PVÖ zu VIG-Chef Löger: „Wer höheres Pensionsalter fordert, muss zuerst den Arbeitsmarkt dafür schaffen“
Pensionistenverband: Faktisches Antrittsalter liegt weit unter dem gesetzlichen – Arbeitslosigkeit ab 60 ist das eigentliche Problem.
Zur heutigen Forderung von VIG-Generaldirektor Hartwig Löger nach einer Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters („Antrittsalter zur Pension erhöhen“) reagiert der Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) mit deutlicher Kritik: „Ausgerechnet jene, die am lautesten nach einem höheren gesetzlichen Pensionsalter rufen, müssten als Erste dafür sorgen, dass der Arbeitsmarkt überhaupt darauf vorbereitet ist. Eine Zahl ins Gesetz zu schreiben, ohne dass die Voraussetzungen dafür erfüllt sind, ist verantwortungslos und geht an der Realität älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vorbei“, so PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer.
Zwei Fakten würden Lögers Vorstoß laut PVÖ „komplett ad absurdum“ führen: Erstens liegt das faktische Pensionsantrittsalter in Österreich nach wie vor deutlich unter dem gesetzlichen – 2025 traten Männer im Schnitt mit rund 62 Jahren in Pension, obwohl das gesetzliche Antrittsalter bei 65 Jahren liegt. Zweitens ist die Arbeitslosigkeit ab 60 besonders hoch: Rund ein Fünftel aller Arbeitslosen in Österreich ist 55 Jahre oder älter, während dieselbe Gruppe nur etwa 17 Prozent der unselbstständig Beschäftigten stellt. „Wer mit 60 seinen Job verliert, hat kaum eine reale Chance auf einen Wiedereinstieg. Unter diesen Bedingungen einfach die gesetzliche Altersgrenze nach oben zu schrauben, ist keine Reform, sondern reiner Populismus auf dem Rücken jener, die ohnehin schon Schwierigkeiten haben, im Erwerbsleben zu bleiben“, so Gerstorfer.
BONUS-MALUS-SYSTEM STATT ZAHLENSPIEL IM GESETZ
Der PVÖ verweist in diesem Zusammenhang auf die heutige gemeinsame Pressekonferenz mit der Vorsitzenden der Alterssicherungskommission, Christine Mayrhuber, und der Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes, Ingrid Korosec. Die drei Frauen fordern unisono ein Bonus-Malus-System, das jene Betriebe belohnt, die ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer halten und einstellen – und jene stärker in die Pflicht nimmt, die sie systematisch aus dem Erwerbsleben drängen.
„Genau das zeigt, wo das eigentliche Problem liegt: nicht bei den Menschen, die angeblich zu früh in Pension gehen, sondern bei Betrieben, die ältere Beschäftigte gar nicht erst halten oder einstellen. Wer wie Herr Löger eine höhere Altersgrenze fordert, aber die Verantwortung der Wirtschaft dabei komplett ausblendet, verkennt die Realität am Arbeitsmarkt“, so Gerstorfer weiter.
Der Pensionistenverband fordert daher, dass jede Diskussion über das gesetzliche Pensionsantrittsalter so lange verfrüht ist, wie die strukturellen Probleme am Arbeitsmarkt für Ältere nicht gelöst sind. „Wer länger arbeiten soll, muss auch länger arbeiten dürfen. Zuerst müssen die Unternehmen ihre Hausaufgaben machen – dann kann man über alles Weitere reden“, so Gerstorfer abschließend. (Schluss)
Unabhängiger Pensionistenverband Österreichs
Generalsekretär Christian Rösner, MSc
E-Mail: christian.roesner@pvoe.at
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