Francesca Ferlaino ist Wissenschafterin des Jahres 2025
Der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist:innen verlieh die Auszeichnung zum 32. Mal. Klub plädiert für Förderung von Wissenschaftsjournalismus bei Medienförderung neu.
Der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist:innen hat die Quantenforscherin Francesca Ferlaino als „Wissenschafterin des Jahres 2025“ ausgezeichnet. Francesca Ferlaino forscht seit zwei Jahrzehnten an der Universität Innsbruck sowie am Institut für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).
„Grundlagenforschung ist der Motor unserer Zukunft: Wissen ist ein gemeinsames Gut, das generationenübergreifend kollektiv entsteht, und sein wahrer Wert liegt nicht nur in seiner heutigen Anwendbarkeit, sondern in den Möglichkeiten, die es morgen eröffnen kann“, betonte Ferlaino bei der Preisverleihung. Wissenschaft bedeutet in ihren Augen nicht nur Entdeckung, sondern auch Verantwortung: „Unsere Aufgabe als Wissenschafterinnen und Wissenschafter ist es, Wissen mit wissenschaftlicher Strenge und Neugier zu verfolgen und es ehrlich zu vermitteln – ohne Vereinfachung oder Überhöhung“, sagte Francesca Ferlaino anlässlich der Preisverleihung im Presseclub Concordia in Wien am 7. Jänner.
VON ITALIEN NACH ÖSTERREICH
Die gebürtige Neapolitanerin studierte in ihrer Heimatstadt und in Triest Physik. Als Doktorandin und als Post-Doc war sie an der Universität Florenz und am European Laboratory for Non-linear Spectroscopy (LENS) in Florenz tätig. 2006 kam sie als Gastwissenschafterin an die Universität Innsbruck und erhielt im Jahr darauf ein Lise-Meitner Stipendium des Wissenschaftsfonds FWF. 2009 wurde sie mit dem begehrten START-Preis des FWF ausgezeichnet und konnte einen Starting Grant des European Research Council (ERC) einwerben. Seit 2014 ist sie wissenschaftliche Direktorin am Innsbrucker Institut für Quantenoptik und Quanteninformation der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und Professorin an der Universität Innsbruck. Seither erhielt sie zwei weitere Grants des ERC und zahlreiche weitere Auszeichnungen. Sie leitet eine Reihe von FWF-geförderten Projekten und ist im Board of Directors des Exzellenzclusters „Quantum Science Austria“ vertreten. Seit 2021 ist Ferlaino auch Mitglied der ÖAW. Darüber hinaus engagiert sie sich in dem von ihr gegründeten Netzwerk atom*innen für Frauen in der Physik.
Ihr aktueller Schwerpunkt liegt bei der Erforschung von Quantengasen bei ultrakalten Temperaturen, wenige Nanokelvin über dem absoluten Nullpunkt. Ihr gelang als eine der ersten im Labor die Beobachtung eines supersoliden Zustands – eines neuartigen Quantenzustands, der zugleich fest geordnet ist und ohne Reibung fließt.
STELLENWERT DER WISSENSCHAFT HEBEN
Der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist:innen verleiht die Auszeichnung „Wissenschafterin bzw. Wissenschafter des Jahres“ seit 1994. Die Ehrung geht zum heuer 32. Mal an Forschende, die sich neben exzellenter Forschung auch um die anschauliche Vermittlung von wissenschaftlich fundierten Fakten verdient machen. Alljährlich nominieren die Mitglieder des Klubs Kandidatinnen und Kandidaten für die Auszeichnung. Aus dieser hochkarätigen Vorschlagsliste wählen sie dann im zweiten Schritt den oder die Preisträger:in.
„Die Vermittlung von wissenschaftlichen Erkenntnissen an ein breites Publikum erleichtert es Bürgerinnen und Bürgern, Fakten von Meinung zu trennen und informierte Entscheidungen zu treffen“, betonen Eva Stanzl, Vorsitzende des Klubs der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist:innen, sowie ihr Stellvertreter und Wahlleiter, Martin Kugler. In dieser Hinsicht verstehen sich Forscher:innen und Wissenschaftsjournalist:innen als „Komplizen“ bei der Vermittlung der großen Bedeutung von Wissenschaft und Forschung für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung – wie zuletzt auch die aktuellen Wirtschafts-Nobelpreisträger Joel Mokyr, Philippe Aghion und Peter Howit herausgearbeitet haben.
WISSENSCHAFTSJOURNALISMUS WEITER STÄRKEN
Der Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten:innen appelliert daher an die Bundesregierung, bei der geplanten Neuregelung der Medienförderung den unabhängigen Wissenschaftsjournalismus in den Redaktionen von Medienhäusern, der ja – dank des unermüdlichen Engagements des Klubs – schon jetzt zu den Universalkriterien für Medienförderung zählt, weiter zu stärken.
„Wenn nun, wie angekündigt, bestehende Förderungen bis ins Detail analysiert werden sollen, damit die Medienvielfalt in Österreich unter Berücksichtigung von Qualität erhalten werde, so ist es für die Qualität von Medien auf jeden Fall förderlich, einen starken Wissenschaftsjournalismus im Sinne einer sorgfältigen Berichterstattung über Fakten zu fördern und auszubauen“, sagt Klubvorsitzende Eva Stanzl.
In den vergangenen fünf Jahren ging die Auszeichnung als „Wissenschafter:in des Jahres“ an die Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl, den Komplexitätsforscher Peter Klimek, den Ökologen Franz Essl, die Gletscherforscherin Andrea Fischer und im Vorjahr an die Klima-Ökonomin Sigrid Stagl.
Der Klub gratuliert Francesca Ferlaino zur wohlverdienten Auszeichnung!
Für den Vorstand
Eva Stanzl und Martin Kugler
Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist:innen
Telefon: (+43) 1 533 85 73
E-Mail: office@wissenschaftsjournalisten.at
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