Der Bundesverband der Gewaltschutzzentren fordert stärkere Maßnahmen in der Primärprävention

Dabei bezieht sich der Bundesverband auf den Bericht des Rechnungshofes

Ca. 24.000 gewaltbetroffene Menschen werden pro Jahr von den Gewaltschutzzentren Österreichs, die als spezialisierte Opferschutzeinrichtungen beauftragt sind, flächendeckend im ganzen Bundesland unterstützt.

Die letzte Reform, die Maßnahmen wie zB die verpflichtende Beratung für weggewiesene Personen oder die Einführung von sicherheitspolizeilichen Fallkonferenzen, mit sich brachte, hat den Opferschutz in Österreich deutlich vorangebracht. Ca. 1-2 % der Fälle sind Hochrisikofälle. Besonders diese Fälle werden in den gesetzlich verankerten sicherheitspolizeilichen Fallkonferenzen mit großer Sorgfalt von Expert*innen, der Polizei und der Staatsanwaltschaft behandelt.

Wenn die Polizei und die Gewaltschutzzentren zum Einsatz kommen, ist meist schon viel passiert. Die meisten Menschen werden nicht von einem Tag auf den anderen gewalttätig. Deswegen sind stärkere Maßnahmen in der Primärprävention notwendig: Bindungs- und beziehungsbezogenes Elterntraining, bindungsunterstützte Erziehungshilfe, Konfliktlösungsmodelle, kostenfreie Plätze für traumatherapeutische Unterstützung für Opfer von Gewalt, uvm. „Je früher Hilfe angeboten wird, desto eher lässt sich Gewalt in den Familien vermeiden“, sagt Marina Sorgo, Bundesverbandsvorsitzende der Österreichischen Gewaltschutzzentren. „Frühe Hilfen durch die Kinder- und Jugendhilfe, Familienbetreuung oder Programme im Gesundheitsbereich müssen noch mehr zum Einsatz kommen.“

Die Gewaltschutzzentren begrüßen die Einführung von flächendeckenden Gewaltambulanzen, die relevante Beweise für ein Strafverfahren sichern. Auch wenn Frauen, aufgrund von emotionalen oder persönlichen Verstrickungen, noch nicht so weit sind, um Anzeige zu erstatten, können Beweise für etwaige Verfahren gesichert werden.

„Auch wir vermissen, wie vom Bericht dargestellt, den Ausbildungsdienst von angehenden Richteramtsanwärter*innen in Opferschutzeinrichtungen“, so Sorgo. „Dieser wurde vor einigen Jahren intensiv genutzt und der Austausch war für beide Seiten sehr bereichernd und erwirkte ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse der Opfer.“

Gabriele Payerl-Gerstmann, Koordinatorin des Bundesverbandes der Gewaltschutzzentren Österreichs, Tel. 0676/4116735, E-Mail: payerl@gewaltschutzzentrum.at

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