Österreichs Industrie: Geschäftslage besser, Standort unter Druck

Laut dem „Made in Austria IndustriePANEL 2026” erwarten drei Viertel der Befragten eine Deindustrialisierung Österreichs. Gleichzeitig nehmen Automatisierung und KI-Einsatz zu.

_Wien, 22. Oktober 2026_ – Die produzierende Wirtschaft Österreichs beurteilt ihre internationale Geschäftslage wieder etwas positiver, die Wettbewerbsfähigkeit ihrer heimischen Produktionsstandorte hingegen so kritisch wie nie zuvor. Das geht aus der achten Ausgabe der TU Wien Studie „Made in Austria IndustriePANEL (MiA): Zukunft Produktionsarbeit Österreich“ hervor, die der Studienautor und FHWien-Forschungsleiter Walter Mayrhofer im Rahmen des „MiA-IndustrieFORUM 2026“ am 19. Oktober im TUtheSky präsentierte. An der Befragung, die von der TU Wien in Kooperation mit Fraunhofer Austria, FHWien der WKW, EIT Manufacturing East und dem Fachverband der Metalltechnischen Industrie (FMTI) durchgeführt wird, nahmen 106 Führungskräfte aus 101 produzierenden Unternehmen teil.

GESCHÄFTSLAGE VERBESSERT, WETTBEWERBSFÄHIGKEIT AUF TIEFSTAND

Insgesamt bewerten 55,7 % der Befragten die Geschäftslage ihres Unternehmens auf dem Weltmarkt als positiv oder sehr positiv. Das sind 5,2 Prozentpunkte mehr als 2025. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit ihrer österreichischen Standorte beurteilen hingegen nur 30,7 % der Befragten positiv. Das ist ein neuer Tiefstand. Zudem erwarten 76,3 % der Befragten innerhalb der nächsten zehn Jahre eine Deindustrialisierung Österreichs. _„Die Unternehmen zeigen trotz schwieriger Rahmenbedingungen Widerstandskraft. Doch hohe Kosten, geopolitische Unsicherheiten und internationaler Wettbewerbsdruck belasten den Standort. Um industrielle Wertschöpfung in Österreich zu sichern, müssen wir Forschung, Innovation und industrielle Produktion wirksamer verbinden”_, fasst Studienautor Sebastian Schlund, Leiter des Forschungsbereichs Industrial Engineering am IMW der TU Wien und Geschäftsführer von Fraunhofer Austria, die Ergebnisse zusammen.

ARBEITSPLÄTZE IN ÖSTERREICH UNTER DRUCK – KREISLAUFWIRTSCHAFT WEITGEHEND STABIL

In den nächsten fünf Jahren rechnen 63,8 % der Unternehmen mit weltweit steigenden Beschäftigtenzahlen. Für die heimische Produktion und produktionsnahe Bereiche erwarten hingegen 60,5 % einen Rückgang. Gleichzeitig bewerten sich 88,3 % der befragten Unternehmen als innovativ. _„Österreichs Betriebe verfügen über hohe Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit. Damit daraus auch künftig hochwertige Arbeitsplätze entstehen, braucht es eine stärkere europäische Zusammenarbeit, die Schlüsseltechnologien gezielt fördert und den Standort Österreich fest in grenzüberschreitende Wertschöpfungsketten einbindet.”_, betont Hannes Hunschofsky, Managing Director der EIT Manufacturing East GmbH. Initiativen von Unternehmen im Bereich Kreislaufwirtschaft waren ein weiteres Thema der Befragung. Wie die Ergebnisse zeigen, bleiben Umsatzanteile aus Maßnahmen der Kreislaufwirtschaft weitgehend stabil. Ein Viertel der Befragten berichtet jedoch von leicht positiven Auswirkungen auf die Schaffung von Arbeitsplätzen.

NEUE PRODUKTE AUF REKORDNIVEAU – PRODUKTION AM STANDORT VERLIERT AN GEWICHT

Der Anteil neuer Produkte und Services am Umsatz erreicht mit 28,4 % einen neuen Höchstwert. Zudem setzen die Betriebe verstärkt auf Automatisierung, um steigende Lohnstückkosten und den Fachkräftemangel abzufedern. Gleichzeitig ist in Österreich der Anteil der Beschäftigten in Produktion und produktionsnahen Bereichen auf nur noch 45,7 % gesunken – ein möglicher Hinweis auf Produktionsverlagerung. 85 % sehen die Wettbewerbsfähigkeit ihrer heimischen Standorte in den letzten fünf Jahren verschlechtert. _„Die Betriebe investieren in Innovation, Automatisierung und KI – das zeigt die Studie deutlich. Damit diese Investitionen und die damit verbundenen Arbeitsplätze in Österreich bleiben, braucht es wettbewerbsfähige Kosten, weniger Bürokratie und eine rasche, KMU-taugliche Umsetzung der Industriestrategie“_, sagt Sabine Hesse, Geschäftsführerin des Fachverbands Metalltechnische Industrie.

ROBOTERDICHTE UND KI-EINSATZ NEHMEN ZU – MENSCHLICHE ARBEIT BLEIBT WICHTIG

In den befragten Betrieben kommen an österreichischen Standorten durchschnittlich 517 Industrieroboter auf 10.000 Beschäftigte – mehr als doppelt so viele wie 2020. Erstmals nutzt mit 59,1 % eine Mehrheit KI-Tools oder maschinelles Lernen in der Produktion oder in produktionsnahen Bereichen. Das sind 10,2 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Dennoch messen 96,8 % der Befragten menschlicher Arbeit eine große oder sehr große Bedeutung bei. _„Automatisierung und KI sind wichtige Hebel, um Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Ihr Potenzial entfalten sie aber erst, wenn Unternehmen zugleich in die Qualifizierung ihrer Beschäftigten und in sichere Technologien investieren“_, erklärt Walter Mayrhofer von der FHWien der WKW.

ÜBER „MADE IN AUSTRIA: ZUKUNFT PRODUKTIONSARBEIT ÖSTERREICH“

Das „Made in Austria IndustriePANEL” ist eine jährlich erscheinende Studie des Instituts für Managementwissenschaften (IMW) der TU Wien in Kooperation mit dem Institute for Digital Transformation and Strategy (IDS) der FHWien der WKW, Fraunhofer Austria, EIT Manufacturing East und dem Fachverband der Metalltechnischen Industrie (FMTI). Ziel der Studie ist eine regelmäßige und methodisch fundierte Darstellung des Status quo sowie der Zukunftserwartungen der heimischen Industrie. Dabei spielen die Themen Automatisierung, Digitalisierung, Assistenzsysteme und Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle.

DIE AKTUELLE STUDIE STEHT AUF DEM SERVER DER TU WIEN ZUM DOWNLOAD BEREIT.

BILDMATERIAL:
“Präsentation der Studienergebnisse”

Bernhard Witzeling
Head of Corporate Communication, Marketing and Alumni & Career
Services, Press Officer
Tel.: +43 (1) 476 77-5733
presse@fh-wien.ac.at
www.fh-wien.ac.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender

Kommentare sind geschlossen, aber trackbacks und Pingbacks sind offen.