„Ö1 Hörspiel-Gala“: „Publikumspreis“ an „E T T Y. Hörspiel nach den Tagebüchern von Etty Hillesum“ – Kritikerpreis für Helmut Peschina

Wolfram Berger als „Schauspieler des Jahres 2025“ geehrt

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Bei der vom ORF zum 33. Mal durchgeführten Ö1-Publikumswahl wählten Hörer:innen aus 14 Hörspiel-Neuproduktionen des Jahres 2025 ihr Lieblingsstück. Der „Publikumspreis“ ging an „E T T Y. Hörspiel nach den Tagebüchern von Etty Hillesum“ in der Bearbeitung und Regie von Elisabeth Weilenmann. Mit dem von Literatur- und Kulturkritiker:innen vergebenen Preis „Bestes Originalhörspiel“ wurde „Treibholz“ von Helmut Peschina ausgezeichnet. Die Ergebnisse der Publikums- und Juryentscheidungen wurden im Rahmen der „Ö1 Hörspiel-Gala“ am Freitag, den 27. Februar im ORF-RadioKulturhaus bekannt gegeben. Als „Schauspieler des Jahres“ wurde Wolfram Berger geehrt. Den Preis „Bestes Sound Design“ erhielt „Antwort auf den Brief von Helga“ von Bergsveinn Birgisson in der Inszenierung und Bearbeitung von Ursula Scheidle. Außerdem ausgezeichnet wurden die Sieger:innenprojekte von „Track 5‘“, dem in Kooperation mit der „schule für dichtung“ ausgeschriebenen Ö1-Kurzhörspielwettbewerb.

Im „Ö1 Hörspiel“ (samstags, 14.00 Uhr) werden die ausgezeichneten Hörspiele erneut ausgestrahlt. Am 28. Februar wird das „Beste Originalhörspiel“ „Treibholz“ gespielt. Das mit dem „Publikumspreis“ ausgezeichnete zweiteilige Stück „E T T Y. Hörspiel nach den Tagebüchern von Etty Hillesum“ wird am 7. und am 14. März gesendet. Die Sieger:innen-Projekte von „Track 5‘“ und andere ausgewählte Einsendungen sind am 21. März in einer Ausgabe des „Ö1 Hörspielmagazins“ zu hören, das Hörspiel mit dem „Besten Sound Design“, „Antwort auf den Brief von Helga“, wird am 28. März ausgestrahlt.

Zwtl.: „Ö1 Publikumspreis“ an „E T T Y. Hörspiel nach den Tagebüchern von Etty Hillesum“

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Die Tagebücher der niederländischen Jüdin Etty Hillesum wurden von der Hörspielautorin und Regisseurin Elisabeth Weilenmann bearbeitet und als zweiteilige Hörspielfassung inszeniert. Die Ö1-Hörer:innen wählten das Stück zur beliebtesten Neuproduktion des Jahres 2025. Die Co-Produktion von ORF und Hessischem Rundfunk macht die Gedankenwelt und Lebensrealität der 1914 geborenen Etty Hillesum während der deutschen Besatzung in den Niederlanden erfahrbar. In ihren Tagebucheinträgen beschreibt sie ihre Affäre mit dem Psychoanalytiker Julius Spier und ihre Beziehung zu ihrem Mann Han, ihre Suche nach Liebe und nach sich selbst. In klaren, reflektierten Worten erzählt Etty aber auch von Antisemitismus, Verfolgung, Gewalt und Tod. Sie setzt sich mit Hass und Mitgefühl auseinander, bewahrt sich dabei stets ihre Menschlichkeit. 1942 arbeitet sie kurz beim jüdischen Rat, geht dann freiwillig ins Lager Westerbork, um den Kranken beizustehen. Am 7. September 1943 wird sie mit ihrer Familie nach Auschwitz deportiert, wo sie am 30. November 1943 ermordet wird. Etty Hillesum wird von Lou Strenger verkörpert, Julius Spier von Roland Koch. In weiteren Rollen sind Johannes Silberschneider, Sabine Muhar, Karl Markovics, Markus Meyer, Julius Belá Dörner, Marlena Reinwald, Marie Theres Müller, Nils Arztmann und Tilman Tuppy zu hören.

Den zweiten Platz vergaben Ö1-Hörer:innen an „Verräter“ von Lisa Wentz, eine Produktion des ORF Landesstudios Tirol unter der Regie von Martin Sailer. Das erste Hörspiel der jungen Tiroler Autorin wurde live vor Publikum aufgezeichnet. Lisa Wentz, die bereits mit dem Nestroy für ihr Bühnenstück „Adern“ ausgezeichnet wurde, erzählt in „Verräter“ von Homophobie unter dem Deckmantel der Religiosität und Gottesfurcht. Die junge Josephine hat sich in eine Frau verliebt – das darf es im Dorf, in dem sie mit ihrer Mutter lebt, nicht geben. Deshalb soll sie vom Pfarrer bei regelmäßigen Treffen auf den „rechten Weg“ zurückgeführt werden. Bald zeigt sich Josephine, dass dieser Weg schon davor nicht zwangsweise für jeden der „rechte“ und richtige gewesen ist. Josephine wird von Jasmin Mairhofer dargestellt, in weiteren Rollen spielen Gerti Drassl, Johannes Silberschneider und Stefan Riedl.

Der dritte Platz des Publikumspreises ging an „Antwort auf den Brief von Helga“ von Bergsveinn Birgisson. Ursula Scheidle adaptierte und inszenierte den von Eleonore Gudmundsson übersetzten Roman, in dem der 90-jährige Schafbauer Bjarni Jahre später auf einen Brief seiner großen Liebe Helga antwortet. Mit Poesie und trockenem Humor überdenkt Bjarni seine Lebensentscheidung, bei seiner Frau Unnur zu bleiben und nicht mit seiner Geliebten Helga und dem gemeinsamen Kind in Reykjavik, fern von den heimischen Schafweiden, ein neues Leben anzufangen. Zu hören ist der Hörspiel-Schauspieler des Jahres, Wolfram Berger als Bjarni, außerdem Gerti Drassl, Eszter Hollósi, Suzie Leger, David Ketter, Philipp Stix und als isländische Stimme Ragnheiður Erla Björnsdottir.

Zwtl.: „Treibholz“ von Helmut Peschina als „Bestes Originalhörspiel“ ausgezeichnet

Seit 2007 wird im Rahmen der „Ö1 Hörspiel-Gala“ auch der Preis „Bestes Originalhörspiel“ vergeben. Die Jury aus Literatur- und Kulturkritiker:innen der „Salzburger Nachrichten“, der „Presse“, der „Kleinen Zeitung“, des „Falter“ und des „Standard“ prämierte dieses Jahr „Treibholz“ des österreichischen Autors Helmut Peschina in der Regie von Andreas Jungwirth. Helmut Peschina, der schon zuvor vielfach für seine Hörspiele und Bearbeitungen literarischer Klassiker und antiker Stoffe ausgezeichnet wurde, benötigt nicht viel Personal, um (Beziehungs-) Welten hörbar zu machen. Zwei Figuren, schlicht A und B genannt, handeln ihre gemeinsame Vergangenheit aus, in der Gegenwart scheinbar in einer hermetischen Dachkammer gefangen. Oft dreht sich ihr Gespräch um die Jahre zurückliegende Reise nach Paris, bei der sie für ein paar Tage aus ihrer gewohnten Umgebung und Routine ausgebrochen sind. Peschina beschreibt seine Figuren als „neutrale Wesen“, „fern von gewisser Weiblichkeit oder Männlichkeit“, denen er auch keine Namensidentität gegeben hat. Den Autor interessiert vielmehr das „eigene Gebäude“, das die Figuren „zueinander gestaltet haben“, ihre Beziehung sowie das Aushandeln derselben. Sensibel errichtet hat das Gebäude der Regisseur Andreas Jungwirth.

Zwtl.: „Track 5‘“ – die Sieger:innenstücke des Ö1-Wettbewerbs für Kurzhörspiele

„Schließ die Augen“ war das Motto des diesjährigen Ö1-Kurzhörspielwettbewerbs „Track 5‘“, den Ö1 wieder mit der „schule für dichtung“ ausgeschrieben hatte. Aus den 202 gültigen Einreichungen nominierte eine Jury zehn Kurzhörspiele. Die geforderten Kriterien waren, neben einer Länge von maximal fünf Minuten, ein Original-Ton und der Satz „Schließ die Augen“. Platz 1 und damit 1.000,- Euro Preisgeld ging an Florinda Frisardi mit ihrem Stück „The blue remains“. Den zweiten Platz mit 500,- Euro belegte „EUROPE IS NOT THE OPTION“ von Ighedosa 9th Floor Berner, Platz drei mit ebenfalls 500,- Euro ging an das Hörstück „Stiller Abschied“ von Stefan Kloiber. Zusätzlich vergab die „schule für dichtung“ zum zwölften Mal einen Sonderpreis, dotiert mit 1.000,- Euro, den Christian Rilling für sein Kurzhörstück „Die Brandtner Hube“ erhielt.

Zwtl.: Preis für „Bestes Sound Design“ an „Antwort auf den Brief von Helga“

Dieses Jahr wurde zum vierten Mal der Preis für das „Beste Sound Design“ eines Hörspiels vergeben. „Antwort auf den Brief von Helga“ von Bergsveinn Birgisson erlangte nicht nur den dritten Platz des Publikumspreises, sondern überzeugte auch die Fachjury für „Bestes Sound Design“ von sich. Der Liebesbrief des Schafbauern Bjarni ist nachdenklich, umfasst mehrere Jahrzehnte und bezieht sich häufig auf die Weiten Islands. Diese Vielschichtigkeit spiegelt sich auch im Sound Design wider. „Eine Vergangenheit wie ein Klangschatten: ein naher Mensch, eine Landschaft, mal fern und verhallt, mal überraschend nah. Naturklänge und Stimmen sind oft fragmentarisch eingesetzt. Ganz so, wie die Erinnerung uns immer wieder heimsucht“, so die Jury. Weiter lobt sie die „differenzierte Spannweite zwischen Schwere und Leichtigkeit“ der Stimme Wolfram Bergers und eine Klanggestaltung, die Zerrissenheit offenbart: „Fragmentiert, unzuverlässig, emotional aufgeladen: Erinnerung eben. Bis eine Sprache uns endgültig mitnimmt auf die ferne Insel: Archaisch, kantig, klar. Dieses Sounddesign ist körperlich, ja fast taktil.“ Tongestaltung: Anna Kuncio und Manuel Radinger. Komposition und Gesang: Ragnheiður Erla Björnsdottir. Bearbeitung und Regie: Ursula Scheidle.

Eine lobende Erwähnung sprach die Fachjury in „einem der stärksten Jahrgänge“ für „Die Sonne täuscht über das Unglück hinweg“ von Manuela Tomić aus: „Verfremdete Alltagsgeräusche verstärken hier die Spannung. Langsame Töne lassen Einsamkeit spüren. Insgesamt wirkt der Klang wie ein Gemälde: mit unterschiedlichen Farben und Oberflächen, mit Übermalungen und sichtbaren Schichtungen.“ Tongestaltung: Anna Kuncio, Manuel Radinger, Jakob Kainz und Simon Dünser. Komposition: Gilbert Handler. Regie: Andreas Jungwirth.

Zwtl.: Wolfram Berger ist „Schauspieler des Jahres 2025“

Seit 1997 wählt eine Fachjury die Hörspiel-Schauspielerin oder den Hörspiel-Schauspieler des Jahres. Diesmal fiel die Wahl auf Wolfram Berger für seine herausragenden Leistungen in mehr als 80 ORF-Hörspielproduktionen, unter anderem in den Hörspiel-Adaptionen der Krimis von Wolf Haas und Heinrich Steinfest, Hörspielen von Magda Woitzuck, Wolfgang Bauer, Peter Handke und Robert Seethaler oder zuletzt in „Antwort auf den Brief von Helga“ von Bergsveinn Birgisson (2025) sowie in Fritz von Herzmanovsky-Orlandos „Der Gaulschreck im Rosennetz“ (2025), in dem er alle Rollen übernahm. Der 80-jährige Künstler erhält diese Auszeichnung unter anderem als Ehrenpreis für sein umfangreiches und vielfältiges Lebenswerk. „In ein Spiel nimmt Wolfram Berger sein gesamtes Wesen mit – er bringt seinen Geist ebenso zauberhaft und kraftvoll ein wie seinen Körper. Man kann mit großem darstellerischem Personal kaum mehr erschaffen als Wolfram Berger solistisch. In seinen Untertönen entstehen ganze Menschenwelten.“, so die Jurybegründung. Zu den bisher Ausgezeichneten der Fachjury zählen u. a. Dörte Lyssewski, Klaus Höring, Rudolf Wessely, Brigitte Karner, Bibiana Zeller, Peter Simonischek, Elisabeth Orth, Cornelius Obonya, Gerti Drassl, Petra Morzé, Markus Meyer, Karl Markovics, Vera Borek, Johannes Silberschneider und Regina Fritsch.

ORF Radio Öffentlichkeitsarbeit
Isabella Henke
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