Kostendruck in der Abfallwirtschaft: Branche warnt vor schwierigem Herbst

Knappe Verbrennungskapazitäten, stark gestiegene Treibstoff- und Energiekosten sowie explodierende Versicherungsprämien belasten die österreichische Abfallwirtschaft.

Seit Monaten schon sind Anlagen für die Restmüllverbrennung ausgelastet und die schwache Konjunktur führt dazu, dass die industrielle Mitverbrennung derzeit besonders gering ausfällt. Abfälle müssen daher aufwendig zwischengelagert werden. Zusätzlich haben sich Treibstoff und Energie stark verteuert, und die Versicherungsprämien für die Betriebe steigen aufgrund der erhöhten Brandgefahr durch falsch entsorgte Lithium-Batterien seit Jahren. Um die systemrelevante Branche zu entlasten, fordert der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB), dass es bei knappen Verbrennungskapazitäten rasche Lösungen bei minimalem Verwaltungsaufwand für die Zwischenlagerung von Abfall gibt, zielgerichtete Förderungen für die Umstellung der Fuhrparks auf E-Mobilität und ein Ende der existenzgefährdenden Brandspirale durch falsch entsorgte Lithium-Batterien.

GABRIELE JÜLY, PRÄSIDENTIN DES VOEB: „Die Abfall- und Ressourcenwirtschaft macht die österreichische Industrie robuster gegenüber geopolitischen und wirtschaftlichen Krisen. Ohne sie gibt es weder eine funktionierende Abfallentsorgung noch Rohstoffkreisläufe. Derzeit steht unsere systemrelevante Branche wegen anhaltender Verbrennungsengpässe und explodierender Kosten jedoch mit dem Rücken zur Wand.“

ENGPÄSSE BEI DER VERWERTUNG: LAGERUNG KOSTET GELD UND BIRGT BRANDGEFAHR

Die Kapazitäten der Müllverbrennungsanlagen sind derzeit ausgeschöpft. Österreichische Siedlungsabfälle stehen Schlange, um energetisch verwertet zu werden und müssen über längere Zeit zwischengelagert werden. Das verursacht erhebliche Kosten und erhöht das Risiko von Bränden, insbesondere durch falsch entsorgte Lithium-Batterien. Schon das Hochwasser 2024 hatte gezeigt, wie rasch sich Rückstaus aufbauen: Allein in Dürnrohr stauten sich binnen zwei Monaten rund 80.000 Tonnen Restmüll. (1) Insgesamt verfügt Österreich über 12 Abfallverbrennungsanlagen, ein Ausbau der Kapazitäten ist jedoch meistens mit jahrelangen Genehmigungsverfahren verbunden. (2) So ist derzeit zum Beispiel in Graz ein Energiewerk geplant, stößt aber auf anhaltenden Widerstand der Bevölkerung. (3) Eine neue Wiener Anlage soll frühestens 2034 in Betrieb genommen werden. (4) Um die Situation zu entschärfen, fordert der VOEB raschere Genehmigungsverfahren für Abfallbehandlungsanlagen. Kurzfristig gelte es, einen Fokus auf die Verbrennung österreichischer Abfallmengen zur Stärkung der Entsorgungssicherheit zu legen. Jüly: „Unsere Betriebe brauchen zudem dringend mehr Zwischenlager, die bundesweit schnell und unbürokratisch genehmigt werden. Solange die Verbrennungskapazitäten so knapp sind, sehen wir hier keinen anderen Ausweg.“

BATTERIEBRÄNDE TREIBEN VERSICHERUNGSPRÄMIEN IN DIE HÖHE

Falsch entsorgte Lithium-Batterien lösen in Betrieben der Abfall- und Ressourcenwirtschaft immer wieder gefährliche Brände aus. Versicherer stufen die Recyclingbranche deshalb als Hochrisikosektor ein, mit einem Schadensfaktor, der fast doppelt so hoch liegt wie in anderen brandgefährdeten Branchen. (5) Die Versicherer verlangen zusätzliche Brandschutzmaßnahmen, erhöhen die Prämien und Selbstbehalte oder verweigern den Schutz ganz. Diese Mehrkosten müssen die Betriebe an ihre Kund:innen weitergeben. Jüly: „Wir müssen die Brandspirale stoppen. Die Brände steigen kontinuierlich und damit auch die Versicherungsprämien. Zahlreiche Vorschläge liegen auf dem Tisch, wie das Problem lösbar wäre: Mehr Maßnahmen gegen Fehlwürfe, ein Cashback-System für Lithium-Batterien, ein Fonds für Brandschäden oder eine Lösung auf EU-Ebene. Der Gesetzgeber muss endlich handeln, sonst steigen die Kosten für Entsorgung und Recycling weiterhin rasant und werden zum Inflationstreiber.“ Die Branche wünscht sich endlich einen verlässlichen Rechtsrahmen, der Verantwortung, Risiken und Kosten fair entlang der gesamten Wertschöpfungskette verteilt. „Wer Produkte mit Brandrisiken in Verkehr bringt, soll auch Verantwortung für die Folgekosten übernehmen, die durch deren unsachgemäße Entsorgung entstehen“, so Jüly weiter.

TREIBSTOFF UND ENERGIE: TEUERUNG TRIFFT FUHRPARK UND ANLAGEN

Die Preissteigerungen bei Treibstoff und Energie halten an und setzen auch die energieintensive Branche unter Druck. Die Betriebe müssen die erhöhten Kosten auch teilweise weitergeben. Der Verband plädiert für eine gezielte Förderung der E-Mobilität sowie Unterstützung bei der Umstellung des Fuhrparks in allen Betrieben der Abfallwirtschaft. Offen bleibt die Strompreisfrage: Beim geplanten Industriestrompreis fällt die Abfallwirtschaft in Österreich durch das Raster der Kriterien, obwohl die Branche als systemrelevant gilt. In Deutschland verlangt der Branchenverband BDE bereits die Einbeziehung der Recyclingwirtschaft. (6)

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(1) VOEB, 25.11.2025: https://www.voeb.at/pressemeldungen/abfallrueckstau-nach-hochwasser-noch-monate-spuerbar

(2) Umweltbundesamt: https://www.umweltbundesamt.at/industrie/abfallbehandlung

(3) MeinBezirk Graz, 13.05.2026: https://www.meinbezirk.at/graz/c-lokales/250-millionen-euro-kosten-warum-das-energiewerk-in-der-kritik-steht_a8635332

(4) ORF Wien, 10.09.2026: https://wien.orf.at/stories/3370486/

(5) Politico Europe, 29.09.2024: https://www.politico.eu/article/electric-toothbrush-light-up-sneakers-france-household-waste-fires-studies-product

(6) BDE, 04.03.2026: https://www.bde.de/presse/bde-fordert-einbeziehung-des-recyclings-industriestrompreis/

Rückfragehinweis
Veronika Wüster
Geschäftsführerin Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB)
Telefon: +43 1 713 02 53
E-Mail: wuester@voeb.at
Website: https://www.voeb.at

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