Kein Mist: Wien Energie nutzt Wärme in der Spittelau jetzt dreifach
Nächster Schritt raus aus Gas: Neue Großwärmepumpe versorgt 16.000 Haushalte mit umweltfreundlicher Wärme
120 Tonnen ist sie schwer, die neue Großwärmepumpe in der Müllverbrennungsanlage Spittelau. Das entspricht dem Gewicht von 27 ausgewachsenen Elefanten – und sie hat auch entsprechend viel Kraft: Die Großwärmepumpe versorgt 16.000 durchschnittliche Wiener Haushalte mit Heizung und Warmwasser. Die nun in Betrieb genommene Anlage ist nach den Standorten Kraftwerk Simmering und ebswien Kläranlage die dritte Großwärmepumpe von Wien Energie. Sie nutzt die Abwärme der Rauchgasreinigung und sorgt so dafür, dass jede Energie, die in unserem Hausmüll steckt, nahezu verlustfrei wieder zu Energie wird. Damit gehört die Spittelau zu den effizientesten Müllverbrennungsanlagen Europas und ist einmal mehr Vorreiterin. Wien Energie investiert rund 40 Millionen Euro in dieses Leuchtturmprojekt.
_„Die Spittelau ist mit ihrer bunten Hundertwasser-Fassade nicht nur schön anzusehen, sondern auch ein echtes Technik-Wunder. Seit heute ist sie um eine weitere Facette reicher: Die Hitze der Müllverbrennung wird jetzt dreifach genutzt“_, sagt Stadträtin Ulli Sima, zuständig für Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke. _„Bereits bisher wurden hier in zwei Schritten Strom und Fernwärme für die Wienerinnen und Wiener erzeugt. Die neue Großwärmepumpe nutzt ab sofort zusätzlich die Abwärme der Rauchgasreinigung und holt so noch mehr Energie heraus.“_
Die Müllverbrennungsanlage Spittelau in Wien Alsergrund hat bisher jährlich Strom für 30.000 und Fernwärme für 60.000 durchschnittliche Wiener Haushalte erzeugt. Durch die Inbetriebnahme der neuen Großwärmepumpe steigt die gesamte Wärmeerzeugung, wodurch die Spittelau nun insgesamt 76.000 Haushalte heizen kann.
_„Bei der Fernwärme produzieren wir in Wien Wärme für Wien,“_ sagt Karl Gruber, Geschäftsführer von Wien Energie. _„Sie ermöglicht es, Energie zu nutzen, die ansonsten verloren gegangen wäre, wie eben aus Abwärme, die im Stadtgebiet anfällt. Mit der neuen Großwärmepumpe steigern wir die Effizienz am Standort auf 95 Prozent. Damit ist die Spittelau die effizienteste Müllverbrennungsanlage in Mitteleuropa.“_
ABWÄRME AUS DER RAUCHGASREINIGUNG
Bei der Müllverbrennung entstehen heiße Rauchgase, die in Rohrleitungen aus Wasser Dampf erzeugen. Dieser Dampf wird über eine Turbine geleitet und mit einem Generator Strom erzeugt. Danach wird die Hitze über einen Wärmetauscher in die Fernwärme eingespeist. Die Rauchgase werden anschließend in einem mehrstufigen Prozess gereinigt. Das bei der Nasswäsche eingesetzte Wasser nimmt Wärmeenergie aus den Rauchgasen auf und wird dadurch erhitzt. Mit der neuen Anlage kann Wien Energie diese Wärmeenergie als Ausgangspunkt für eine mit Ökostrom betriebene Wärmepumpe nutzen. Die Hitze aus der Müllverbrennung wird ab jetzt also dreifach genutzt, wodurch die Effizienz der gesamten Anlage um 13 Prozent gesteigert wird. Ähnliche Anlagen zur Abwärme-Gewinnung aus Rauchgasen gibt es sonst nur in Basel, Kopenhagen und Hamburg.
_„Wien zeigt, wie die Energiewende in einer Großstadt funktioniert: mit höchster Energieeffizienz, erneuerbarer Wärme und klarer Abkehr von fossilem Erdgas“_, sagt Stefan Gara, Energiesprecher NEOS Wien. _„So schaffen wir Unabhängigkeit, Versorgungssicherheit und leistbare Energie für die Wienerinnen und Wiener. Großwärmepumpen sind dabei die Schlüsseltechnologie, um die Fernwärme nachhaltig zu defossilisieren.“_
FERNWÄRME WIRD SCHRITTWEISE UNABHÄNGIG UND NACHHALTIG
Die Fernwärme spielt eine wichtige Rolle bei der Dekarbonisierung der Stadt. Bis 2040 soll ihr Anteil am gesamten Wärmebedarf von gut 40 auf 56 Prozent steigen. Um mehr Kund*innen versorgen zu können und gleichzeitig Schritt für Schritt von fossilen Energieträgern unabhängig zu werden, muss die Erneuerbaren-Wärmeproduktion massiv ausgebaut werden. Dafür hat Wien Energie bereits in den letzten Jahren wichtige Schritte gesetzt. Für eine erneuerbare Wärmeversorgung werden früher ungenutzte Abwärmequellen in der Stadt verwendet – die Backofen-Wärme der Manner-Fabrik, die Restwärme des Badewassers der Therme Wien und die Abwärme des Rechenzentrums von Digital Realty in Floridsdorf heizen zum Beispiel den Wiener*innen schon heute ein.
_„Wien soll bis 2040 klimaneutral sein. Dafür drehen wir an den großen Schrauben“_, sagt Joe Taucher, Vorsitzender des Unterausschusses Wiener Stadtwerke und SPÖ-Energiesprecher. _„Der Ausstieg aus Öl und Gas sowie der Ausbau Erneuerbarer Energien sind wichtige Hebel, um sowohl unsere Klimaziele zu erreichen als auch eine unabhängige, leistbare Energieversorgung für die Wiener*innen sicherzustellen. Wien ist First Mover – bei der Dekarbonisierung, der Nutzung von Schlüsseltechnologien und in Sachen Lebensqualität.“_
Das größte Zukunftspotential liegt in der Nutzung der Tiefengeothermie, also der Wärme aus dem Erdinneren unter Wien. Dafür errichtet Wien Energie aktuell gemeinsam mit der OMV die erste Anlage in der Seestadt Aspern. Sie soll ab 2028 20.000 Haushalte mit Wärme aus der Tiefe versorgen. Bis 2040 wollen Wien Energie und OMV bis zu sieben Tiefengeothermie-Anlagen umsetzen, die dann umgerechnet 200.000 Wiener Haushalte versorgen können. Auch Großwärmepumpen bieten großes Potential: Die neue Großwärmepumpe bei der Spittelau ist die drittgrößte im Portfolio von Wien Energie. Bereits seit 2019 deckt eine beim Kraftwerk Simmering den Bedarf von 25.000 Haushalten. Seit Dezember 2023 versorgt eine weitere bei der Kläranlage ebswien weitere 56.000 Zuhause. Zusammengerechnet können die drei Großwärmepumpen so viel Wärme produzieren, wie es dem Bedarf von 97.000 durchschnittlichen Wiener Haushalten (8.000 kWh/Jahr) entspricht.
KÜNFTIGER ERZEUGUNGSMIX BIS 2040
Die Wärmeerzeugung 2040 für Wien soll im Wesentlichen aus den vier großen Bausteinen Müllverbrennung, (Groß-)Wärmepumpen, Tiefengeothermie und aus einem grünen Kraftwerk bestehen. Wobei mit 31% die Großwärmepumpen und die Abwärme den größten Teil beitragen, 26% kommen aus der Tiefengeothermie, 22% von erneuerbaren Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und Heizkesseln und ein gutes Fünftel mit 21% kommt aus der Müllverbrennung. Schon bis 2030 will Wien Energie rund 57 Prozent der Fernwärme aus erneuerbarer Wärme und Abwärme erzeugen. Dafür plant das Unternehmen allein bis 2030 660 Millionen Euro in die erneuerbare Wärmeerzeugung und Kreislaufwirtschaft zu investieren.
ECKDATEN
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Leistung: 16 Megawatt thermisch (2 Wärmepumpen mit je 8 MW)
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Wärmebedarf von 16.000 Haushalten
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Einsparung von 22.000 Tonnen CO2/Jahr
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Investition: 40 Mio. Euro
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Jährlich werden in der Müllverbrennungsanlage Spittelau 250.000 Tonnen Restmüll verbrannt
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Mit der neuen Anlage steigert Wien Energie die Effizienz des Standorts Spittelau um 13% auf mehr als 95%
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Wien Energie beliefert 479.000 Haushalte und mehr als 8.000 Betriebe mit Fernwärme
Das Projekt wird aus Mitteln des Klima- und Energiefonds gefördert und im Rahmen der FTI-Initiative „Vorzeigeregion Energie“ durchgeführt, zudem war das Projekt Teil des Leitprojekts „Thermaflex“ des Green Energy Labs.
_BILDMATERIAL: __HTTPS://WIENENERGIE.AT/MEDIA-20_
Mag. Martin Meyrath
Pressesprecher Wien Energie
Telefon: 0664 884 813 03
E-Mail: martin.meyrath@wienenergie.at
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