Oö. Volksblatt: „Nicht überwunden“ (von Herbert SCHICHO)

Ausgabe vom 24. August 2020

Linz (OTS) – Es ist diesmal gar nicht unwahrscheinlich, dass jener Mann, der in Graz die Synagoge beschmiert, die Schaufenster eines Vereinslokales einer schwul-lesbischen Interessenvertretung eingeschlagen hat und letztendlich auf den Präsidenten der jüdischen Gemeinde Graz losgegangen ist, ausgeforscht wird und sich vor Gericht verantworten muss. Aber egal ob sich der Täter links, rechts oder islamisch motiviert sieht, diese Taten sind Anschläge auf die ganze Gesellschaft. Und man kann Nationalratspräsident Sobotka nur beipflichten: „Der Kampf gegen den Antisemitismus betrifft uns alle. Es ist ein Kampf für unsere demokratischen Werte.“ Und dieser Kampf braucht einerseits einen respektvollen Umgang miteinander und Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Aber es braucht andererseits auch Wachsamkeit und Zivilcourage aller Bürger, wenn Grenzen überschritten werden und deshalb Konsequenzen nötig sind. Leider gehören derzeit Sicherheitsmaßnahmen und starke Polizeipräsenz zum Alltag für Juden in Österreich. Ohne diese Maßnahmen wäre jüdisches Leben kaum möglich. Und den Antisemitismus haben wir erst dann überwunden, wenn das jüdische Leben wieder eine Selbstverständlichkeit wird – ohne Polizeischutz.

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