Fachverband Reisebüros: Tourismus ist kein Bankomat für klamme Staatskassen

Flugabgabe und massive Erhöhung der Wiener Ortstaxe verteuern Reisen, schwächen Betriebe und gefährden Arbeitsplätze

Der angekündigte Ausbau des Ryanair-Angebots am Flughafen Bratislava ist aus Sicht des Fachverbands Reisebüros in der Wirtschaftskammer Österreich ein deutliches Warnsignal für den Tourismusstandort Österreich. Während Nachbarstandorte touristisch wachsen -Bratislava verzeichnete im ersten Quartal +148 % an Passagieraufkommen – verliert Wien an Attraktivität. Ein wesentlicher Grund dafür sind, so Gregor Kadanka, Obmann im Fachverband der Reisebüros, steigende Abgaben, Gebühren und Belastungen, die Reisen nach Österreich und insbesondere Wien verteuern.

„Der Tourismus wird zunehmend als Einnahmequelle für Budgetlöcher betrachtet, mit massiven Folgen für Betriebe, Beschäftigte, Gäste und den Standort insgesamt“, hält Kadanka fest.

„Wenn Fliegen nach Österreich durch Abgaben künstlich verteuert wird, weichen Airlines und Gäste eben auf günstigere Alternativen aus. Das trifft dann nicht nur Airlines, Flughäfen und Reisebüros, sondern die gesamte weitere touristische Wertschöpfungskette – von Hotels und Gastronomie über Busunternehmen bis hin zu regionalen Zuliefererbetriebe. Die Flugabgabe ist kein Beitrag zum Klimaschutz, sondern ein Konjunkturprogramm für die Nachbarländer“, so Kadanka weiter.

Ryanair fordert seit längerem die Abschaffung der österreichischen Flugabgabe von derzeit 12 Euro pro Ticket und baut gleichzeitig ihr Angebot in Bratislava massiv aus. Während dort deutlich steigende Passagierzahlen prognostiziert werden, wird für Wien ein Rückgang erwartet. Angesichts der unmittelbaren geografischen Nähe der beiden Flughäfen – sie liegen nur rund 50 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt – ist der Wettbewerb ist daher unmittelbar spürbar, so der Fachverband.

Kritisch sieht der Kadanka auch die geplante Erhöhung der Ortstaxe in Wien. Diese soll ab 1. Juli 2026 von derzeit 3,2 Prozent auf 5 Prozent steigen und ab 1. Juli 2027 sogar 8 Prozent betragen – und sich damit innerhalb kurzer Zeit nahezu verdreifachen.

„Gerade für eine Kongressstadt wie Wien ist das besonders schmerzhaft und ein völlig falsches Signal. Der Tourismus darf nicht immer als Mittel zur Budgetsanierung heranangezogen werden“, betont Kadanka. „Immer höhere Abgaben treffen nicht anonyme internationale Konzerne, sondern vor allem österreichische Familienbetriebe, ihre Mitarbeiter:innen und regionale Wertschöpfung. Mehr Abgaben bedeuten nicht automatisch mehr Staatseinnahmen. Bleiben die Gäste aus, verlieren am Ende alle“, hält Kadanka fest.

„Was wir für unsere Reisebüros, Airlines, Flughäfen, Hotels und die gesamte touristische Wertschöpfungskette insgesamt brauchen, sind klare und handfeste Entlastungen: die Abschaffung der Flugabgabe, ein Ende weiterer Belastungen bei Nächtigungen sowie eine Standortpolitik, die Betriebe stärkt, statt sie immer wieder zur Kassa zu bitten“, fordert Kadanka abschließend. (PWK240/ES)

Wirtschaftskammer Österreich

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