Volksanwalt Achitz: Kinder einfach einzusperren, macht alles nur schlimmer
Unterstützung für Positionspapier von DÖJ und FICE – Österreichweit einheitliche Standards in Kinder- und Jugendhilfe endlich umsetzen und finanzieren!
„Bund und Länder haben vereinbart, dass sie einheitliche Standards in der Kinder- und Jugendhilfe schaffen wollen. Es geht aber nichts weiter“, kritisiert Volksanwalt Bernhard Achitz. Die Volksanwaltschaft hat die Verländerung von Anfang an kritisiert. „Während es hier niemand eilig hat, soll es bei der Einführung von Kindereinrichtungen mit Ausgangssperre aber plötzlich schnell gehen“, wundert sich Achitz, und er fordert: „Bevor wir neue ‘Kindergefängnisse’ schaffen, müssen alle möglichen alternativen Maßnahmen ergriffen werden, das bedeutet vor allem multidisziplinäre Betreuung der Kinder und Jugendlichen.“ Achitz unterstützt daher auch das aktuelle Positionspapier vom Dachverband Österreichischer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen (DÖJ) und von FICE Austria (https://www.doej.at/index.php/hiddenmenu-nuetzliches/155-doej-fice-positionspapier-freiheitsbeschraenkung).
„Alle Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Kinder einfach einzusperren, ist nicht nur zu wenig, sondern kontraproduktiv. Für ihr künftiges Leben in Freiheit ist damit nichts gewonnen“, warnt Volksanwalt Achitz: Gerade Kinder und Jugendliche, die bereits Erfahrungen unterschiedlichster Art mit pädagogischen Institutionen hinter sich gebracht haben, können nur erreicht werden, wenn ihre eigenen Erfahrungen, Ressourcen und Konfliktlagen im Kontext ihrer Biographien Berücksichtigung finden. Nur wenn verstanden wird, wie traumatisierende Lebensereignisse die Entwicklung, Resilienz und Gesundheit beeinflussen, kann aufbauend auf vorhandenen Ressourcen ein Behandlungsplan erstellt werden.
NICHT EXPERTISE FEHLT, SONDERN DER POLITISCHE WILLE ZUR FINANZIERUNG
„Nicht für, sondern mit den Kindern und Jugendlichen müssen personengebundene Angebote, auf den Einzelfall zugeschnitten, aufgebaut und um sozialpsychiatrische bzw. -therapeutische Hilfen ergänzt werden“, so Achitz. Es ist nicht das Wissen im Umgang mit als „schwierig“ geltenden Kindern/Jugendlichen, das fehlt, sondern der politische Wille, die Kinder- und Jugendhilfe mit genügend Ressourcen auszustatten und mit Zwang und Gewalt Schluss zu machen. Es ist derzeit tatsächlich zu befürchten, dass an einer besonders belasteten Gruppe junger Menschen unter Rückgriff auf befristete Möglichkeiten des Freiheitsentzugs in „geschlossenen Settings“ Ohnmachtserfahrungen steigen, für das künftige Leben in Freiheit aber nichts gewonnen wird.
Florian Kräftner
Mediensprecher im Büro von
Volksanwalt Mag. Bernhard Achitz
Telefon: +43 664 301 60 96
E-Mail: florian.kraeftner@volksanwaltschaft.gv.at
https://www.volksanwaltschaft.at
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