ORF-Stiftungsrat (3): Positiver ORF-Jahresabschluss 2025 genehmigt
Der ORF-Stiftungsrat hat in seiner Plenarsitzung am Dienstag, dem 11. August 2026, unter dem Vorsitz von Heinz Lederer den von ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher vorgelegten Jahres- und Konzernabschluss des ORF 2025 mit großer Mehrheit genehmigt. Sowohl der ORF als auch der ORF-Konzern bilanzieren positiv. Die Generaldirektorin informierte das Gremium außerdem über die hervorragenden Reichweiten und Marktanteile des ORF in Radio, Fernsehen und Online sowie die Empfehlungen des ORF-Transparenz-Beirats. Weiters wurde Mag. Bettina Parschalk zur Geschäftsführerin der ORF-Beitrags Service GmbH bestellt, Mag. Matthias Seiringer zum interimistischen Geschäftsführer der ORF-Enterprise.
ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher: „Wir konnten den Stiftungsrat heute darüber informieren, dass der ORF programmlich auf Kurs ist: Das ORF-Fernsehen verzeichnet 2026 bisher die höchsten Marktanteile und Reichweiten seit Jahren. Auch im Radio und online ist der ORF eindeutiger Marktführer. Wirtschaftlich konnte der ORF trotz der äußerst angespannten Rahmenbedingungen das Jahr 2025 positiv abschließen. Weiters konnte der ORF auch in den offenen Compliance-Fragen einige wichtige Entscheidungen treffen und umsetzen. Wesentliche Grundlagen dafür hat der von mir im März eingesetzte Transparenz-Beirat geliefert, dessen Empfehlungen nun vorliegen. Der ORF analysiert sie sehr genau und wird darauf aufbauend Maßnahmen zur weiteren Verbesserung seiner Compliance- und Governance-Standards setzen!“
Im Rahmen der Sitzung wurde auch über die Finanzierung des ORF diskutiert. Bekanntlich hat die Bundesregierung im Zuge des Budgetprozesses dem ORF die Kompensation für den Entfall des Vorsteuerabzugs gestrichen, wodurch bereits ab 2027 jährlich rund 90 Millionen Euro weniger zur Verfügung stehen. Da die Einnahmen aus dem ORF-Beitrag trotz umfassender zusätzlicher Sparmaßnahmen nicht ausreichen werden, die voraussichtlichen Nettokosten des öffentlich-rechtlichen Auftrags abzudecken, ergibt sich aus § 31 Abs. 22 ORF-Gesetz eine Verpflichtung der Generaldirektorin, die KommAustria als Regulierungsbehörde darüber in Kenntnis zu setzen. Parallel bereitet der ORF die Einleitung verfassungsrechtlicher Schritte vor. Nach Rechtsauffassung des ORF verstößt die kurzfristige und signifikante Finanzierungsänderung gegen das Europäische Medienfreiheitsgesetz und die verfassungsrechtliche Finanzierungsgarantie. Aufgrund der Kurzfristigkeit dieser Maßnahme muss der ORF sämtliche rechtlichen Verpflichtungen und Handlungsspielräume ausschöpfen. Ungeachtet dessen setzt der ORF weiterhin alles daran, die Finanzierungsvorgaben konsequent umzusetzen. Die Generaldirektorin hat den Stiftungsrat über diese Vorgangsweise informiert.
ORF-Programme Marktführer in Radio, Fernsehen und Online
Die ORF-Senderfamilien sind Marktführer in Fernsehen, Radio und Online. Das ORF Fernsehen erreichte mit einem Marktanteil von 35,8 Prozent und rd. 3,5 Millionen Seherinnen und Sehern täglich (Teletest Jänner–Juli 2026) die besten Werte seit Jahren. Die ORF-Radios erreichen bei einem Marktanteil von 58 Prozent 4,5 Millionen Hörer:innen täglich (Radiotest 2026_2). Das ORF.at-Network verzeichnet 144 Millionen Visits pro Monat (ÖWA 2026/1. HJ).
ORF-Bilanz 2025 positiv
Der ORF-Konzern bilanzierte 2025 mit einem vorläufigen EBT von 15,3 Mio. Ꞓ (2024: 34,7 Mio. Ꞓ) positiv. Das EBT der Muttergesellschaft betrug 0,8 Mio. Ꞓ (2024: 4,3 Mio. Ꞓ). Die Konzern-Umsatzerlöse lagen 2025 bei 1.132,7 Mio. Ꞓ (2024: 1.130,4 Mio. Ꞓ). Die Erlöse aus dem ORF-Beitrag 2025 betrugen 742,4 Mio. Ꞓ (2024: 732,2 Mio. Ꞓ), aus der Werbung 188,8 Mio. Ꞓ (2024: 198,2 Mio. Ꞓ).
Empfehlungen des ORF-Transparenz-Beirates
ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher hatte im März dieses Jahres den ORF-Transparenz-Beirat eingesetzt, dem renommierte Expertinnen und Experten aus den Bereichen Arbeits- und Sozialrecht, Corporate Governance und Compliance angehörten. Aufgabe des Beirats war die Unterstützung des ORF bei der Aufarbeitung der offenen Compliance-Themen und die Erarbeitung von Empfehlungen zur nachhaltigen strukturellen Verbesserung des ORF in den Bereichen Compliance und Governance. Der Beirat hat seine Arbeit Ende Juni abgeschlossen und dem ORF seinen Bericht samt Empfehlungen übergeben.
Der ORF-Transparenz-Beirat weist auf mehrere miteinander verbundene Entwicklungs- und Verbesserungsfelder in den Bereichen Führung, Compliance, Governance und Unternehmenskultur hin, in denen er Handlungsbedarf beim ORF sieht. Zugleich hält der Beirat positiv fest, dass seit dem Führungswechsel bereits wesentliche Schritte zur Aufarbeitung der offenen Compliance-Fragen gesetzt wurden und ein neuer „Tone from the top“ wahrnehmbar sei.
Der ORF-Transparenz-Beirat identifiziert zusammengefasst Empfehlungen in drei zentralen Handlungsfeldern für eine nachhaltige Weiterentwicklung des ORF:
* Compliance wirksam stärken:
Die bestehenden Strukturen sind zu einem unabhängigen, ausreichend ausgestatteten und risikoorientierten Compliance-Gesamtsystem weiterzuentwickeln – einschließlich der Möglichkeit externer Untersuchungs- und Ombudsstellen für sensible Fälle sowie wirksamer Schutzmechanismen für Meldende.
* Klare Regeln, Verantwortung und Konsequenzen:
Respekt, Integrität, Unabhängigkeit und Verantwortungsübernahme sind als klare Führungsmaßstäbe zu verankern; Fehlverhalten ist fair, zügig und nachvollziehbar zu sanktionieren.
* Integritäts- und Führungskultur verbindlich etablieren:
Dienstverträge, Zielvereinbarungen und Vergütung sollen transparenter und einheitlicher nach überprüfbaren Standards gestaltet werden; ein klarer Code of Conduct soll die zentralen Verhaltensregeln verbindlich zusammenführen.
Geschäftsführer:in von OBS und ORF-Enterprise bestellt
Weiters hat der Stiftungsrat auf Vorschlag von Generaldirektorin Ingrid Thurnher Matthias Seiringer als interimistischen Geschäftsführer der ORF-Enterprise sowie die bisherige interimistische Geschäftsführerin der OBS Bettina Parschalk,als definitive Geschäftsführerin der ORF-Beitrags Service GmbH bestellt.
Bettina Parschalk: „Ich danke für das Vertrauen und freue mich sehr, den eingeschlagenen Weg gemeinsam mit dem OBS-Team fortzusetzen. Unser Ziel ist es, die OBS als moderne, serviceorientierte und publikumsnahe Organisation weiterzuentwickeln. Verlässlichkeit, hohe Servicequalität sowie die konsequente Orientierung an den Anliegen der Menschen stehen dabei im Mittelpunkt unseres Handelns.“
Mag.a Bettina Parschalk ist seit 2025 interimistische Geschäftsführerin der OBS und setzte wesentliche Schritte zur Weiterentwicklung und Modernisierung des Unternehmens. Parschalk verfügt über langjährige Führungserfahrung im ORF in unterschiedlichen Managementfunktionen. Vor ihrem Wechsel zur OBS war sie seit 2011 als operative Leiterin und Prokuristin der ORF-KONTAKT für die zentrale Serviceorganisation des ORF verantwortlich. Ihre beruflichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Kundenservice, Kommunikation, Prozess- und Organisationsentwicklung sowie digitale Transformation.
Matthias Seiringer: „Der Werbe- und Agenturmarkt befindet sich in einer herausfordernden Phase, in welcher Stabilität und Vertrauen besonders wichtig sind. Ich freue ich mich, mein Knowhow aus rund zwei Jahrzehnten Digital-Vermarktung in den Transformationsprozess des Unternehmens direkt einbringen zu können und die ORF-Enterprise für die zukünftigen Herausforderungen optimal auszurichten.“
Matthias Seiringer absolvierte seinen Magister (FH) in Management und Recht am MCI in Innsbruck, startete seine berufliche Laufbahn bei Sport 1 (damals DSF in München) und wechselte anschließend zu LAOLA1. 2009 stieg er bei der ORF-Enterprise als Account Manager ein und wurde 2012 zum Head of Sales Digital berufen. In dieser Funktion verantwortete er unter anderem die Vermarktung des ORF.at-Networks.
Rückfragehinweis:
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