Europäischer Prostata-Tag: Moderne Früherkennung muss strukturiert und risikoadaptiert werden
Österreichische Ärztekammer sowie Urologinnen und Urologen fordern eine Weiterentwicklung der Prostatakrebs-Früherkennung.
Anlässlich des Europäischen Prostata-Tages am 15. September erinnern die Österreichische Ärztekammer und Österreichs Urologinnen und Urologen an die Bedeutung der Prostatakrebs-Früherkennung. „Sozialversicherung und Politik dürfen nicht mehr länger zuschauen und müssen endlich ein systematisches, zielgruppenspezifisches Screening-Programm auf den Weg bringen, damit gefährdete Patientengruppen besser erreicht und bösartige Tumore früher entdeckt werden können“, fordert Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK).
Gerade in frühen Stadien verursache Prostatakrebs häufig keine Beschwerden, ergänzt Mehmet Özsoy, Präsident des Berufsverbandes der Österreichischen Urologie (BVU) und Obmann der Bundesfachgruppe für Urologie in der ÖÄK: „Umso wichtiger ist es, Männer rechtzeitig zu erreichen und ihnen einen einfachen Zugang zu einer modernen und qualitätsgesicherten Früherkennung zu ermöglichen.“
_Zwtl.: Weg vom Zufallsprinzip_
Für Özsoy führe kein Weg daran vorbei, die bisherige Früherkennung weiterzuentwickeln, man müsse weg vom „Zufallsprinzip“: „Ob ein Tumor früh erkannt wird, darf nicht davon abhängen, ob ein Mann von sich aus rechtzeitig zur Vorsorge geht. Unser Ziel muss es sein, Männer gezielt zu erreichen und jene zu identifizieren, die von weiteren Untersuchungen tatsächlich profitieren.“ Entscheidend dabei sei ein strukturierter und risikoadaptierter Ansatz – und nicht, dass möglichst viele Männer möglichst häufig zur Untersuchung gingen. Alter, PSA-Wert, familiäre und genetische Risikofaktoren sowie bei entsprechender Indikation weiterführende Diagnostik und moderne Bildgebung müssten sinnvoll miteinander kombiniert werden: „Dadurch lassen sich nicht nur klinisch relevante Tumore gezielter erkennen, sondern gleichzeitig auch unnötige Biopsien, Überdiagnosen und Übertherapien reduzieren“, erläutert Özsoy.
_Zwtl.: Eigenverantwortung bleibt wichtig_
Neben einem organisierten Früherkennungsprogramm bleibe auch die Eigenverantwortung jedes Einzelnen entscheidend, appelliert Steinhart, der selber Urologe ist: „Insbesondere Männer ab 50 Jahren, mit familiärer Vorbelastung oder bei Beschwerden sollten die bestehenden Möglichkeiten zur Vorsorge unbedingt in Anspruch nehmen, denn je früher Prostatakrebs erkannt wird, desto früher kann man gegensteuern.“ Für diese Gruppen werden die Prostata-spezifischen Antigen-Tests (PSA) derzeit kostenlos angeboten.
Das Fehlen von Beschwerden dürfe aber nicht als Zeichen dafür verstanden werden, dass keine Vorsorge notwendig sei, unterstreicht Özsoy: „Prostatakrebs ist im frühen Stadium meist symptomlos. Wir dürfen daher nicht darauf warten, bis Beschwerden auftreten. Früherkennung bedeutet, die Erkrankung zu einem Zeitpunkt zu entdecken, an dem wir die besten Möglichkeiten haben, sie erfolgreich zu behandeln.“
_Zwtl.: Geeignete gesundheitspolitische Rahmenbedingungen gefordert_
Die österreichischen Urologinnen und Urologen stünden jedenfalls mit ihren diagnostischen Möglichkeiten bereit, eine strukturierte und risikoadaptierte Prostatakrebs-Früherkennung mitzutragen: „Was wir jetzt brauchen, sind die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen für ein organisiertes und flächendeckendes Programm, damit wir Tumore früher entdecken, unnötige Eingriffe vermeiden und letztlich Leben retten können“, fordert Özsoy.
Österreichische Ärztekammer/Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Ilona Gschmeidler
Telefon: +43 1 51406-3312
E-Mail: i.gschmeidler@aerztekammer.at
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