„Wir nehmen mit jedem Opfer Kontakt auf“

Rund 14.600 Betretungs- und Annäherungsverbote bearbeiteten die gesetzlich anerkannten Gewaltschutzzentren im vergangenen Jahr.

Der gesetzliche Auftrag besteht darin, dass die Polizei verpflichtet ist, die Gewaltschutzzentren im jeweiligen Bundesland von der Verhängung eines Betretungs- und Annäherungsverbotes zu informieren. „Mit jedem Opfer nehmen wir telefonisch, postalisch und wenn notwendig auch persönlich Kontakt auf, und bieten ihnen psychosoziale und juristische Unterstützung an“, sagt Marina Sorgo, Bundesverbandsvorsitzende der Österreichischen Gewaltschutzzentren. „Dieser proaktive Ablauf ist erforderlich, da zurückgebliebene Opfer sich meist in einer Krise befinden, aber von sich aus kaum Hilfe holen können. Es ist notwendig in so einer Situation ihnen ein Stück des Weges entgegenzugehen.“

Darüber hinaus unterstützen die Gewaltschutzzentren auch jene Opfer, die noch keinen Kontakt mit der Polizei hatten, egal ob Frauen, Kinder, Jugendliche oder Männer. Beratung und Unterstützung werden kostenlos und vertraulich angeboten. Rund 85 Prozent der von uns betreuten Personen sind weiblich. Bei den männlichen Opfern sind es Männer in Paarbeziehungen oder auch Kinder und Jugendliche, die Gewalt von ihren Familienangehörigen erfahren haben. Mehr als 90 Prozent der Gefährder, mit denen wir zu tun haben, sind Männer.  

Die Steigerung von 7% der Betretungs- und Annäherungsverbote gegenüber dem Vorjahr ist damit zu erklären, dass Opfer von Gewalt, deren Angehörige oder Nachbar:innen in den letzten Jahren mutiger geworden sind, sich an die Polizei zu wenden. Tatsache ist, dass wir dadurch im Laufe der letzten 25 Jahre eine sukzessive Steigerung der Klient:innen sowie auch der Betretungs- und Annäherungsverbote verzeichnen können. Das Bewusstsein und die Sensibilität für Gewalt in Beziehungen haben sich medial, politisch und gesellschaftlich erhöht. Auch aufgrund der gesetzlichen Möglichkeiten und der Unterstützungsangebote für Betroffene die ausgebaut wurden. Wurde vor 20 Jahren nur körperliche Gewalt als solche anerkannt, so wird heute auch die psychische Gewalt als solche wahrgenommen. Daher wenden sich mehr Klient:innen an uns oder suchen Hilfe bei der Polizei. Die Mehrzahl der häuslichen Gewalt haben zwar Männer zu verantworten, jedoch sind die meisten Männer in Österreich nicht gewalttätig.

Gabriele Payerl-Gerstmann
Koordinatorin des Bundesverbandes
Tel.: 0676/ 411 67 35
Mail: payerl@gewaltschutzzentrum.at

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