Belvedere 21: Sue Williams. WHAT NOW
Umfassende Werkschau der US-Malerin zeigt ihr kompromisslos feministisches Œuvre – von den späten 1980er-Jahren bis heute
MIT _SUE WILLIAMS. WHAT NOW_ PRÄSENTIERT DAS BELVEDERE 21 VON 20. FEBRUAR BIS 7. JUNI 2026 DIE BISLANG UMFASSENDSTE WERKSCHAU DER US-AMERIKANISCHEN KÜNSTLERIN SUE WILLIAMS (*1954 IN CHICAGO HEIGHTS, ILLINOIS). MIT ÜBER 100 WERKEN ERÖFFNET DIE AUSSTELLUNG EINEN NEUEN BLICK AUF EIN MALERISCHES OEUVRE, DAS ZUGLEICH PERSÖNLICH UND POLITISCH IST – RADIKAL, POINTIERT HUMORVOLL UND VON UNGEBROCHENER AKTUALITÄT.
Von 1997 bis 1999 leitete Sue Williams als Gastprofessorin die Meisterklasse für gegenständliche Malerei an der Akademie der bildenden Künste Wien. Ihre Lehrtätigkeit und der Austausch mit einer jüngeren Generation von Künstler*innen in Wien – darunter Katrin Plavčak und Sevda Chkoutova – bilden einen weiteren Hintergrund für diese Ausstellung.
Belvedere-Generaldirektorin Stella Rollig: Sue Williams hat ein Werk geschaffen, das zutiefst persönlich ist – und zugleich gesellschaftlich hoch brisant. Gerade im aktuellen weltpolitischen Klima ist es uns ein besonderes Anliegen, feministische Positionen sichtbar zu machen, die Machtstrukturen, Gewalt und die Bedingungen von Freiheit kompromisslos ins Zentrum rücken.
Seit den späten 1980er-Jahren thematisiert Williams Geschlechterverhältnisse und Körperpolitiken, Macht und Unterdrückung im Medium der Malerei. Dieses lange als patriarchale Domäne schlechthin geltende Terrain weiß sie dabei in einer Vielfalt malerischer Strategien brillant zu bespielen.
Kuratorin Luisa Ziaja: Eine Konstante in Sue Williams’ Werk ist die konsequente Befragung des Mediums Malerei und der Konventionen von Figuration und Abstraktion, deren Grenzen sie beständig herausfordert. Humorvoll und unerbittlich navigiert Williams dabei entlang der Bruchlinien der Macht und erzählt von struktureller Gewalt und individuellem Trauma, Erinnerung und Resilienz_._
In einer Zeit, in der Malerei als feministisches Medium kaum denkbar scheint, nutzt Sue Williams die Leinwand mit großer Entschlossenheit als Ort der konfrontativen Auseinandersetzung mit Selbsterlebtem. In wütender Direktheit zeigt Williams in ihren frühen Arbeiten Szenen alltäglicher sexualisierter Gewalt und wird damit Anfang der 1990er-Jahre schlagartig bekannt.
Werke wie _TRY TO BE MORE ACCOMMODATING_ (1991) oder _A FUNNY THING HAPPENED_ (1992) verbinden brutale Szenen mit sarkastischen, lapidaren Texten zu Darstellungen von verstörender Eindeutigkeit, die zugleich die Mechanismen des Verschweigens und Bagatellisierens offenlegen. In _THE ART WORLD CAN SUCK MY PROVERBIAL DICK_ (1992) richtet sie den Blick darüber hinaus dezidiert auf den patriarchalen Kunstbetrieb, seine lange tradierten Abhängigkeitsstrukturen und beständigen misogynen Diskurse.
Ab Mitte der 1990er-Jahre verändert Sue Williams ihre malerischen Strategien grundlegend: Text und erzählerische Szenen treten zurück, während sich Figuren und Körperfragmente auf oft einfarbigem Grund verselbstständigen. Williams Interesse am Malerischen selbst, am Pinselstrich, Wiederholung und Tempo wird hier erkennbar und bleibt auch in späteren Werkphasen eine Konstante ihrer Praxis. In der ironischen Aneignung des All-over-Prinzips des männlich codierten Abstrakten Expressionismus entstehen großformatige, gestisch-abstrakte Kompositionen. Werke wie _LOTS OF COLORS_ (1997) oder _MOM’S FOOT BLUE AND ORANGE_ (1997) markieren diese Phase, in der verzerrte Körperteile, Geschlechtsorgane und fetischistisch aufgeladene Motive aus dem Liniengewirr hervorblitzen – visuell verlockend, aber keineswegs harmlos.
Rund um die Jahrtausendwende dominiert die expressive Linie in intensiver Farbigkeit Williams Malerei. Die scheinbar „angenehmen“ Linien und heiteren Farben erweisen sich als ambivalent. Vermeintlich von jeglichen Wirklichkeitsbezügen befreit, ist der malerischen Geste in _RED AND PURPLE DEAL_ (2001) die Körperlichkeit eingeschrieben – die Abstraktion bleibt trügerisch, während Williams bewusst mit Erwartungshaltungen an ihre Malerei bricht. Ab den frühen 2000er-Jahren reagieren Williams’ zunehmend detailreiche, ornamentale All-over-Kompositionen explizit auf gesellschaftspolitische Ereignisse wie den nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 proklamierten „War on Terror“. Gemälde wie _HUMANITARIAN INTERVENTION_ (2006) oder _LEO STRAUSS, THEORETICIAN_ (2008) formulieren Zustände politischer und psychischer Erschütterung in zerrissenen, organischen Bildformen.
In den 2010er-Jahren verknüpft Williams globale Krisen verstärkt mit persönlichen Verlusten und Traumata. Ihr malerischer Gestus wird freier, expressiver, kinetischer. _MINISTRY OF HATE (2013)_ steht exemplarisch für diese Phase, in der Textfragmente, architektonische Motive – darunter die Twin Towers – sowie dynamische Linien und Farbexplosionen zusammentreffen. Vor dem Hintergrund einer fortwährenden Befragung ihres Mediums sind die jüngsten Gemälde, darunter _THE COSMOS ABOVE_ (2023)_ und PRESENT (2025)_, als Synthese früherer Werkphasen zu lesen: Auf ungrundierten Leinwänden verdichten sich groteske, schwebende Figurationen zu traumähnlichen Bildarrangements wiederkehrender Motive und Thematiken.
Die chronologisch aufgebaute Ausstellung _WHAT NOW_ umfasst über 100 Werke – Gemälde, Zeichnungen, Collagen und ausgewählte Skulpturen aus allen Schaffensphasen der Künstlerin – von den späten 1980er-Jahren bis in die unmittelbare Gegenwart. Durch die Gleichzeitigkeit von Persönlichem und Politischem, von humorvoller Karikatur, erschütternder Explizität und malerischer Geste entfalten die Bilder von Sue Williams ihre besondere Wirkmächtigkeit und machen die Konsequenz wie auch die Wandelbarkeit dieses kompromisslosen, pointiert humorvollen feministischen OEuvres erfahrbar. Nicht zuletzt verdeutlicht der gleichermaßen knappe wie aufrüttelnde Titel die tief empfundene Dringlichkeit, sich den Realitäten unserer Gegenwart zu stellen.
WEITERE INFORMATIONEN UND PRESSEBILDER ZUR AUSSTELLUNG STEHEN HIER ZUM DOWNLOAD BEREIT.
AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG SUE WILLIAMS
DATUM: 19.02.2026, 19:00 Uhr
ART: Ausstellungen
ORT: Belvedere 21
Belvedere Public Relations
Irene Jäger
Telefon: 0664800141185
E-Mail: presse@belvedere.at
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