Sozialpartner zum KV-Abschluss der Metalltechnischen Industrie: Zweijähriger Krisenabschluss bringt Planungssicherheit und Stabilität

Ab 1. November 2026 gelten die im Vorjahr vereinbarten Lohn- und Gehaltserhöhungen

Die heimische Industrie war in den vergangenen Jahren sehr vom Wirtschaftsabschwung betroffen. Vor allem die Metalltechnische Industrie als exportorientierte Branche hat unter der Rezession gelitten. Die Kollektivvertragspartner haben daher im Vorjahr einen zweijährigen Krisenabschluss vereinbart.

Mit dem 1. November 2026 tritt nun der zweite Teil des KV-Abschlusses in Kraft. In einem gemeinsamen Pressegespräch erläutern die Gewerkschaften PRO-GE und GPA sowie der Fachverband Metalltechnische Industrie (FMTI) die Beweggründe und betonen die Bedeutung des Abschlusses für die Unternehmen und Beschäftigten.

DIE SITUATION 2025

Alle Bereiche der Metallindustrie waren von der Rezession betroffen. Die Mehrheit der Betriebe hatte Schwierigkeiten mit hohen Energiepreisen und Auftrags- sowie Produktionseinbrüchen. Stellen wurden abgebaut und es kam zu Betriebsschließungen. Mehr als 20.000 Arbeitsplätze gingen verloren, allein in der Metalltechnischen Industrie waren es 10.000 Stellen. Aufgrund der hohen Exportquote von 80 Prozent schlug sich die Situation der Weltwirtschaft besonders nieder.

SOZIALPARTNERSCHAFT IN KRISENZEITEN

Es herrschte große Verunsicherung. Niemand hätte unter diesen Bedingungen Verständnis für lange und intensive Auseinandersetzungen gehabt. Die Sozialpartner führten daher ab dem Frühjahr 2025 “industriepolitische Gespräche”, um eine gemeinsame Beurteilung der wirtschaftlichen und sozialen Lage vorzunehmen. Bei diesen intensiven Gesprächen wurde an einer Grundlage für die kommende Kollektivvertragsrunde gearbeitet, die im Interesse der Arbeitnehmer:innen und Unternehmen sein sollte. Priorität hatte die Gewährleistung von Planbarkeit, Sicherheit und Stabilität.

KRISENABSCHLUSS AUF ZEIT

Mit Fortdauer der “industriepolitischen Gesprächen” kristallisierte sich ein Kompromiss heraus, sodass es möglich erschien, bei den Kollektivvertragsverhandlungen 2025 rasch und ohne weitere Konflikte einen Abschluss zu tätigen, der den besonderen Erfordernissen der längsten Rezession in der Geschichte der zweiten Republik Rechnung trug. Es wurde und ist aus Sicht der Sozialpartner ein Krisenabschluss auf Zeit, mit Augenmaß und Blick auf das Ganze. Der Zweijahresabschluss galt und gilt neben der Metalltechnischen Industrie auch für alle weiteren Fachverbände der Metallindustrie.

WIFO-Ökonom Benjamin Bittschi bezeichnete den Abschluss als “starkes Zeichen der Sozialpartnerschaft”, das “tausende Jobs gerettet” habe. Tatsächlich zeigt sich, dass im August nach 40 Monaten wieder Beschäftigung in der heimischen Industrie aufgebaut wurde. Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl wurde dazu zitiert (Quelle: www.leadersnet.at): “Der Beschäftigungsaufbau im August markiert eine wichtige Trendwende.” WIFO-Experte Bittschi stellte diesen Beschäftigungsaufbau in Zusammenhang mit dem Krisenabschluss. (Quelle: Ö1-Morgenjournal vom 21.09.2026)

Und gleichzeitig konnten die Sozialpartner in den vergangenen Jahren einen Reallohnverlust für die Beschäftigten verhindern.

DIE BASIS FÜR DIE LOHN- UND GEHALTSERHÖHUNG 2026

Nach beinahe fünf schwierigen Jahren scheint sich die Industrie heuer am Ende der längsten Wirtschaftskrise der letzten 80 Jahre zu befinden. Als Basis für die heurigen Lohn- und Gehaltserhöhungen wurde die vorjährige Prognose für die Inflationsrate 2026 herangezogen. Diese lag bei 2,2 Prozent. Zu Beginn des Jahres 2026 erschien diese Inflationserwartung noch als richtig, aber mit den militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten stiegen der Energiepreis und mit ihm die Inflationsrate wieder dramatisch an.

DER ZWEIJAHRESABSCHLUSS IM DETAIL:

1. November 2025 (relevante rollierende 12-Monatsinflation 2,82 %)

* Die Ist-Löhne und -Gehälter stiegen um 1,41 %
* Im November 2025 und Juli 2026 erhielten die Beschäftigten entweder zweimal zwei Tage zusätzliche Freizeit oder zweimal 500 Euro in Form einer Einmalprämie zur Sicherung der Kaufkraft
* Die Grundstufen der kollektivvertraglichen Mindestentgelte stiegen um 2 %
* Der niedrigste Mindestlohn / das niedrigste Mindestgehalt stieg auf 2.568,80 Euro
* Die Lehrlingseinkommen stiegen um 2 %, zusätzlich erhielten Lehrlinge eine Kaufkraftsicherungsprämie von 250 Euro.
* Die kollektivvertraglichen Zulagen wurden um 2 % erhöht
* Die Nachtarbeitszulage sowie die Zulage für die dritte Schicht stiegen um 7,54 % auf 3,508 Euro pro Stunde

1. November 2026 (relevante rollierende 12-Monatsinflation 3,3 %)

* Die Ist-Löhne und -Gehälter steigen um 1,9 %
* Die Grundstufen der kollektivvertraglichen Mindestentgelte steigen um 2,1 %
* Der niedrigste Mindestlohn / das niedrigste Mindestgehalt steigt auf 2.622,74 Euro
* Die Lehrlingseinkommen steigen um 2,1 Prozent
* Die Zulagen und Aufwandsentschädigungen steigen um 2,1 %
* Die Zulage für Nachtarbeit sowie für die dritte Schicht steigen um 7,01 % auf 3,754 Euro pro Stunde

STATEMENTS DER SOZIALPARTNER

Reinhold Binder, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft PRO-GE:

“Mit dem Krisenabschluss auf Zeit für die gesamte Metallindustrie haben wir Verantwortung in einer historischen Ausnahmesituation übernommen. Wir befanden uns in der längsten Wirtschaftskrise seit 80 Jahren mit dem Verlust von zigtausenden Arbeitsplätzen. Deshalb war es unser Ziel, Nulllohnrunden zu verhindern, Planbarkeit und Sicherheit für Beschäftigte sowie Betriebe zu schaffen. Dieser KV-Abschluss war eine Brücke über schwierige Zeiten und hat mitgeholfen, Beschäftigung zu sichern. Für die Gewerkschaften bleibt aber klar: Wenn sich die wirtschaftliche Situation in der Metallindustrie wieder verbessert, erwarten die Beschäftigten zu Recht ihren Anteil am Erfolg. Die Stärkung der Kaufkraft bleibt daher das wichtigste Ziel von Kollektivvertragsverhandlungen.”

Mario Ferrari, Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft GPA:

“Der Krisenabschluss sorgt dafür, dass Inflation und Ist-Erhöhungen über die letzten sechs Jahre gleichziehen. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben damit ihren Beitrag für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der Metallindustrie geleistet. Die Arbeitgeber haben jetzt die Aufgabe, aus dem beginnenden Wirtschaftsaufschwung etwas zu machen, denn ein Krisenabschluss ist keine Dauerinstitution.”

Christian Knill, Obmann Fachverband Metalltechnische Industrie:

“Die Sozialpartner haben mit diesem Abschluss im Vorjahr ein starkes Zeichen für lösungsorientierte Zusammenarbeit gesetzt. Die erzielte Einigung über einen Zeitraum von zwei Jahren sowie die wettbewerbsorientierten Lohn- und Gehaltserhöhungen schaffen für die Beschäftigten und Unternehmen eine verlässliche Perspektive für den Produktionsstandort Österreich. Unsere Branche hat in den letzten Jahren einen signifikanten Verlust an Wettbewerbsfähigkeit erfahren. Dies hat zu einem Stellenabbau von über 10.000 Arbeitsplätzen in den vergangenen zwei Jahren geführt. Vor diesem Hintergrund war diese gemeinsame Lösung ein elementarer Beitrag zur Stabilisierung der Branche.”

Stefan Ehrlich-Adám, Stv. Obmann Fachverband Metalltechnische Industrie (FMTI) und KV-Verhandler FMTI:

“Das gemeinsame Ziel der KV-Verhandlungen war es, die negative Entwicklung unserer preislichen Wettbewerbsfähigkeit zu bremsen. Wir haben mit diesem Abschluss den Abstand zu den Mitbewerbern zumindest nicht weiter vergrößert und den Unternehmen etwas mehr Planungssicherheit ermöglicht. Eine moderne und verantwortungsbewusste Lohnpolitik muss daher neue Wege gehen. Im Mittelpunkt stehen dabei stets folgende Kernfragen: Wie steht es um die Unternehmen? Welche finanziellen Spielräume haben sie? Und wie kann ihre Wettbewerbsfähigkeit auf den internationalen Exportmärkten gemeinsam gesichert werden? Die Absicherung der Kaufkraft ist hingegen vor allem Aufgabe einer stabilitätsorientierten Finanz- und Wirtschaftspolitik und nicht der Unternehmen.”

ÜBER DIE GEWERKSCHAFTEN PRO-GE UND GPA

Die beiden Gewerkschaften PRO-GE und GPA verhandeln gemeinsam Kollektivverträge für Arbeiter:innen, Angestellte und Lehrlinge in verschiedenen Industriebranchen. Neben der Metallindustrie im Herbst mit insgesamt rund 190.000 Beschäftigten sind das unter anderem die chemische Industrie, die Elektro- und Elektronikindustrie, die Glasindustrie, die Papierindustrie und die Textilindustrie. Diese Kollektivverträge umfassen insgesamt rund 130.000 Beschäftigte und werden im Frühjahr verhandelt. Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA vertreten die Interessen von insgesamt rund 510.000 Mitglieder und unterstützen etwa 23.000 Betriebsrätinnen und Betriebsräte in ihrer Arbeit.

ÜBER DIE METALLTECHNISCHE INDUSTRIE

Die Metalltechnische Industrie (MTI) erwirtschaftet einen Produktionswert von 47 Milliarden Euro (2025), beschäftigt direkt rund 130.000 Menschen und sichert damit indirekt bis zu 290.000 Arbeitsplätze in Österreich. Die exportorientierte Branche ist mittelständisch strukturiert, besteht zu mehr als 85 % aus Familienunternehmen und ist für ein Fünftel aller österreichischen Exporte verantwortlich. Insgesamt sind im Fachverband Metalltechnische Industrie über 1.100 Unternehmen vertreten, die unter anderem in den Bereichen Maschinenbau, Metallwaren, Anlagenbau, Stahlbau und Gießerei tätig sind. Der Fachverband Metalltechnische Industrie ist einer der größten Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände Österreichs und eine eigenständige Organisation in der Wirtschaftskammer Österreich.

Gewerkschaft PRO-GE – Öffentlichkeitsarbeit
Mathias Beer
Mobil: +43664 6145 920
E-Mail: mathias.beer@proge.at
Web: www.proge.at

Gewerkschaft GPA – Öffentlichkeitsarbeit
Daniel Gürtler
Telefon: 05 0301-21 225 / Mobil: +43 676 817 111 225
E-Mail: daniel.guertler@gpa.at
Web: www.gpa.at

Fachverband Metalltechnische Industrie
Wiedner Hauptstraße 63, 1045 Wien
E-Mail: sepp.tschernutter@klar.net und presse@fmti.at
Mobil: +436641600544

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