FPÖ – Hauser: „EU muss Lithiumorotat endlich wissenschaftlich neu bewerten“

Hauser verweist auf neue Forschung zu Lithium und dessen möglicher präventiver Bedeutung bei Alzheimer und anderen Erkrankungen

„Die Europäische Kommission beendet ein Verfahren zur Zulassung von Lithiumorotat-Dihydrat als Novel Food („neuartige Lebensmittel“, die von der EFSA für die EU-Kommission geprüft werden) – und lässt gleichzeitig offen, welche konkreten wissenschaftlichen oder dossierbezogenen Gründe dafür ausschlaggebend waren. Das ist nicht akzeptabel! Wenn ein Antrag unvollständig war, muss klar benannt werden, welche Informationen fehlen. Wenn es Sicherheitsbedenken gibt, müssen diese wissenschaftlich nachvollziehbar dargelegt werden“, erklärte der freiheitliche EU-Abgeordnete Gerald Hauser, der sich auf das am 27. März 2026 mit C(2026) 1964 final beendete Verfahren NF/2024/30250 bezieht.

In einer am 25. August eingebrachten schriftlichen Anfrage an die Kommission will er deshalb konkret wissen, welche Angaben zur Identität, zum Herstellungsverfahren, zur Zusammensetzung und zur Sicherheit von Lithiumorotat-Dihydrat als unzureichend bewertet wurden. Ebenso fordert er eine klare Antwort darauf, ob es unabhängig von formalen Mängeln konkrete wissenschaftliche Sicherheitsbedenken gegen den Stoff gab. „Es darf nicht sein, dass ein Verfahren einfach beendet wird und die Öffentlichkeit anschließend im Dunkeln bleibt. Gerade angesichts immer wieder neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse zur physiologischen Rolle von Lithium braucht es Transparenz statt Bürokratie“, so Hauser.

Besonders verweist Hauser auf die 2025 in Nature veröffentlichte Arbeit von Aron et al. „Lithium deficiency and the onset of Alzheimer’s disease“. Die Studie untersuchte unter anderem Zusammenhänge zwischen Lithiumhomöostase und Alzheimer-Pathologie und berichtete in Alzheimer-Mausmodellen Effekte von niedrig dosiertem Lithiumorotat. „Das ist der Grund, warum ich mich für Lithium bemühe. Falls es wirklich den Alzheimer-Kranken helfen kann, müssen wir den Einsatz ermöglichen“, meinte der EU-Abgeordnete. Die genannte Studie ersetzt keine regulatorische Prüfung des konkreten Produkts; sie liefert mit einem neuen experimentellen Zugang jedoch ein weiteres, wichtiges Puzzlestück in einem bereits aus unterschiedlichen, voneinander unabhängigen Forschungsansätzen entstandenen Evidenzbild zur Essenzialität von Lithium. Dabei geht es ausdrücklich nicht um psychiatrische Dosierungen, sondern um eine Zufuhr von etwa einem Milligramm elementarem Lithium pro Tag. „Diese Ergebnisse sind wissenschaftlich zu prüfen. Sie dürfen weder ignoriert noch politisch vorweggenommen werden. Entscheidend ist, dass die zuständigen europäischen Behörden die gesamte verfügbare Evidenz bewerten“, betonte Hauser.

Hauser setzt sich seit längerem für eine Neubewertung der Rolle von Lithium in der Ernährung und für eine wissenschaftliche Prüfung niedrig dosierter Lithiumpräparate ein. „Ich fordere keine Zulassung auf Zuruf. Ich fordere, dass die Behörden die Frage offen, transparent und auf Grundlage der aktuellen wissenschaftlichen Daten beantworten. Wenn Lithiumorotat-Dihydrat die erforderlichen Sicherheits- und Qualitätsanforderungen erfüllt, muss auch eine Zulassung möglich sein“, so Hauser.

Wissenschaftlicher Hintergrund: Die Evidenz zur ernährungsphysiologischen Bedeutung von Lithium, einschließlich experimenteller, molekularbiologischer, epidemiologischer und klinischer Befunde, wird ausführlich in der „Wissenschaftlichen Hintergrundbegründung zur Neubewertung von Lithium als ernährungsphysiologisch essenzielles Spurenelement“ von PD Dr. Michael Nehls dargestellt.

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