisse sind zwei methodische Befunde besonders wichtig:

* Die durchschnittliche Beziehungszufriedenheit lag bei fortbestehenden Beziehungen bei 8,33, die sexuelle Zufriedenheit bei 8,06. Bei bereits beendeten Beziehungen lagen die Werte nicht überraschenderweise niedriger bei 6,50 beziehungsweise 6,55. Für die Kernfrage war jedoch entscheidend, dass dieser Unterschied die Wirkung des Beziehungsbeginns auf die Zufriedenheit nicht veränderte. Die gefundenen Muster galten für bestehende und vergangene Beziehungen gleichermaßen.
* Auch das Geschlecht der Befragten spielt keine Rolle für die Auswirkungen des Beziehungsbeginns auf die Zufriedenheit.

„_Das spricht dafür, dass vergangene Beziehungen nicht rückwirkend falsch erinnert wurden oder die Effekte womöglich nur für bestimmte Teilgruppen gelten_“, sagt Gebauer. „_Es kann daher von einer hohen Generalisierbarkeit der Befunde ausgegangen werden._“

WAS SINGLES DARAUS LERNEN KÖNNEN

Gebauer schließt aus den Studienergebnissen, dass Singles sich nicht darauf versteifen sollten, dass Liebe nur auf einem einzigen Weg beginnen darf.

Verliebtheit könne ein sehr guter Anfang sein. Freundschaft, Liebe ohne vorherige Verliebtheit oder sogar kompliziertere Beziehungsbeginne könnten aber ebenfalls zu dauerhafter Zufriedenheit führen.

Gebauers Rat: „_Gemeinsam ausloten, ob ein gemeinsamer Lebensweg möglich ist. Positive Gefühle von Verliebtheit, Liebe oder Freundschaft können gute Gründe sein, wechselseitig Ja zu sagen. Wenn dagegen Aversion oder starke Ambivalenz am Anfang stehen, ist eine gründliche und ergebnisoffene gemeinsame Prüfung notwendig, ob es Sinn macht, einen Beziehungsbeginn zu wagen._“

Wer nur die Verliebtheit als Signal für einen Beziehungsbeginn akzeptiere, bleibe möglicherweise unnötig Single, zumal Verliebtheit für viele Menschen ein seltenes Ereignis sei, das nur gelegentlich im Leben und bei manchen sogar gar nicht auftrete.

„_Viele Singles engen ihren Beziehungsraum ein, weil sie glauben, Liebe müsse auf eine ganz bestimmte Weise beginnen_“, erklärt Gebauer seine langjährigen Beobachtungen als Partnervermittler und Dating-Coach. „_Die Daten sprechen für mehr Offenheit: Manchmal beginnt eine tragfähige Beziehung sofort mit großer Verliebtheit, in anderen Fällen ist der Beginn ruhiger, freundschaftlich und entwickelt sich unter Umgehung von Verliebtheit zur Liebe. In seltenen Fällen tritt sogar sofort Liebe auf, ohne dass diese als Verliebtheit spürbar ist Ebenfalls können sich Partnersuchende entscheiden, miteinander eine Beziehung auf einer reinen Freundschaftsbasis und ohne Liebe einzugehen._“

Aversion und Ambivalenz sollten nicht als Warnsignale übergangen werden. Aber auch sie müssen nicht automatisch das Ende bedeuten, da immerhin jede fünfte Beziehung, die auf dieser Basis begann, dennoch eine positive Beziehungszufriedenheit erreichte.

„_Die Vielfalt der möglichen Anfänge zuzulassen, erweitert den Beziehungsraum und erhöht die Chance, eine Partnerschaft zu finden, die glücklich werden kann_“, fasst Gebauer zusammen.

Weitere Ergebnisse und psychologische Einordnungen der Studie können im Beziehungsblog von Gleichklang nachgelesen werden. Dort finden sich auch weitere Artikel, die sich aus psychologischer Sichtweise mit der Friendzone sowie dem Übergang von Freundschaft zur Liebe beschäftigen.

DATENBOX FÜR REDAKTIONEN

* n = 878
* Geschlecht: 493 Frauen, 369 Männer, 16 nicht-binär
* Beziehungen: 758 beendet, 120 bestehend
* Skala: 1-11, neutral = 6
* Anfangsformen: Verliebtheit 47,6 % | Freundschaft mit späterer Liebe 27,5 % | kein klares Muster 14,6 % | reine Freundschaft 3,6 % | Ambivalenz 3,3 % | Liebe ohne Verliebtheit 2,2 % | Aversion 1,3 %
* Bestehende Beziehungen: Ø 8,33 Beziehungszufriedenheit / Ø 8,06 sexuelle Zufriedenheit
* Beendete Beziehungen: Ø 6,50 Beziehungszufriedenheit / Ø 6,55 sexuelle Zufriedenheit
* Status als fortbestehende oder beendete Beziehung: kein Einfluss auf die Wirkung des Beziehungsbeginns
* Geschlecht: kein Einfluss auf die Wirkung des Beziehungsbeginns

ÜBER GLEICHKLANG.DE

Gleichklang.de ist eine psychologische Partnervermittlung für Menschen, die ernsthaft Partnerschaft, Freundschaft oder gemeinschaftliche Projekte suchen. Die Plattform verbindet psychologisches Matching mit einer ökologisch-sozialen Grundorientierung.

Dr. Gebauer steht jederzeit für Nachfragen und Interviews in
klassischen Medien (Print, TV, Radio) sowie auf YouTube, in Blogs und
sozialen Medien zur Verfügung:

Dr. Guido F. Gebauer
Gleichklang limited
Oesterleystr 1
30171 Hannover
Tel.: +49 (0)15228973672
E-Mail: gebauer@gleichklang.de

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