Europas Stahlverbrauch belastet tropische Ökosysteme: Graedel Prize für BOKU-Forscher
_Eine internationale Studie unter Leitung der BOKU zeigt, wie die Nachfrage nach Stahl ökologische Schäden des Eisenerzbergbaus in weit entfernte Regionen verlagert. Für diese Forschungsarbeit wurde Hanspeter Wieland vom Institut für Soziale Ökologie mit dem renommierten Graedel Prize ausgezeichnet._
Eisen und Stahl sind für Gebäude, Fahrzeuge, Maschinen und Infrastruktur unverzichtbar. Der Abbau des dafür benötigten Eisenerzes greift jedoch teils massiv in Ökosysteme ein – häufig weit entfernt von den Ländern, in denen der Stahl genutzt wird. Eine internationale Studie unter Leitung von Hanspeter Wieland vom Institut für Soziale Ökologie der BOKU macht diese globalen Zusammenhänge sichtbar. Für die im _Journal of Industrial Ecology_ veröffentlichte Arbeit wurde Wieland jetzt mit dem Graedel Prize für den besten Beitrag eines Senior Authors des Jahres 2025 ausgezeichnet.
VON DER MINE BIS ZUM STAHLVERBRAUCH
Gemeinsam mit Dominik Wiedenhofer und Nina Eisenmenger von der BOKU, Takuma Watari vom japanischen National Institute for Environmental Studies sowie Stefan Giljum von der Wirtschaftsuniversität Wien entwickelte Wieland ein physisches Modell der globalen Eisen- und Stahlindustrie. Es verfolgt die tatsächlichen Materialströme vom Abbau des Eisenerzes über Verarbeitung und Handel bis zur Verwendung des Stahls.
Durch die Verknüpfung mit räumlichen Daten zu Bergbauflächen und Ökosystemen lässt sich erstmals nachvollziehen, wo die mit dem Stahlverbrauch verbundenen Eingriffe stattfinden. „Unser Modell verbindet die weltweite Nachfrage nach Stahl mit den konkret betroffenen lokalen Ökosystemen. Dadurch wird sichtbar, wo die ökologischen Folgen unseres Konsums entstehen und wer die Verantwortung dafür trägt“, erklärt Wieland.
EUROPA VERLAGERT UMWELTFOLGEN
Die Ergebnisse zeigen: 48 Prozent der weltweiten bergbaubedingten Auswirkungen auf Landökosysteme sind dem Stahlverbrauch in China zuzurechnen, weitere 16 Prozent jenem in Europa. Besonders brisant ist Europas Verbindung zu ökologisch sensiblen tropischen und subtropischen Regionen: 39,5 Prozent des in europäischen Importen enthaltenen Eisenerzes stammen aus diesen Biomen – der höchste Anteil aller untersuchten Weltregionen.
Eine zentrale Rolle spielt hier Brasilien, eines der wichtigsten globalen Förderländer für Eisenerz, aus dem ein erheblicher Anteil nach Europa exportiert wird. Tropische Ökosysteme, wie sie beispielsweise in Brasilien zu finden sind, spielen eine entscheidende Rolle für die Artenvielfalt und den globalen Kohlenstoffkreislauf. Durch den Import von Eisenerz und stahlintensiven Gütern aus solchen Regionen verlagert Europa somit einen erheblichen Teil der ökologischen Folgen seines Konsums in andere Weltregionen. „Die ökologischen Kosten unseres Stahlverbrauchs bleiben in Europa oft unsichtbar, weil sie an weit entfernten Abbauorten anfallen. Verantwortung muss daher entlang der gesamten Lieferkette wahrgenommen werden“, so Wieland.
Die Studie liefert eine wichtige Grundlage für gezielte Maßnahmen: von einer effizienteren Nutzung und längeren Lebensdauer von Stahlprodukten über Recycling bis zu transparenten Lieferketten und verbindlichen Umweltstandards im Bergbau.
ORIGINALPUBLIKATIONEN
BOKU University
Mag.a Astrid Kleber-Klinger
Telefon: 0664 8858 6533
E-Mail: astrid.kleber@boku.ac.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS. www.ots.at
© Copyright APA-OTS Originaltext-Service GmbH und der jeweilige Aussender
Kommentare sind geschlossen, aber trackbacks und Pingbacks sind offen.