„Gedanken zum Welt-Tierschutz-Tag“ von Gerhard Weißgrab

Erkennen wir Tiere, gleich uns selbst, als fühlende Wesen!

Präsident Gerhard Weissgrab: „Ich erinnere mich an meine Kindheit, wo schon in den ersten Schuljahren der späten 1950er Jahre der 4. Oktober einen besonderen Stellenwert hatte. Es war der Welt-Tierschutz-Tag und Gedenktag an Franz von Assisi. Auch heute, am 4. Oktober 2022, feiern wir einen Welt-Tierschutz-Tag, aber stehen aktuell nicht ganz andere brennende Fragen im Zentrum? Umweltkrise, Ukrainekonflikt, rasant steigende Inflation und schwellende Covid19-Pandemie, sowie Probleme mit flüchtenden Menschen bestimmen die Schlagzeilen unserer Medien.

Welchen Stellenwert hat in diesem Umfeld das Leiden von Tieren für uns? Auf den ersten Blick könnte man verstehen, dass dieser Stellenwert unter „ferner liefen“ bleibt. Für mich, aus dem Blickfeld eines Buddhisten, stellt sich das anders dar. Nichts existiert oder geschieht unabhängig vom Anderen. Alles bedingt sich wechselseitig. Daher geschehen alle diese Dramen nicht unabhängig voneinander sondern in gegenseitiger Bedingtheit. Wir können daher diese Herausforderungen auch nicht bewältigen, ohne dem Blick auf das Ganze und dem Handeln danach. Auch das Leid, dass Tiere durch unser Handeln oder Nicht-Handeln erfahren, ist davon untrennbarer Teil. Nicht in allen Fällen zeigt sich das so deutlich, wie bei der Pandemie, wo ihre Wurzeln mit höchster Wahrscheinlichkeit im Fehlverhalten des Menschen dem Tier gegenüber liegen.

Vielleicht mag das für Gedanken zum Welt-Tierschutz-Tag ein zu weiter Bogen sein, aber ich glaube, dass es im ersten Schritt nötig ist, diese großen Zusammenhänge zu erkennen. Wir müssen sehen, dass es eben keine einfachen Lösungen geben kann. Es ist dabei aber auch wichtig, sich durch die Größe der Herausforderung nicht entmutigen zu lassen. Wie das Sprichwort sagt: Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Setzen wir ihn!

Es liegt nicht in unserer Hand, die großen Probleme dieser Zeit lösen zu können. Aber es liegt in unserer Hand, wie wir unsere persönlichen Möglichkeiten nutzen, hier einen heilsamen Beitrag zu leisten. Handeln wir im persönlichen Umfeld und verlieren wir dabei die großen Zusammenhänge nicht aus den Augen.

Wenn wir uns zum Beispiel um Reduktion oder Aufhebung der Qualen kümmern, die sogenannte Nutztiere ertragen müssen, um die Bedürfnisse der verschiedenen Menschen nach Genuss und billigem Fleisch auf der einen Seite und großen Gewinnen auf der anderen Seite zu erfüllen, dann müssen wir allen Menschen, die in diesem Kreislauf partizipieren, entsprechende Alternativen anbieten.  

So schwierig sich dieser Satz vielleicht liest, so einfach wäre ein erster Schritt. Beim nächsten Fleischkonsum eine Sekunde innezuhalten und sich den Blick der Augen dieses Tieres bewusst zu machen, dessen Fleisch am Teller liegt, wäre ein solcher!

Erkennen wir Tiere, gleich uns selbst, als fühlende Wesen! Dann kann der buddhistische Wunsch in Erfüllung gehen, mit dem ich meine Gedanken beenden möchte: „Mögen alles Wesen frei von Leiden und den Bedingungen für Leiden sein! Mögen alle Wesen wohlauf und glücklich sein!“ 

Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft (ÖBR)
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