SPÖ-Bildung: Gedenken an den 12. Februar 1934 – Erinnerung, Auftrag und Verantwortung
SPÖ-Bundesbildungsvorsitzender Schmid appellierte bei Gedenkveranstaltung: „Durchflutung aller Lebensbereiche mit Demokratie, um sie zu festigen“
Bei der Gedenkveranstaltung zu den Februarkämpfen 1934 am Goldmarkplatz am Mittwochabend wurde nicht nur der Opfer gedacht, sondern auch der bleibende Auftrag für Gegenwart und Zukunft in den Mittelpunkt gestellt. Das Erinnern an die Ereignisse des Jahres 1934 ist mehr als ein historischer Rückblick – es ist Mahnung, Verpflichtung und politischer Auftrag zugleich. Nach der Begrüßung durch den Wiener SPÖ-Bildungsvorsitzenden und stellvertretenden SPÖ-Bundesbildungsvorsitzenden Mag. Marcus Schober eröffneten Gesprächsrunden den Abend. Der Vorsitzende der Freiheitskämpferorganisation Dr. Gerald Netzl sowie die Vorsitzenden der Wiener Jugendorganisationen – Sozialistische Jugend und Junge Generation – spannten den Bogen von den dramatischen Ereignissen des Februar 1934 hin zu den Herausforderungen unserer Zeit. Besonders hervorgehoben wurde die Verantwortung der jungen Generation, Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit aktiv zu verteidigen und weiterzuentwickeln. Vizekanzler und SPÖ-Bundesparteivorsitzender Andreas Babler wurde unter großem Beifall begrüßt. Einen inhaltlichen Schwerpunkt setzte Prof. Dr. Gerhard Schmid, Landtagspräsident und Vorsitzender der SPÖ-Bundesbildungsorganisation. Er erinnerte an die Opfer der Februarkämpfe – an Todesurteile, Hinrichtungen und politische Verfolgung, exemplarisch an Karl Münichreiter, Georg Weissel, Koloman Wallisch sowie an den Sozialistenprozess und die Haft Bruno Kreiskys. Zugleich stellte er die zentrale Frage: Wie sichern wir heute das Vermächtnis der Freiheitskämpfer? ****
Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand die Verteidigung von Demokratie und Rechtsstaat gegen ihre schleichende Erosion – durch Angriffe auf die Gewaltenteilung, Verschwörungsmythen, rechtsextreme Vernetzungen, politische Polarisierung und eine wachsende Repräsentationslücke im Parlament. Ebenso warnte er vor neuen Gefahren durch Künstliche Intelligenz, Desinformation, Deepfakes, Microtargeting, digitale Abhängigkeiten von internationalen Technologiekonzernen sowie vor der Schwächung des Qualitätsjournalismus. Sein Appell mündete in ein eindringliches Bekenntnis zur aktiven Demokratie: „Wo die Demokratie im Inneren zerstört wird, wird sie auch im Äußeren beseitigt. Darum kann sie nur gefestigt werden, wenn man sie ununterbrochen in Bewegung hält – durch eine Durchflutung aller Lebensbereiche mit Demokratie. Die Zeit der schrecklichen Vereinfacher ist noch nicht vorbei. Umso mehr gilt: Das wichtigste Gut der Menschheit ist die geistige und individuelle Freiheit in einem sozialen Zusammenhang. Das heißt, bei den Menschen zu sein – auch wenn es unbequem ist und wir unsere Blase verlassen müssen. Eine klare politische Linie ist immer besser als keine. Den Anfängen wehren – niemals vergessen.“
Ein weiterer Höhepunkt war die Rede von Bürgermeister Dr. Michael Ludwig. Er erinnerte an den 12. Februar 1934 als Symbol für den Widerstand gegen autoritäre Entwicklungen und für den Einsatz um Demokratie und soziale Rechte. Gleichzeitig richtete er den Blick auf die aktuelle politische Situation und betonte, dass Solidarität kein abstrakter Begriff sei, sondern gelebte Praxis. Es sei leicht, „bei Sonnenschein“ nebeneinanderzustehen und Unterstützung zu bekunden. Entscheidend sei jedoch das solidarische Zusammenstehen in schwierigen Zeiten – und in solchen befänden wir uns derzeit. Als Vorsitzender der Wiener SPÖ unterstrich er sein klares solidarisches Verhalten gegenüber den demokratisch gewählten Vertreterinnen und Vertretern – innerhalb der Partei ebenso wie darüber hinaus. Demokratie lebe vom Respekt vor demokratischen Entscheidungen und vom gemeinsamen Eintreten für ihre Werte.
Einen besonderen Akzent setzte die künstlerische Gestaltung des Abends. SPÖ-Bundesbildungsgeschäftsführer Wolfgang Markytan betonte: „Das Gedenken an den 12. Februar 1934 ist nicht nur ein Erinnern, ein Zurückblicken, sondern auch ein Blick in die Gegenwart – oder sogar in die Zukunft. Darum ist es wichtig, dieses Gedenken nicht immer nur mit denselben traditionellen Elementen zu verbinden. Heute wurde eine künstlerische Performance dargeboten, die sehr beeindruckend war. Nina Abrahamczik trat als die Witwe, Bernd Herger als einer der Söhne von Karl Münchreiter auf. Sie präsentierten eine Lesung, unterstützt vom Performancekünstler Adrian Dorfmeister-Pölzer. Das ist genau die gelungene Art und Weise, wie ein solches Gedenken gelebt werden soll – mit klarem Fokus auf die Geschichte und zugleich mit der Frage, was wir für heute mitnehmen können – nicht als anbetende Asche, sondern als Weitergabe des Feuers.“
Die Veranstaltung machte deutlich: Das Gedenken an den 12. Februar 1934 ist kein ritualisierter Blick zurück, sondern ein lebendiger Beitrag zur Stärkung demokratischer Kultur. Erinnerung wird so zur Haltung – mit Klarheit, mit Solidarität und mit dem festen Willen, Demokratie aktiv zu gestalten. (Schluss) bj
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