ÖGB-Katzian begrüßt Industriestrategie: Gute Arbeit, faire Regeln und soziale Leitplanken stärken

Just-Transition-Roadmap wäre wichtig – „Europe First“ braucht klare Vergaberegeln

„Die vorgelegte Industriestrategie ist ein wichtiger Schritt, um den Standort Österreich zukunftsfit zu machen“, betont ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian. Entscheidend sei jedoch, dass die Beschäftigten konsequent ins Zentrum gestellt werden. „Industriepolitik kann nur erfolgreich sein, wenn sie gute Arbeit sichert und Perspektiven für Arbeitnehmer:innen schafft“, betont Katzian.

Besonders positiv bewertet der ÖGB deswegen die geplante Qualifizierungsoffensive für Beschäftigte ohne formale Fachausbildung. „Das ist eine zentrale gewerkschaftliche Forderung und ein wirksames Instrument gegen den Fachkräftemangel. Qualifizierung stärkt Beschäftigte und damit den Wirtschaftsstandort insgesamt“, so Katzian.

Auch die angekündigten energiepolitischen Maßnahmen gehen in die richtige Richtung. „Leistbare Energiepreise sind essenziell für Unternehmen. Hohe Energiepreise treiben die Inflation und belasten Beschäftigte wie Wirtschaft gleichermaßen“, sagt Katzian.

Fairer Wettbewerb statt Billigstbieterlogik

Angesichts globaler Verwerfungen braucht es einen klaren Fokus auf Österreich und Europa. Das in der Strategie verankerte Prinzip „Europe First“ müsse jedoch verbindlich abgesichert werden. „Förderungen und Vergaben müssen an verpflichtende Wertschöpfungsanteile geknüpft sein. Das reine Billigstbieterprinzip gehört abgeschafft“, fordert Katzian. Eine Begründungspflicht bei Vergaben an Unternehmen aus Drittstaaten sei unerlässlich, um unfairen Wettbewerb aus Niedriglohnländern einzudämmen.

Transformation sozial absichern

Die Transformation hin zur Klimaneutralität wird Wirtschaft und Arbeitswelt grundlegend verändern. „Dass dieses Thema in der Industriestrategie aufgegriffen wird, ist richtig. Was aber fehlt, ist eine umfassende Just-Transition-Strategie mit klarer Roadmap sowie beschäftigungs- und sozialpolitischen Begleitmaßnahmen“, merkt Katzian an. Klar sei: „Die Kosten des Wandels dürfen nicht auf die Beschäftigten abgewälzt werden. Industriepolitik ist kein Selbstbedienungsladen – sie braucht soziale Leitplanken, faire Vergaberegeln und eine verbindliche Just-Transition.“

Öffentliche Mittel strategisch einsetzen

Der Erhalt und Ausbau der industriellen Basis sowie Investitionen in Zukunftstechnologien sind zentral für Arbeitsplätze, Versorgungssicherheit und nachhaltige Wertschöpfung. „Öffentliche Mittel müssen gezielt und verantwortungsvoll eingesetzt werden – für Beschäftigung, Standort und Transformation“, so Katzian abschließend. „Die Gewerkschaften werden sich aktiv in die Ausgestaltung der Industriestrategie einbringen und darauf pochen, dass diese Ziele auch umgesetzt werden.“

ÖGB Kommunikation
Litsa Kalaitzis
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