Social-Media-Verbot ist richtig, greift aber zu kurz

Der Katholische Familienverband begrüßt in seiner Stellungnahme das angekündigte Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige.

Die größte parteiunabhängige Familienorganisation des Landes fordert zugleich eine Anhebung der Altersgrenze auf 16 Jahre, die Einbeziehung von Messenger-Diensten und KI-Anwendungen sowie Maßnahmen, die Eltern tatsächlich Zeit für ihre Kinder verschaffen.

Wien, 21. September 2026. „Wir schützen Kinder vor Alkohol, vor Nikotin, vor Glücksspiel. Es ist konsequent, sie auch vor Geschäftsmodellen zu schützen, die auf ihre Aufmerksamkeit abzielen“, sagt Peter Mender, Präsident des Katholischen Familienverbandes. „Selbstregulation und ein reflektierter Umgang mit digitalen Medien lassen sich bei jüngeren Kindern nicht voraussetzen.“ Der Familienverband begrüßt vor allem, dass der vorliegende Gesetzesentwurf auch die Plattformbetreiber in die Pflicht nimmt. „Aus familienpolitischer Sicht reicht es nicht, Eltern aufzufordern, die Bildschirmzeit ihrer Kinder zu kontrollieren, während Plattformen gleichzeitig Geschäftsmodelle einsetzen, die auf möglichst lange und intensive Nutzung ausgerichtet sind“, so Mender.

Zugleich weist der Familienverband darauf hin, dass mediale Dauernutzung nicht nur eine Folge der Plattformgestaltung ist. „Sie ist auch Ausdruck fehlender Zeit für Beziehung. Wenn beide Elternteile Vollzeit arbeiten müssen und Betreuungslücken faktisch durch ein Gerät gefüllt werden, greift ein Zugangsverbot zu kurz“, ist Mender überzeugt. Der Familienverband fordert daher Maßnahmen, die Eltern real Zeit für ihre Kinder verschaffen: partnerschaftliche und planbare Arbeitszeitmodelle, die Anerkennung von Betreuungsarbeit sowie verlässliche und leistbare Betreuungsstrukturen.

KI-ANWENDUNGEN AUSGEKLAMMERT

Ein zentraler Kritikpunkt des Verbandes ist, dass KI-basierte Anwendungen nicht vom Gesetz erfasst sind. „KI-Begleiter wie Chatbots kombinieren alles, was Social Media problematisch macht, personalisierte Ansprache, ständige Verfügbarkeit, endlose Fortsetzbarkeit, mit einer simulierten persönlichen Beziehung. Wo ein System Zuwendung simuliert, entsteht eine Bindung, die ein Kind nicht einordnen kann“, warnt Mender.

Zudem regt der Familienverband eine Ausweitung der Altersgrenze an. „Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren befinden sich weiterhin in einer sensiblen Entwicklungsphase und zählen gleichzeitig zu den intensivsten Nutzerinnen und Nutzern sozialer Medien“, so Mender. Ergänzend fordert die Familienorganisation die Erweiterung auf Messenger-Dienste wie Snapchat. „Auch sie nutzen manipulative Mechanismen wie Push-Nachrichten, die zur vermehrten Nutzung animieren“, gibt Mender zu bedenken.

Der Katholische Familienverband fordert das Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport auf, die Anregungen und Kritikpunkte aus den knapp 200 eingegangenen Stellungnahmen ernst zu nehmen, entsprechend zu prüfen und den Entwurf vor der Beschlussfassung nachzuschärfen.

Lesen Sie hier die gesamte Stellungnahme.

Katholischer Familienverband Österreich
Mag. Julia Standfest
Telefon: 0664 / 88 52 26 20
E-Mail: presse@familie.at
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