Menschen mit Behinderungen sind überdurchschnittlich oft armutsgefährdet: KOBV Österreich sieht großen Handlungsbedarf
Eine Studie der Statistik Austria hebt die Wichtigkeit finanzieller Mittel im Bereich des Arbeitsmarktes für Menschen mit Behinderungen hervor
Laut einer Datenerhebung der Statistik Austria lebten 2024 rund 1,9 Millionen Menschen mit Behinderungen in Österreich, das entspricht 24,7 Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 89 Jahren. Mehr als ein Fünftel von ihnen (21,5 Prozent) ist dem neuen Bericht der Statistik Austria zufolge armuts- und ausgrenzungsgefährdet. Zum Vergleich: Die Gesamtbevölkerung betreffend sind es 16,2 Prozent.
Die Studie zeigt auf, wie wichtig eine qualifizierte Ausbildung im Erwerbsleben ist. Demnach waren 2024 zwar 54,1 Prozent der Menschen mit Behinderungen berufstätig, ihr Einkommen war im Durchschnitt aber deutlich geringer als jenes von Menschen ohne Behinderungen. Dies ist unter anderem auf die Bildung zurückzuführen: 29,7 Prozent der Menschen mit Behinderungen hatten zum Zeitpunkt der Datenerhebung höchstens einen Pflichtschulabschluss (vs. 17 Prozent der Menschen ohne Behinderungen), nur 9,7 Prozent einen Hochschulabschluss (vs. 21,4 Prozent). Der KOBV Österreich – Der Behindertenverband weist darauf hin, dass es insbesondere im Bereich der schulischen Inklusion in Österreich dringenden Aufholbedarf gibt. Das Ziel, Kindern und Jugendlichen das Recht auf inklusive Bildung tatsächlich und auf allen Ebenen des österreichischen Schulsystems zukommen zu lassen, hat oberste Priorität. Zudem hält es der KOBV Österreich – Der Behindertenverband für essenziell, dass das Recht auf eine Ausbildung für Menschen mit Behinderungen mindestens bis zum 25. Lebensjahr besteht und durch geeignete Maßnahmen unterstützt wird, um den Weg in und das Arbeitsleben selbst zu erleichtern.
HERAUSFORDERUNGEN AM ARBEITSMARKT ENTGEGENWIRKEN
Weiters wird in dem Bericht der Statistik Austria deutlich, dass ausreichend finanzielle Mittel erforderlich sind, um arbeitsmarktpolitische Angebote für Menschen mit Behinderungen weiter zu unterstützen. „In diesen Bereich zu investieren, bedeutet, Menschen mit Behinderungen eine stabilere Zukunft in Aussicht zu stellen und ihnen die Teilhabe am Arbeitsmarkt zu vereinfachen, was nicht nur den betroffenen Personen, sondern auch dem Staat zugutekommt“, sagt KOBV-Präsident Franz Groschan und warnt erneut vor dem aktuellen Sparkurs. „Es gilt, durch gezielte Unterstützungsmaßnahmen am Arbeitsmarkt der Armutsgefährdung von Menschen mit Behinderungen entgegenzusteuern“, ergänzt er. Der KOBV Österreich – Der Behindertenverband betont in diesem Zusammenhang einmal mehr, dass ein klares Bekenntnis zur nachhaltigen Absicherung des Ausgleichstaxfonds zur Finanzierung wichtiger Maßnahmen für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen unabdingbar und die Verbesserung der Einnahmensituation des Fonds dringend geboten ist.
Dass Menschen mit Behinderungen mitunter große Schwierigkeiten haben, einen Job zu finden, wird durch die Studie der Statistik Austria ebenfalls mit Zahlen belegt: Die Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderungen (9,1 Prozent) war 2024 doppelt so hoch wie jene von Menschen ohne Behinderungen (4,5 Prozent). Auch ihre Arbeitssuche dauerte im vorvergangenen Jahr durchschnittlich mehr als zweimal so lang (22 Monate vs. neun Monate). „Die Auswertung unterstreicht, dass es für Menschen mit Behinderungen eine große Herausforderung ist, sich am Arbeitsmarkt zu etablieren“, kommentiert Groschan. „Beratungen für die (Wieder-)Eingliederung in den Arbeitsmarkt und die Absicherung bestehender Dienstverhältnisse, um drohendem Arbeitsplatzverlust entgegenzuwirken, wie sie auch der KOBV anbietet, sind daher unverzichtbar“, betont der KOBV-Präsident.
ÜBER DEN KOBV:
Der KOBV – Behindertenverband Österreich setzt sich seit 1945 für die Rechte und die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ein. Unser Ziel ist eine barrierefreie, inklusive und sozial gerechte Gesellschaft für alle.
KOBV Österreich – Der Behindertenverband
Natalie Schmidt, BA
Telefon: 0043 (1) 406 15 86 79
E-Mail: n.schmidt@kobv.at / kommunikation@kobv.at
Website: https://www.kobv.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender
Kommentare sind geschlossen, aber trackbacks und Pingbacks sind offen.