IV: Quereinstieg in den Lehrerinnen- und Lehrerberuf dauerhaft im Schulsystem verankern und qualitätsvoll weiterentwickeln
Neue Evaluation liefert wichtige Grundlage – IV tritt für dauerhaften ergänzenden Zugang zum Lehrerinnen- und Lehrerberuf ein
Im Rahmen der IV-Veranstaltung „Quereinstieg in den Lehrerinnen- und Lehrerberuf: Neue Evidenzen, Erfahrungen und Perspektiven“ im Haus der Industrie wurden die Ergebnisse der aktuellen wissenschaftlichen Evaluation des Quereinstiegs in der Sekundarstufe eingeordnet und gemeinsam mit Bildungsminister Christoph Wiederkehr, Therese Niss, Vorsitzende des IV-Ausschusses für Bildungspolitik, Andreas Schnider, Vorsitzender des Qualitätssicherungsrates für Pädagoginnen- und Pädagogenbildung und der Zertifizierungskommission Quereinstieg, Sarah Forster-Heinzer von der Universität Freiburg sowie Schulleiter Michel Fleck diskutiert. Den wissenschaftlichen Input gaben Doreen Flick-Holtsch und Silja Rohr-Mentele von der Universität Zürich. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Schlussfolgerungen sich daraus für die qualitätsvolle und dauerhafte Weiterentwicklung des Quereinstiegs ziehen lassen.
Der Quereinstieg hat sich innerhalb weniger Jahre zu einem relevanten zusätzlichen Zugang zum Lehrerinnen- und Lehrerberuf entwickelt. Im Schuljahr 2025/26 entfielen laut aktueller Evaluation bereits rund 12 Prozent der Neuaufnahmen auf Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger. Zugleich zeigt die Evaluation, dass die Integration an den Schulstandorten überwiegend gut gelingt: Demnach zeigten sich über 90 Prozent der 500 Befragten aus dem Quereinsteiger-Jahrgang von 2023/24 zufrieden mit ihrer Arbeit und hatten die Absicht, weiter zu unterrichten. Rund vier von fünf Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern bewerten die Zusammenarbeit mit Mentorinnen und Mentoren sowie mit der Schulleitung positiv. Gleichzeitig werden klare Entwicklungsfelder sichtbar, etwa bei Klassenführung, dem Umgang mit schwierigen Situationen, Diagnostik und Bewertung sowie beim fachgerechten Einsatz. Für die Industriellenvereinigung (IV) ist daher klar: Der Quereinstieg in der Sekundarstufe I Allgemeinbildung sollte dauerhaft im Schulsystem verankert und auf Basis der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse gezielt weiterentwickelt werden.
„Unsere Schulen profitieren von qualifizierten Menschen, die zusätzlich zu fachlicher Expertise wertvolle Berufs- und Lebenserfahrung aus Wirtschaft und Gesellschaft mitbringen. Dieses Potenzial sollten wir dauerhaft für das Bildungssystem erschließen. Der Quereinstieg soll dabei keinen Ersatz für das reguläre Lehramtsstudium, sondern eine qualitätsgesicherte Ergänzung darstellen“, betont Therese Niss, Vorsitzende des IV-Ausschusses für Bildungspolitik. Die IV tritt bereits seit Jahren dafür ein, den Lehrerinnen- und Lehrerberuf stärker für Menschen mit unterschiedlichen beruflichen Biografien zu öffnen.
Christoph Wiederkehr, Bundesminister für Bildung, zur weiteren politischen Entwicklung des Quereinstiegs: „Die Evaluierung zum Quereinstieg zeigt klar: Menschen mit Berufserfahrung und unterschiedlichen Perspektiven sind in unseren Schulen angekommen – und mehr als 90 Prozent wollen auch langfristig im Lehrberuf bleiben. Das ist ein starkes Signal. Jetzt müssen wir den nächsten Schritt gehen und den Quereinstieg dauerhaft als Ergänzung und Bereicherung des Lehramts verankern. Dazu müssen wir Qualität und Begleitung weiter stärken. Denn gute Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger brauchen gute Vorbereitung, professionelles Mentoring und starke Unterstützung an der Schule.“
Die aktuelle Evaluation liefert eine wichtige Grundlage für die weitere Ausgestaltung und Qualitätssicherung des Quereinstiegs. Entscheidend sind eine anspruchsvolle Auswahl, eine gute berufsbegleitende Professionalisierung, professionelles Onboarding, fachnahes Mentoring und starke Schulleitungen. Zu den Ergebnissen der Evaluation hält Sarah Forster-Heinzer, Assistenzprofessorin am Department für Lehrpersonenbildung der Universität Freiburg und Mitglied der wissenschaftlichen Projektleitung, fest: „Den Start in den Quereinstieg erleben die Quereinsteigenden sowohl mit Blick auf den Lernort Schule als auch den Lernort Hochschule positiv. Gleichzeitig ist die Professionalisierung kein Selbstläufer. Sie braucht Zeit und das fortwährende Engagement aller Beteiligten.“
Aus Sicht der IV brauche es nun auch die entsprechenden Rahmenbedingungen. So sollten Schulleitungen künftig autonom darüber entscheiden können, welche qualifizierten Bewerberinnen und Bewerber am besten zum jeweiligen Standort passen. Gleichzeitig müsse berufliche Erfahrung beim Wechsel in die Schule angemessen berücksichtigt werden.
Zur weiteren qualitätsvollen Entwicklung des Modells betont Andreas Schnider, Vorsitzender des Qualitätssicherungsrates für Pädagoginnen- und Pädagogenbildung und der Zertifizierungskommission Quereinstieg: „Der Quereinstieg in den Lehrer*inberuf möchte die Schullandschaft bereichern und mit wichtigen Kompetenzen ergänzen.“
Auch für die Schulen selbst ist entscheidend, dass vorhandene Berufs- und Lebenserfahrung gezielt genutzt werden kann. Dafür braucht es starke Schulleitungen mit echter Verantwortung bei der Personalauswahl und Personalentwicklung. Michel Fleck, Schulleiter der WMS/RG/ORG Anton-Krieger-Gasse, unterstreicht aus Sicht der Schulpraxis: „Quereinsteiger*innen können Schulen großen Mehrwert bringen, da sie Außenblick und neue Sichtweisen einbringen – besonders durch ihre Erfahrungen aus dem früheren Beruf. Sie sind nicht besser oder schlechter als herkömmliche Lehrpersonen, bringen aber Vielfalt und vielleicht frischen Wind.“
Fotos der Veranstaltung finden Sie HIER.
Industriellenvereinigung
Marlena Mayer, BA
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