Entzündungsschmerz: Neuer Ansatz für Entwicklung von Therapien entdeckt

ENTZÜNDUNGEN MACHEN GEWEBE OFT BESONDERS SCHMERZEMPFINDLICH – ETWA BEI INFEKTIONEN, VERLETZUNGEN ODER CHRONISCHEN ERKRANKUNGEN. WIE DIESE ÜBEREMPFINDLICHKEIT BEIM MENSCHEN GENAU ENTSTEHT, WAR BISHER NUR SCHWER UNTER KONTROLLIERTEN BEDINGUNGEN ZU UNTERSUCHEN. FORSCHENDE DER MEDUNI WIEN HABEN NUN EIN HAUTMODELL ENTWICKELT, MIT DEM SICH EINE ÖRTLICH BEGRENZTE, INFEKTIONSÄHNLICHE ENTZÜNDUNG AUSLÖSEN UND IHRE WIRKUNG AUF DAS SCHMERZEMPFINDEN GEZIELT UNTERSUCHEN LÄSST. DABEI ZEIGTE SICH, DASS EIN ANDERER REZEPTOR ALS BISHER ANGENOMMEN EINE ZENTRALE ROLLE SPIELT. DIE ERGEBNISSE, DIE AKTUELL IM FACHJOURNAL NATURE COMMUNICATIONS VERÖFFENTLICHT WURDEN, KÖNNTEN DAMIT EINEN NEUEN ANSATZPUNKT FÜR DIE ENTWICKLUNG VON THERAPIEN GEGEN ENTZÜNDUNGSSCHMERZ LIEFERN.

Für das neue Modell verwendete das Forschungsteam Lipopolysaccharid (LPS), einen Bestandteil der äußeren Hülle bestimmter Bakterien. LPS wurde in sehr geringer Menge in die Haut gesunder Studienteilnehmer:innen injiziert. Dadurch lässt sich für einige Stunden eine örtlich begrenzte Entzündungsreaktion auslösen, ohne dass eine tatsächliche Infektion entsteht, weil keine lebenden Bakterien verabreicht werden. Nach einer Pilotstudie mit zwölf Personen untersuchte das Forschungsteam die zugrunde liegenden Mechanismen anschließend in einer doppelblinden, randomisierten und placebokontrollierten Studie mit 40 gesunden Teilnehmer:innen. „Mit diesem Modell konnten wir erstmals sehr gezielt untersuchen, wie eine lokale Entzündung beim Menschen entsteht und wie sich dabei die Empfindlichkeit gegenüber unterschiedlichen Schmerzreizen verändert“, sagt Felix Resch, Erstautor der Studie am Institut für Physiologie der MedUni Wien.
ENTZÜNDUNGSREAKTION LÄUFT ANDERS ALS BISHER ANGENOMMEN

Mag. Johannes Angerer
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