„kulturMONTAG“ live aus dem ESC-Glasstudio am Rathausplatz: 70 Jahre Eurovison Song Contest, ESC-Kontroverse, Biennale-Aufregung
Danach: Dokumentation „Patti Smith: Poesie und Punk“ – am 11. Mai ab 22.30 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON
Zum Auftakt der Eurovision-Song-Contest-Woche präsentiert Peter Schneeberger den „kulturMONTAG“ am 11. Mai 2026 um 22.30 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON live aus dem gläsernen ESC-Studio am Wiener Rathausplatz. Die Sendung setzt einen thematischen Schwerpunkt und blickt u. a. auf das 70-Jahr-Jubiläum des heute größten Musikwettbewerbs der Welt, befasst sich aber auch mit der politischen wie kulturellen Kontroverse um Israels heurige ESC-Teilnahme. Zu Gast im Studio sind der Journalist und langjährige ESC-Experte Jan Feddersen sowie Singer-Songwriterin Paenda, die Österreich 2019 beim ESC in Tel Aviv vertreten hat. Außerdem blickt das Kulturmagazin anlässlich der startenden Kunst-Biennale nach Venedig, die u. a. aufgrund der Teilnahme von Israel und Russland ebenfalls viel Konfliktpotenzial birgt. Auch der von Performancekünstlerin Florentina Holzinger gestaltete Österreich-Pavillon wird für jede Menge Aufsehen sorgen. Anschließend an das Magazin steht anlässlich der Wiener Festwochen die Dokumentation „Patti Smith: Poesie und Punk“ (23.15 Uhr) auf dem Programm.
Durch Musik vereint – 70 Jahre Eurovision Song Contest
Der Eurovision Song Contest ist die international größte Live-Musikveranstaltung und war Ausgangspunkt für manch eine Weltkarriere – etwa jene des französisch-kanadischen Popstars Celine Dion, die 1988 für die Schweiz gewann, oder jene der schwedischen Kultband ABBA, die 1974 siegte. Auch heuer feiern Mitte Mai wieder Millionen Menschen, rund 170 Millionen aus zumindest 35 Nationen, den Eurovision Song Contest, der zum 70-Jahr-Jubiläum in Wien ausgetragen wird. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Die Bühne in der Wiener Stadthalle, die wie schon 2015 der Wiener Designer Florian Wieder verantwortet, ist in diesem Jahr mit überdimensionalem Notenschlüssel und Notenblatt der Musik und damit auch der Musikstadt Wien gewidmet. Mit dem ESC-Motto „United by Music“ werden die Bundeshauptstadt und das Land weltweit ins Rampenlicht gerückt. Schon jetzt laufen die Wettbüros heiß. Der „kulturMONTAG“, der live aus dem gläsernen ESC-Studio mitten auf dem Wiener Rathausplatz sendet, ist bei den Opening-Events dabei. Wie ist die Stimmung in der Stadt? Welche Teilnehmer:innen haben die größten Chancen? Und wie politisch ist der ESC?
Boykott oder Unterstützung – Kontroverse um Israels Teilnahme am ESC
Mehr als 1.100 Musiker:innen fordern den Ausschluss Israels vom Eurovision Song Contest in Wien. Mit ihrer Kampagne „No Music For Genocide“ werfen Roger Waters, Peter Gabriel oder die britische Band Massive Attack dem Land Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Konkreter Auslöser ist der israelische Militäreinsatz im Gazastreifen als Reaktion auf den Angriff der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. Auf der anderen Seite zeigt sich die internationale Initiative „Creative Community for Peace“, zu deren Unterstützerinnen und Unterstützern Stars wie Helen Mirren oder Boy George zählen, in einem offenen Brief „geschockt und enttäuscht“ über den Boykott. Denn Israel habe doch den Krieg nicht beginnen wollen. Außerdem habe das Land eine lange Geschichte mit vielfältigen ESC-Teilnehmern, einschließlich Palästinensern, Äthiopiern und Mitgliedern der LGBTQA+-Community. Selbst ehemalige ESC-Teilnehmer:innen reagieren zwiespältig. Eine komplexe Debatte, die auch schon zahlreiche Demonstrationen in Wien auf den Plan gerufen hat. Wo liegt die feine Trennlinie zwischen Israel-Kritik und Antisemitismus? Wo jene zwischen links und rechts? Der österreichische Schriftsteller Richard Schuberth hat in seinem neuen Buch „Vom Antisemitismus, der keiner sein will“ den identitätspolitischen Diskurs beleuchtet.
Zoff und Zündstoff – Die Kunst-Biennale in Venedig
Auch die idyllische Serenissima entfaltet anlässlich der Kunst-Biennale reichlich Konfliktpotenzial. „In Minor Keys“, zu Deutsch „in Moll“, betitelte die im Vorjahr unerwartet verstorbene Chefkuratorin Koyo Kouoh die 61. Ausgabe der internationalen Kunstschau, die offiziell am 9. Mai startet. In ihrem längst ausgearbeiteten Konzept, das nun posthum umgesetzt wurde, stehen marginalisierte und oft überhörte Stimmen im Zentrum. Die erste afrikanische Frau an der Spitze der Kunst-Biennale beschrieb ihre Idee als eine heilende Form des Widerstands, die dazu aufruft, inmitten der gegenwärtigen Weltlage aufmerksam zuzuhören. Dass sich nun in die Molltöne Misstöne mischen, liegt an der Teilnahme von Russland und Israel, die schon im Vorfeld für heftige politische wie kulturelle Turbulenzen sorgt. Auch Österreichs Beitrag zur Biennale wird jede Menge Aufsehen hervorrufen. Denn: Die radikale Choreografin und Performerin Florentina Holzinger, die sich mit ihren spektakulären Theaterarbeiten international schon jede Menge Lorbeeren verdiente, liefert mit ihrem Beitrag „Seaworld Venice“ eine Aktion mit Trigger-Garantie. Holzingers besondere Reflexion über Nachhaltigkeit zeichnet sich schon jetzt, kurz nach der Pavillon-Präsentation, als Publikumsmagnet ab.
Dokumentation „Patti Smith: Poesie und Punk“ (23.15 Uhr)
Mehr als 50 Jahre dauert Patti Smiths Karriere nun schon an, ihr Welthit „Because the Night“, den sie gemeinsam mit Bruce Springsteen schrieb, zementierte ihren Status als Rock-Ikone. Die US-amerikanische Punk- und Rockmusikerin, Singer-Songwriterin, Lyrikerin, Fotografin und Malerin galt als das, was man als seltsames Kind bezeichnet, und hielt sich selbst für ein Alien. Wie versöhnt man sich mit solchen Etikettierungen? Was Smith betrifft, so schafft sie ihre eigenen Maßstäbe. Sie verschmilzt Männliches und Weibliches, mischt Underground und Hochkultur. Ihr einziges Ziel: die Regeln loszuwerden, die ihr im Weg stehen, sich frei zu fühlen, sie selbst zu sein. Die Künstlerin hat eine enge Beziehung zu Österreich, 2019 erhielt sie das Ehrenzeichen der Republik für Wissenschaft und Kunst. Ab 21. Mai gastiert die „Godmother of Punk“ heuer mit ihrem Patti Smith Quartet bei den Wiener Festwochen. Die Regisseurinnen Sophie Peyrard und Anne Cutaia erzählen in ihrer Dokumentation die Geschichte einer Künstlerin par excellence, die den Rock mit den Mitteln der Poesie revolutionierte.
1967: Eine schlaksige junge Frau kommt aus New Jersey nach Manhattan, der amerikanischen Hauptstadt der Selbstfindung. Zurückgelassen hat Patti Smith ein anonym geborenes Baby und ein Leben, das ihr viel zu eng geworden ist. Sie reist mit Arthur Rimbauds „Illuminations“ und einer Polaroidkamera im Gepäck. Die erste Person, die sie trifft, wird eine Liebe auf den ersten Blick sein: der 20-jährige Fotograf Robert Mapplethorpe kennt keine Grenzen in seinem Ehrgeiz, mit ihm wird Smith die Stadt erobern, die niemals schläft. In den Gängen des Chelsea Hotels, gemeinsam mit Allen Ginsberg, Sam Shepard und William S. Burroughs, verfeinert sie ihr schriftstellerisches Talent. Nach einigen bemerkenswerten öffentlichen Lesungen ihrer Gedichte schließt sich ihr der Gitarrist Lenny Kaye an und sie nimmt ihre erste selbstproduzierte Single auf: „Hey Joe / Piss Factory“. Die Platte wird zum Instant-Erfolg und etabliert einen radikal neuen Stil des Schreibens und Singens, bei dem Patti Smiths tiefe Stimme Rock-Standards erschüttert. Es folgen Konzerte in den legendären Sälen des East Village. Die Künstlerin entpuppt sich als geborene Performerin, die drei Stunden ohne Pause auf der Bühne stehen kann. Clive Davis, Entdecker von Janis Joplin, nimmt sie unter Vertrag, sie produziert ihre erste LP: das längst legendäre Album „Horses“ aus dem Jahr 1975. Smith wird zur geistigen Mutter der Punkmusik, indem sie mit Konventionen bricht, Phantasie und Poesie in ihr Werk einfließen lässt. Basierend auf seltenem Archivmaterial und Ausschnitten aus legendären Konzerten zeichnet die Doku den Weg einer unersättlichen Dichterin, Musikerin und Fotografin nach, die zu einer der bedeutendsten Künstlerinnen der Gegenwart wurde.
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