Wienbibliothek im Rathaus übernimmt Archiv des Österreichischen Pen-Club
MIT DER ÜBERNAHME DES UMFANGREICHEN ARCHIVS DES ÖSTERREICHISCHEN PEN-CLUB WIRD EINE GEWICHTIGE DOKUMENTATION DER ÖSTERREICHISCHEN LITERATURGESCHICHTE IN DIE SAMMLUNGEN DER WIENBIBLIOTHEK IM RATHAUS AUFGENOMMEN. DER 250 ARCHIVBOXEN UMFASSENDE BESTAND MACHT DIE GESCHICHTE DER ÄLTESTEN SCHRIFTSTELLERVEREINIGUNG ÖSTERREICHS NACHVOLLZIEHBAR UND WIRD NUN DER FORSCHUNG ZUGÄNGLICH GEMACHT.
„Der Österreichische PEN-Club setzt sich seit seiner Gründung für die Förderung der Literatur und die Freiheit des Worts ein. Gerade in einer Zeit, in der demokratische Werte weltweit unter Druck geraten, gewinnen solche Zeugnisse besondere Aktualität“, betont Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler. „Das PEN-Archiv macht sichtbar, welchen Beitrag Autorinnen und Autoren zum kulturellen und gesellschaftlichen Selbstverständnis Österreichs geleistet haben.“
Der Österreichische PEN-Club wurde 1923 mit Arthur Schnitzler als Ehrenpräsidenten gegründet. Nach dem „Anschluss“ an Hitler-Deutschland 1938 wurde das österreichische PEN-Zentrum aufgelöst. 1947 wurde auf Initiative des Exil-PEN-Clubs in London der Österreichische PEN-Club wiedererrichtet, der Schriftsteller Franz Theodor Csokor wurde sein erster Präsident. Das Archiv der Zeit vor 1938 hat sich nicht erhalten, das vorliegende Material, das eine der größten Sammlungen der Wienbibliothek darstellt, macht die PEN-Geschichte seit 1947 im Detail nachvollziehbar.
Beginnend beim Gründungdokument, einem Brief Franz Theodor Csokors aus dem Jahr 1946, führt das Archiv etwa die ideologischen Verwerfungen des Kalten Krieges vor Augen, die die ersten Jahre nach Wiedererrichtung – besonders die Organisation des PEN-Weltkongresses 1950 in Wien – dominierten. Es zeigt auch die zahlreichen Initiativen zur Unterstützung der Ungarn-Flüchtlinge nach 1956. Schätze des Bestands sind zum einen die „Mitgliedermappen“ mit Korrespondenzen und Dokumenten aller mit der Institution verbundenen Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus sechs Jahrzehnten, darunter u. a. Hilde Spiel, Hannes Androsch, Mira Lobe oder Gerhard Bronner. Zum anderen eine umfassende Fotosammlung, welche die Veränderungen des Clubs über die Jahrzehnte sowie die unzähligen Veranstaltungen mit internationalen Gästen wie Friedrich Dürrenmatt, Elias Canetti oder Claudio Magris bildlich festhält.
„Der umfangreiche Bestand des Österreichischen PEN-Club dokumentiert wesentliche Entwicklungen des literarischen Lebens in Österreich. Er ermöglicht einen Blick auf seine Vertreterinnen und Vertreter und ihre Netzwerke sowie auf die kulturellen, politischen und internationalen Verflechtungen, die das literarische Leben über Jahrzehnte geprägt haben. Mit der Erschließung und wissenschaftlichen Aufbereitung dieses Archivs schaffen wir eine wertvolle Forschungsgrundlage für die Literatur-, Kultur- und Zeitgeschichte,“ so Wienbibliothek-Direktorin Anita Eichinger.
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