Pestizid-Lobby vor Gericht: IGP konnte ihre Behauptung nicht belegen

Wissenschaftler bestätigen Belastbarkeit der GLOBAL 2000-Auswertung

GLOBAL 2000 berichtete im Dezember 2025 über einen drastischen Anstieg von Pestiziden seit dem Jahr 2010. Bei den sogenannten Substitutionskandidaten, also Pestiziden mit besonderen Gefährlichkeitsmerkmalen, die nach EU-Recht schrittweise ersetzt werden sollen, hat sich die näherungsweise berechnete behandelte Fläche verdoppelt. Bei PFAS-Pestiziden, die Grund- und Trinkwasser belasten, kam es sogar zu einer Verdreifachung.

Statt sich mit den Ergebnissen auseinanderzusetzen, unterstellte die Industriegruppe Pflanzenschutz (IGP), die die Interessen von Pestizidherstellern wie BASF, Syngenta und Bayer/Monsanto in Österreich vertritt, GLOBAL 2000 öffentlich die Verbreitung von Unwahrheiten. Lagergase wie CO₂ seien fälschlich in die Auswertung eingeflossen. Dies hätte den Pestizidanstieg verursacht. Dies weist die Umweltschutzorganisation entschieden zurück, eine Richtigstellung verweigerte die Lobbygruppe.

„Wir klagen nun vor dem Wiener Handelsgericht auf Unterlassung und Richtigstellung. Bei der Verhandlung konnte die Pestizid-Lobby ihren Vorwurf nicht belegen. Im Gegenteil: Der von ihr selbst benannte Zeuge bestätigte auf Nachfrage der Richterin, dass die verwendete Berechnungsmethode eine Einbeziehung von CO₂ ausschließt“, berichtet Umweltchemiker Helmut Burtscher-Schaden.

PESTIZID-EINSATZ STEIGT, WISSENSCHAFT BESTÄTIGT BERECHNUNGSMETHODE

GLOBAL 2000 berechnete den Anstieg der Pestizide mit einer Berechnungsmethode, die vom Deutschen Umweltbundesamt empfohlen wird. „Die Methode rechnet die verkauften Wirkstoffmengen mithilfe standardisierter Hektaraufwandmengen in näherungsweise behandelte Flächen um. Dabei erhält man gute Näherungswerte für die Häufigkeit von Pestizidanwendungen. CO₂ wird bei dieser Methode, anders als von der IGP behauptet, nicht berücksichtigt“, stellt Umweltchemiker Helmut Burtscher-Schaden richtig.

Die Belastbarkeit der von GLOBAL 2000 verwendeten Methode und die Aussagekraft der Ergebnisse werden auch in einer heute veröffentlichten Stellungnahme von Johann Zaller, Thilo Hofmann und Hans-Peter Hutter bestätigt:

Ob mit den Berechnungsgrundlagen des deutschen Umweltbundesamtes oder mit den österreichspezifischen Daten der AGES: Beide Ansätze zeigen einen vergleichbaren, aus Umwelt- und Gesundheitssicht beunruhigenden Anstieg bei sogenannten Substitutionskandidaten. Wer lediglich die verkauften Kilogramm von Pestiziden betrachtet, kann leicht zu irreführenden Schlussfolgerungen gelangen. Die behandelte Fläche ist für die Bewertung des tatsächlichen Pestizideinsatzes wesentlich aussagekräftiger und wird deshalb auch von Behörden und wissenschaftlichen Einrichtungen in mehreren europäischen Ländern als Indikator herangezogen.“

FALSCHINFORMATION ALS GIFT FÜR ÖFFENTLICHE DEBATTEN

Mit der Falschbehauptung der IGP, die Pestizidauswertung von GLOBAL 2000 hätte fälschlich CO₂ mitgerechnet, geriet die aus Umwelt- und Gesundheitssicht zentrale Frage aus dem Fokus der öffentlichen Debatte: Warum nimmt die Verwendung besonders problematischer Pestizide in Österreich seit Jahren so stark zu? „Statt darüber zu diskutieren und Lösungen zu suchen, wurde plötzlich über einen angeblichen Rechenfehler gesprochen“, erinnert sich Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker bei GLOBAL 2000.

Rechtsanwalt Matthias Heltschl von der Medienrechtskanzlei Windhager ergänzt: „Die Klage richtet sich auf den Widerruf der CO₂-Behauptung als unwahr sowie auf deren künftige Unterlassung. Gerade diese Behauptung wurde von Dritten aufgegriffen und weiterverbreitet und diente als Grundlage für den Vorwurf, die Auswertung von GLOBAL 2000 sei fehlerhaft. Deshalb konzentriert sich die Klage gezielt auf diesen Punkt. Zudem hat der Fall eine grundsätzliche Dimension: Es geht um die Frage, ob wissenschaftlich fundierte Analysen durch unzutreffende Tatsachenbehauptungen diskreditiert werden dürfen und welche Folgen dies für die Qualität öffentlicher Debatten hat.“

Das schriftliche Urteil wird in den nächsten Wochen erwartet.

Dr. Helmut Burtscher-Schaden
Umweltchemiker GLOBAL 2000
+43 699 14 2000 34
helmut.burtscher@global2000.at

Christoph Gerhardt
Pressesprecher GLOBAL 2000
+43 699 14 2000 26
christoph.gerhardt@global2000.at

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