Neßler/Grüne: Wer Eltern entlasten will, muss endlich die Sommerbetreuung ausbauen
Eltern jonglieren jeden Sommer aufs Neue mit Urlaub, Feriencamps und Großeltern – verlässliche und leistbare Betreuung fehlt vielerorts
Anlässlich der heutigen Aussagen von WKO-Chefin Martha Schulz fordert die Familiensprecherin der Grünen, Barbara Neßler, den Fokus auf die größte Herausforderung für Familien im Sommer zu richten: das fehlende Angebot an verlässlicher und leistbarer Kinderbetreuung. „Alle Eltern kennen das: Kaum beginnen die Sommerferien, beginnt das große Jonglieren. Urlaubstage werden aufgeteilt, Großeltern eingespannt, Feriencamps gesucht und Betreuungslücken irgendwie überbrückt. Und wer keine familiäre Unterstützung hat, muss oft tief in die Tasche greifen. Wenn wir Eltern wirklich entlasten wollen, müssen wir genau dort ansetzen“, sagt Neßler.
In vielen Bundesländern fehlt es weiterhin an ausreichenden Betreuungsangeboten während der Sommermonate. Besonders unverständlich ist für Neßler, dass gleichzeitig vorhandene Bundesmittel für den Ausbau der Kinderbetreuung nicht vollständig genutzt werden. Aus einer parlamentarischen Anfragebeantwortung der Grünen an das Bildungsressort geht hervor, dass allein im Bereich Ausbau und Sprachförderung rund 68 Millionen Euro nicht abgerufen wurden.
„Die Politik hat einen klaren Job: Eltern das Leben nicht noch komplizierter zu machen, sondern sie zu unterstützen. Das Geld für mehr Kinderbetreuung ist da. Die Länder müssen es endlich abholen und dafür sorgen, dass es ausreichend Plätze, längere Öffnungszeiten und vor allem verlässliche Angebote im Sommer gibt“, so Neßler.
Wie groß der Handlungsbedarf gerade in den Sommermonaten ist, zeigen die Öffnungszeiten der Betreuungseinrichtungen. Laut Kindertagesheimstatistik 2024/25 bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Während im Osten ein Großteil der Einrichtungen die Kriterien für eine mit Vollzeitarbeit vereinbare Jahresöffnung erfüllt, liegen die Quoten etwa in Tirol bei 70 Prozent, in Salzburg bei rund 60 Prozent und in Kärnten bei 58 Prozent. Bei den Horten fällt die Bilanz teilweise noch deutlich schlechter aus.
Neßler abschließend: „Eltern sollen nicht jedes Jahr aufs Neue neun Wochen Betreuung zusammenbasteln müssen. Gute Sommerbetreuung darf weder eine Frage des Wohnorts noch des Geldbörsels sein. Wer Familien und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ernst nimmt, muss dafür sorgen, dass Kinder auch im Sommer gut, verlässlich und leistbar betreut werden.“
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