Große internationale Publikationen unter der Leitung Wiener Ärzte zu neuartiger Behandlung aggressiver Lungenkrebs-Varianten

GLEICH ZWEI AKTUELLE FORSCHUNGSARBEITEN UNTER MASSGEBLICHER BETEILIGUNG DES KARL LANDSTEINER INSTITUTS FÜR LUNGENFORSCHUNG UND PNEUMOLOGISCHE ONKOLOGIE AN DER WIENER KLINIK FLORIDSDORF ZEIGEN, WIE KLINISCHE FORSCHUNG KONKRETE FORTSCHRITTE IN DER VERSORGUNG VON PATIENT:INNEN MIT LUNGENKREBS ERMÖGLICHT. DIE STUDIEN, VERÖFFENTLICHT IM JOURNAL OF THORACIC ONCOLOGY SOWIE IM NEW ENGLAND JOURNAL OF MEDICINE, ERÖFFNEN NEUE GEZIELTE BEHANDLUNGSOPTIONEN FÜR PATIENT:INNEN MIT SELTENEN MOLEKULAREN TUMORVERÄNDERUNGEN.

NEUE OPTION BEI FORTGESCHRITTENER ERKRANKUNG MIT HER2-MUTATION

Im Fokus der ersten Untersuchung steht das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom mit sogenannter HER2-Mutation – eine seltene genetische Veränderung, die mit einem oft ungünstigen Krankheitsverlauf verbunden ist. Analysiert wurde der Einsatz von Trastuzumab Deruxtecan, einem modernen Antikörper-Wirkstoff-Konjugat. Dieses kombiniert eine zielgerichtete Antikörpertherapie mit einem zytotoxischen Wirkstoff, um Tumorzellen möglichst präzise zu bekämpfen. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um eine Art „biologisches Transportmittel“, bei der ein Antikörper gezielt Krebszellen erkennt und eine wirksame Chemotherapie direkt dorthin bringt, sodass gesundes Gewebe möglichst geschont wird.

Die internationale Studie basiert auf sogenannten Real-World-Daten von 168 Patient:innen aus 68 Zentren. Federführend geleitet wurde die Arbeit von Dr. Oliver Illini und Dr. Maximilian Hochmair von der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie, Klinik Floridsdorf sowie dem Karl Landsteiner Institut für Lungenforschung und pneumologische Onkologie, beide unter der Leitung von Prim. Priv.-Doz. Dr. Arschang Valipour.

Die Ergebnisse zeigen eine deutliche klinische Wirksamkeit: Bei mehr als der Hälfte der behandelten Patient:innen kam es zu einer messbaren Verkleinerung des Tumors, und bei nahezu 90 Prozent konnte die Erkrankung zumindest vorübergehend stabilisiert werden. Besonders bemerkenswert ist, dass auch Patient:innen mit Hirnmetastasen von der Therapie profitierten – eine Gruppe mit bislang eingeschränkten Behandlungsoptionen.

„Unsere Daten zeigen, dass Trastuzumab Deruxtecan auch unter Alltagsbedingungen eine sehr relevante Wirksamkeit entfaltet – selbst bei Patient:innen mit fortgeschrittener Erkrankung“, erklärt Dr. Oliver Illini. „Gerade für diese seltene Tumorbiologie stellt das einen wichtigen Fortschritt dar.

RÜCKFÄLLE NACH OPERATION BEI PATIEN:INNEN MIT RET-FUSION DEUTLICH REDUZIERT

Eine zweite Studie, die beim Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) präsentiert und zeitgleich im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, untersuchte eine weitere seltene Mutation bei Lungenkrebs: die RET-Fusion. Maximilian Hochmair war als Zweitautor beteiligt.

Die Ergebnisse zeigen, dass die untersuchte Therapie mit dem Wirkstoff Selpercatinib das Risiko eines Krankheitsrückfalls nach einer Operation deutlich senken kann. Patient:innen, die die zielgerichtete Behandlung erhalten haben, blieben wesentlich häufiger krebsfrei als jene, die keine aktive Erhaltungstherapie bekamen. Während in der Vergleichsgruppe viele Betroffene innerhalb von zwei Jahren erneut erkrankten, trat ein Rückfall in der Behandlungsgruppe nur bei sehr wenigen Patient:innen auf. Das Rückfallrisiko war in der Studie um mehr als vier Fünftel geringer als bei Patient:innen ohne diese gezielte Therapie.

Dr. Maximilian Hochmair fasst zusammen: „Die Ergebnisse zeigen, dass zielgerichtete Therapien das Rückfallrisiko auch im Frühstadium deutlich senken können. Entscheidend dafür ist eine präzise molekulare Diagnostik, denn sie ermöglicht es, für jede Patientin und jeden Patienten die passende Therapie auszuwählen. Gleichzeitig machen diese Daten deutlich, wie zentral klinische Forschung für die Versorgung ist: Erst durch internationale Studien und die systematische Auswertung von Erfahrungen aus dem klinischen Alltag wird sichtbar, welche Behandlungen tatsächlich wirken – und wer besonders davon profitiert.“

INDIVIDUALISIERTE BEHANDLUNGSOPTIONEN BIETEN VORTEILE FÜR PATIENT:INNEN

Für Patient:innen eröffnen sich dadurch neue, individualisierte Behandlungsmöglichkeiten – sowohl im fortgeschrittenen Stadium als auch bereits nach einer Operation. Das kann konkret bedeuten: eine bessere Krankheitskontrolle, ein geringeres Rückfallrisiko und mehr Zeit mit stabiler Erkrankung. Mit der Publikation im New England Journal of Medicine werden die an der Klinik Floridsdorf gewonnenen Studienergebnisse einem internationalen Fachpublikum zugänglich gemacht. Auf diese Weise kommen die neuesten Erkenntnisse rasch in der medizinischen Praxis an und damit Patient:innen weltweit zugute.

LINKS:

* Publikation zu HER2-Mutation: https://www.jto.org/article/S1556-0864(26)00104-8/fulltext
* Publikation zur RET-Fusion: https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2602628
* Weitere Infos zur Abt. f. Innere Medizin und Pneumologie, Klinik Floridsdorf: https://klinik-floridsdorf.gesundheitsverbund.at/leistung/innere-medizin-und-pneumologie-abteilung/

Pressesprecher Karl Landsteiner Institut für Lungenforschung und
pneumologische Onkologie
David Rosenthaler, BEd
Telefon: 01 27700 5634
E-Mail: david.rosenthaler@extern.gesundheitsverbund.at
Website: https://www.lungenforschung.at

Pressesprecherin Wiener Gesundheitsverbund
Birgit Wachet
Telefon: 0664 1507255
E-Mail: brigit.wachet@.gesundheitsverbund.at
Website: https://www.gesundheitsverbund.at

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