Südwind reicht OECD-Beschwerde gegen Huber Holding AG ein
Lohnschulden in Millionenhöhe: Über 900 Näher:innen in Thailand betroffen – Robert Ng, Eigentümer der Vorarlberger Huber Holding, verweigert trotz Gerichtsurteilen die Zahlung.
Es ist nun fast sechs Jahre her, dass über 900 Arbeiter:innen der thailändischen Body Fashion-Textilfabriken gekündigt wurden, ohne den ausstehenden Lohn und Abfindungen zu bekommen. Trotz mehrerer Gerichtsurteile in Thailand zugunsten der Arbeiter:innen aus dem Jahr 2022 wurden die Schulden in Höhe von 6,5 Millionen Euro bis dato nicht beglichen. Um einen Dialog über konkrete Wiedergutmachung und Maßnahmen zur Einhaltung von Arbeits- und Menschenrechten anzustoßen, reicht die österreichische Menschenrechtsorganisation Südwind gemeinsam mit einer Partnerorganisation in Thailand eine OECD-Beschwerde ein. Südwind fordert die Huber Holding AG auf, sich konstruktiv an dem Verfahren zu beteiligen und gemeinsam mit den Betroffenen Lösungen zu erarbeiten.
“Unternehmen dürfen sich ihrer Verantwortung in globalen Lieferketten nicht entziehen. Es ist ein fatales Signal, dass trotz gerichtlicher Urteile Arbeiter:innen immer auf die ihnen zustehenden Löhne und Entschädigungen warten müssen. Viele Betroffene haben über zehn Jahre lang für die Fabrik geschuftet, nur um eines Tages vor verschlossenen Türen zu stehen und in existenzielle Nöte zu geraten”, SAGT LENA GRUBER, SÜDWIND-SPRECHERIN FÜR TEXTIL-LIEFERKETTEN. “Es braucht ein klares Signal an Unternehmen, dass sie die Verantwortung für Menschenrechte nicht auslagern dürfen.”
LOHNRAUB MIT VERBINDUNGEN NACH ÖSTERREICH
Body Fashion ist Teil des Textilimperiums von Unternehmer Robert Ng – auch bekannt unter dem Namen Ng Man Choong – und belieferte Huber. Seit 2017 ist Ng zudem Vorstandsvorsitzender der Huber Holding AG. Seit 2010 ist das Vorarlberger Traditionsunternehmen im alleinigen Eigentum der Hongkonger Benger Brands Ltd. und gehört damit zum Firmenimperium von Robert Ng. Unter dem Dach der Huber Holding AG finden sich die Marken Huber Bodywear, Skiny, Hanro und HOM. Auch Marken wie Victoria’s Secret, Lane Bryant und die Triumph AG ließen bei Body Fashion produzieren.
SÜDWIND APPELLIERT AN LEITSÄTZE FÜR UNTERNEHMENSVERANTWORTUNG
Nachdem die OECD-Beschwerde eingereicht wurde, hat die nationale Kontaktstelle der OECD, die in Österreich beim Ministerium für Arbeit und Wirtschaft liegt, drei Monate Zeit, deren Zulässigkeit zu prüfen.
Die OECD-Leitsätze sind internationale Standards für verantwortungsvolle Unternehmensführung. Sie verpflichten Unternehmen dazu, Menschenrechte und Arbeitsrechte entlang ihrer Lieferketten zu achten und bei negativen Auswirkungen Abhilfe zu schaffen. Mit einer OECD-Beschwerde können Betroffene und Organisationen Verstöße gegen diese Standards bei den sogenannten Nationalen Kontaktpunkten einbringen. Ziel des Verfahrens ist es, Unternehmen und Beschwerdeführer:innen an einen Tisch zu bringen und Lösungen für Menschenrechtsverletzungen zu erreichen.
Vincent Sufiyan
Südwind Leitung Kommunikation
+43650 9677 577
vincent.sufiyan@suedwind.at
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