Fairtrade International – Generalversammlung: Robuste Lieferketten im Fokus

Beim jährlichen internationalen Meeting, das heuer in Bonn stattfand, wurden die Weichen für die Zukunft des fairen Handels gestellt.

Der Klimawandel, volatile Rohstoffmärkte und geopolitische Krisen erhöhen aktuell den Druck in der Landwirtschaft. FAIRTRADE setzt deshalb gemeinsam mit seinen Partnerunternehmen auf existenzsichernde Einkommen und langfristige Handelsbeziehungen. BEREITS 15 UNTERNEHMEN IM KAKAOSEKTOR – darunter mehrere europäische Einzelhändler wie Action, Marks & Spencer, Lidl und Superunie – ZAHLEN SOGENANNTE LIVING INCOME REFERENCE PRICES. Diese orientieren sich an den jeweiligen Bedingungen in den Herkunftsländern und zeigen Unternehmen, WELCHE PREISE NOTWENDIG SIND, UM EXISTENZSICHERNDE EINKOMMEN UND LÖHNE ZU ERMÖGLICHEN.

Die zu Referenzpreisen für existenzsichernde Einkommen bezogenen Mengen wurden dadurch in der Erntesaison 2024/2025 gegenüber dem Vorjahr um 60 Prozent auf fast 32.000 Tonnen gesteigert. Die für 2026 eingegangenen Verpflichtungen werden voraussichtlich zu einem weiteren Anstieg um 50 Prozent führen.

Die aktuellen Referenzpreise sind in der FAIRTRADE Reference Price Map veröffentlicht (aktuelle Preisupdates gibt es beispielsweise für Côte d’Ivoire und Ghana), und berücksichtigen u.a. Werte wie gesunde Ernährung, sicheren Wohnraum, Bildung, Gesundheitsversorgung sowie die Deckung sonstiger Grundbedürfnisse.

FAIRTRADE SCHAFFT MESSBARE WIRKUNG

Aktuelle Daten zeigen die wirtschaftliche Bedeutung des Systems: Zuletzt erwirtschafteten FAIRTRADE-Produzentenorganisationen WELTWEIT 201,6 MILLIONEN EURO AN FAIRTRADE-PRÄMIE. IN DEN VERGANGENEN FÜNF JAHREN WAREN ES INSGESAMT MEHR ALS EINE MILLIARDE EURO, die so in Bildung, Infrastruktur, Produktivität, Klimaanpassung und die Stärkung lokaler Gemeinschaften investiert werden konnten. 35 Prozent der FAIRTRADE-Prämiengelder investierten die Bauernfamilien in Maßnahmen zur Steigerung ihrer Produktivität – etwa in Schulungen zu besseren Anbaumethoden, neue Werkzeuge oder landwirtschaftliche Maschinen.

Was diese Investitionen bewirken können, zeigt die FAIRTRADE-Kakaokooperative ECAKOOG in Côte d’Ivoire: Mit den Prämiengeldern wurden zuletzt unter anderem Trinkwasserbrunnen gebaut, Schulmaterial finanziert und Alphabetisierungsprogramme umgesetzt. Viele Bäuerinnen und Bauern lernen dadurch lesen und schreiben und können ihre Betriebe zunehmend selbstständig führen. Während noch 2020 vielerorts Wasser mühsam mit Kübeln aus dem Fluss geholt werden musste, fließt es heute an acht Standorten aus Tiefbrunnen. Über die Verwendung der FAIRTRADE-Prämie entscheiden die Mitglieder der Produzentenorganisationen demokratisch selbst und investieren dort, wo sie den größten Nutzen für ihre Gemeinschaft sehen.

DIE MENSCHEN IM GLOBALEN SÜDEN ENTSCHEIDEN MIT

Gleichzeitig zeigt die jüngste Generalversammlung von Fairtrade International, was FAIRTRADE von vielen anderen Nachhaltigkeitssystemen unterscheidet. Bauernfamilien und Beschäftigte aus den Anbauregionen gestalten die Weiterentwicklung des Systems gleichberechtigt mit. So haben sie beispielsweise an der Ausarbeitung der neuen globalen Strategie von Fairtrade International 2026-2028 mitgewirkt. Vertreter:innen der Bauernfamilien und Beschäftigten aus Afrika, Asien, Lateinamerika und der Karibik verfügen zudem über 50 Prozent des Stimmrechts.

Bei der Generalversammlung wurde vor allem über das Geschäftsjahr 2025, die Strategieumsetzung 2026 sowie die finanzielle und organisatorische Rechenschaft des Boards berichtet. Im Mittelpunkt standen mehrere Beschlüsse zu Finanzen, Compliance, Menschenrechtsrichtlinien, dem Mitgliedschaftsprozess, Satzungsänderungen und der Wahl eines Board-Mitglieds. Im Zuge dessen trafen sich die VERTRETER:INNEN UND CEOS DER PRODUZENTENNETZWERKE SOWIE DIE CEOS DER NATIONALEN FAIRTRADE-ORGANISATIONEN (Hartwig Kirner war für FAIRTRADE Österreich vor Ort) zudem zu einem Strategieworkshop.

Genau diese Mitbestimmung macht FAIRTRADE anpassungsfähig und sorgt dafür, dass Lösungen dort ansetzen, wo die Herausforderungen entstehen. „Die aktuellen Wirkungsdaten und die Ergebnisse der Generalversammlung zeigen: Faire Einkommen, demokratische Mitbestimmung und langfristige Partnerschaften stärken Produzentenorganisationen und schaffen widerstandsfähigere Lieferketten. In einer zunehmend unsicheren Welt sind sie damit auch ein wichtiger Erfolgsfaktor für nachhaltigen Handel“, so Kirner abschließend.

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