Kopftuch-Debatte an Schulen: TKG und Sozialistische Jugend für Kinderschutz ohne politische oder religiöse Vereinnahmung

Gemeinsame Aussendung TKG und SJ

16. September 2026 – Nach einem persönlichen Gespräch über das seit Beginn des Schuljahres 2026/27 geltende Kopftuchverbot für Schülerinnen unter 14 Jahren wollen die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) und die Sozialistische Jugend Österreich (SJ) ihre unterschiedlichen Positionen offen benennen und zugleich ihren gemeinsamen demokratischen Nenner bei Kindeswohl, Grundrechten, Gleichbehandlung, Religionsfreiheit, staatlicher Neutralität und Rechtsstaatlichkeit festhalten.

Die TKG lehnt einen Kopftuch-Schulstreik und insbesondere Aufrufe an muslimische Eltern ab, ihre Kinder deswegen nicht in die Schule zu schicken. Die Sozialistische Jugend lehnt das gesetzliche Kopftuchverbot ab und betrachtet öffentlichen und politischen Protest dagegen als Teil der demokratischen Auseinandersetzung.

„Gerade bei grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten muss eine demokratische Gesellschaft miteinander sprechen, einander zuhören und gemeinsame rechtsstaatliche Grundlagen suchen“, halten TKG und SJ fest.

KINDER DÜRFEN NICHT POLITISCH ODER RELIGIÖS INSTRUMENTALISIERT WERDEN

“Kinder dürfen nicht für politische oder religiöse Auseinandersetzungen instrumentalisiert werden. Kein Mädchen darf unter familiären, religiösen oder gesellschaftlichen Druck geraten, ein Kopftuch tragen zu müssen. Umgekehrt darf ein Mädchen, das ein Kopftuch trägt, weder ausgegrenzt noch aufgrund seiner Religion pauschal abgewertet werden”, betonen Larissa Zivkovic Vorsitzende der Sozialistischen Jugend Österreich und Prof. Dipl.-Ing Birol Kilic der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich.

KEINE PAUSCHALISIERUNG VON MUSLIMINNEN UND MUSLIMEN

“Musliminnen und Muslime in Österreich sind weder politisch noch kulturell oder religiös eine homogene Gruppe. Die TKG vertritt hierzu seit mehr als 20 Jahren auf allen Ebenen eine klare und öffentlich dokumentierte Position: Niemand hat in Österreich das demokratische Mandat, im Namen aller Musliminnen und Muslime zu sprechen”, betont Kilic.

“Das Kopftuch ist nicht die allgemeine Lebensrealität muslimischer Mädchen. Laut der vom Gesetzgeber herangezogenen Studie trugen nur 10,7 Prozent der muslimischen Schülerinnen in der Sekundarstufe I ein Kopftuch. Trotzdem wird daraus eine Debatte gemacht, die muslimische Mädchen pauschal zum politischen Problem erklärt“, so Zivkovic (SJ) weiter.

SACHLICHE DEBATTE STATT POLITISCHER INSTRUMENTALISIERUNG

TKG und SJ sehen darüber hinaus die Notwendigkeit einer sachlichen Diskussion über das Verhältnis von Staat, Religion und Schule. Wer staatliche Neutralität und Gleichbehandlung fordert, sollte auch bereit sein, historisch gewachsene staatskirchenrechtliche Regelungen sachlich daraufhin zu prüfen, ob sie den heutigen Anforderungen noch entsprechen.

Dabei sollen Religionen ausdrücklich nicht gegeneinander ausgespielt werden. Ziel sollte vielmehr ein konsistenter religionsrechtlicher Rahmen sein, in dem Religionsfreiheit, Gleichbehandlung, Kindeswohl sowie religiöse und weltanschauliche Neutralität des Staates miteinander vereinbar sind.

DER GEMEINSAME NENNER LAUTET DAHER:

Abschließend fordern TKG und SJ: “Kinderrechte müssen im Mittelpunkt stehen. Kein Kind darf politisch oder religiös unter Druck gesetzt werden. Pauschalisierungen und das Gegeneinanderausspielen von Religionen haben in dieser Debatte keinen Platz. Religionsfreiheit, Kindeswohl und Gleichbehandlung müssen für alle gleichermaßen gelten.“

Die Kosten der APA-OTS-Aussendung werden von TKG und Sozialistischer Jugend zu jeweils 50 Prozent getragen.

Sozialistische Jugend Österreich
Jonathan Kaspar, Pressesprecher
Telefon: +43 664 / 541 70 80
E-Mail: jonathan.kaspar@sjoe.at
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